Kommentar zum DFB-Pokal-Halbfinale: Kein Interesse an der Gerechtigkeit

Kommentar zum DFB-Pokal-Halbfinale : Kein Interesse an der Gerechtigkeit

Vor ein paar Tagen hat der ehemalige Nationalspieler Thomas Müller nach einem Bundesliga-Spiel in Düsseldorf verkündet, dass er den vollends ungerechtfertigten Elfmeter, den der Gegner zugesprochen bekam, natürlich zielstrebig neben das Tor geschoben hätte. Am Mittwochabend dann bekam sein FC Bayern einen höchst diskutablen Elfmeter zugesprochen.

Natürlich hat ihn der eingeteilte Schütze Robert Lewandowski dann lieber zielstrebig ins statt neben das Tor geschoben. Der Treffer ist Millionen wert, denn so erreichte der FC Bayer durchaus verdient das deutsche Pokalfinale.

Der Skandal an dieser Geschichte ist nicht, dass der FC Bayern einen ziemlich diskussionswürdigen Elfmeter zugebilligt bekommen hat. Das spektakuläre Halbfinale endete vielmehr unrühmlich, weil der Videobeweis ad absurdum geführt wurde. Die technische Hilfe soll die Schiedsrichter unterstützen, im Zweifel können ihre Entscheidungen so einen Garantiestempel erhalten.

Davon profitiert nicht nur der Sport, auch das Ansehen eines Berufsstandes profitiert vom „Wahrheitsgehalt“ der Bilder. Spielleiter Daniel Siebert hat schnell seine Entscheidung getroffen und dann darauf verzichtet, sich die Bilder noch einmal anzugucken. Er war sich seiner Sache sicher. Sein eingeteilter Videoassistent in Köln sah keinen Anlass, ihn dazu zu ermutigen, obwohl ihm das Regelwerk dazu ermutigt.

Wenn man aber desinteressiert an den technischen Möglichkeiten ist, kann man sie auch gleich einmotten. Der Videobeweis soll für mehr Gerechtigkeit sorgen - das ist der Anspruch. Dafür muss man aber auch an mehr Gerechtigkeit interessiert sein und seine Möglichkeiten ausschöpfen.

(Christoph Pauli)
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