Kommentar zu Facebook: Keine Plattform für Hetze

Kommentar zu Facebook : Keine Plattform für Hetze

Das Soziale Netzwerk Facebook hat in den USA und Großbritannien die Profile ultrarechter Hetzer gesperrt. Das klingt zunächst nach einem richtigen Schritt. Fraglich ist aber, was dahinter steckt.

Sie haben radikale Hetze betrieben, Verschwörungstheo­rien verbreitet und mit ihrer Propaganda auf Facebook und Instagram Tausende Menschen erreicht. Damit macht das Soziale Netzwerk jetzt Schluss – und hat Alex Jones, Milo Yiannopoulos, Louis Farrakhan und anderen am Freitag den digitalen Riegel vorgeschoben.

Das Löschen dieser Accounts könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, wenn es darum geht, dass das größte Soziale Netzwerk seine Verantwortung in Sachen Hass-Propaganda endlich erkennt und vor allem auch wahrnimmt. Was wirklich hinter diesem Schachzug des Zuckerberg-Netzwerks steckt, ist jedoch hoch fraglich.

Das Unternehmen selbst begründet das plötzliche Einschreiten am Freitag zunächst nicht konkret. Warum also gerade diese Profile gerade jetzt gelöscht werden, bleibt unklar. Fakt ist jedoch: Facebook steht seit Monaten scharf in der Kritik, zu lasch im Kampf gegen die Verbreitung manipulativer Inhalte vorzugehen. Dazu nagen große Datenpannen massiv am Image des Konzerns. Gute PR kommt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in dieser Situation sicherlich gelegen. Die plötzliche Sperrung der Accounts mag also durchaus ein wenig idealistisches Mittel zum Zweck sein, um das eigene Image zu entstauben und die öffentliche Reputation wiederherzustellen.

Sollte die aktuelle Entwicklung jedoch tatsächlich der Startschuss für einen künftig konsequenten Umgang mit offensichtlicher Hetze sein, wäre das ein Grund zur Freude. Betreiber von digitalen Plattformen sind verantwortlich für die Inhalte, die dort verbreitet werden. Diese Verantwortung muss gewissenhaft wahrgenommen werden – auch von Facebook.

Soziale Netzwerke dienen in ihrer Funktion als digitaler Marktplatz in erster Linie dem öffentlichen Meinungsaustausch. Das bedeutet: Hier dürfen unterschiedliche Meinungen ausgetauscht werden, auch kontroverse. Der Mantel der Meinungsfreiheit kann jedoch keine rassistische Hetze oder extremistische Hassrede decken. Derlei Inhalte zu löschen und Kommentatoren, die sich nicht an entsprechende Gemeinschaftsstandards halten, konsequent den Zugang zu entziehen, ist ein richtiger und längst überfälliger Schritt.

Ohne Öffentlichkeit findet radikale Hetze kein Publikum. Mit einer konsequenten Strategie könnte Facebook einen dringend nötigen Beitrag dazu leisten, der Verbreitung von radikalem Gedankengut den Nährboden zu entziehen. Was passieren kann, wenn man stattdessen tatenlos zusieht und derlei Gedanken keimen lässt, zeigt der Blick in die Geschichtsbücher.