1. Meinung

Katholische Kirche beginnt den "synodalen Weg". Dialog statt Pflicht.

Kommentar zum „synodalen Weg“ : Guter Wille und viel Skepsis

Der am Sonntag begonnene „synodale Weg“ der deutschen katholischen Kirche ist eine Dialogveranstaltung – nicht mehr und nicht weniger. Die Bischöfe haben sich zu nichts verpflichtet – außer zur Diskussion.

Manche aus ihrem Kreis empfinden den „synodalen Weg“ als Zumutung. Für die Bischofskonferenz als Ganzes war die Entscheidung für diesen Weg ein immens großer Schritt, für die auf Reformen drängende Basis aber nur das Minimum dessen, was jetzt zu tun ist.

Kardinal Marx will Basis und Bischöfe beieinander halten und spricht über den „synodalen Weg“ als „geistliches Geschehen“. Die meisten engagierten Katho­likinnen und Katholiken in den Pfarrgemeinden hören das und ständige klerikale Verweise auf „das Wirken des Heiligen Geistes“ nicht so gerne, weil sie zu Recht befürchten, dass so Kontroversen zugekleistert und konkrete Konsequenzen vermieden werden sollen, dass sich dahinter vor allem Furcht vor vatikanischen Interventionen verbirgt.

Freiheit und Vielfalt versprechen Marx und ZdK-Präsident Sternberg. Sie meinen es ernst damit. Selbst unter den Gutwilligen gehen allerdings die Meinungen, wie viel Freiheit und Vielfalt der Kirche zuträglich ist, stark auseinander. Ganz abgesehen von zahl- und einflussreichen Konservativen in der katholischen Kirche, denen der „synodale Weg“ ohnehin zu weit führt, die jetzt mit geballter Faust in der Tasche nur deshalb mitlaufen, um nicht als bloße Verweigerer dazustehen und das Bild der Gemeinsamkeit von vorn­herein zu zerstören.

Satzung schränkt Freiheit und Vielfalt ein

Zwar wird der „synodale Weg“ den Pluralismus in der deutschen Kirche offenbaren, aber Demokratie nur spielen. Schon dessen Satzung schränkt Freiheit und Vielfalt deutlich ein. Ob es am Ende des Weges, wie von der Kirchenbasis massiv gefordert wird, tatsächlich mehr Freiheit und Vielfalt in der deutschen katholischen Kirche geben wird, ist höchst zweifelhaft. Die Skepsis ist ähnlich groß wie die Angst zahlreicher Kleriker vor zu viel Pluralität in ihrer Kirche. Und wenn jeder Bischof sowieso machen darf und wird, was er will, und der Vatikan alles verhindern kann, gibt es keinerlei Verbindlichkeit, sondern bestenfalls guten Willen und Freiwilligkeit.

Viele Katholiken – Priester und Laien – stehen jetzt am Start des „synodalen Wegs“. Ihre Zuversicht ist bewundernswert. Sie wollen nach dem ungeheuerlichen Missbrauchsskandal Glaubwürdigkeit und Vertrauen für ihre Kirche zurückgewinnen. Das sollte man nicht nur mit begründetem Missmut, sondern auch mit Sympathie verfolgen. Denn in Deutschland wird eine gesellschaftlich und seelsorgerisch hochengagierte und in ihrer Struktur und Moral er­neuerte katholische Kirche dringend gebraucht.

Wohin der „synodale Weg“ führt, weiß niemand; diese Ungewissheit kann sich ebenso verheißungsvoll wie gefährlich auswirken. Es werden ganz unterschiedliche Ziele angestrebt. Der „synodale Weg“ könnte sich gabeln; manche könnten vom Weg abkommen. Spannend wird es auf jeden Fall.