Glosse zum „Tag des Schlafes“: Holt den Schlaf aus dem Schattendasein!

Glosse zum „Tag des Schlafes“ : Holt den Schlaf aus dem Schattendasein!

Den „Tag des Schlafes“ einigermaßen würdig zu begehen, ist nicht ganz leicht. Einfach verpennen kann es nicht sein; das wäre so, als ob man am Tag der Arbeit einfach weitermalochen würde.

An solchen Tagen des .­.­. muss ja immer viel Buhei gemacht werden, etwa um Frauen, Kinder, Nudeln, Menschenrechte oder Zahngesundheit. Aber hat der Schlaf das nötig?

Schlafen liegt doch ohnehin im Trend, ganz Deutschland tut es, die Spanier tun es auch zur Mittagszeit und sogar die fleißigen Japaner schlafen ein wenig und schämen sich hinterher. Die Schlaftaginitiatoren betonen zwar die gesundheitsfördernde Wirkung, aber ein ausgiebiges Nickerchen kann noch viel mehr. Wer schläft, sündigt bekanntlich nicht; Adam und Eva könnten heute noch im Paradies leben, wenn sie die Finger vom Apfel gelassen hätten und im Bett geblieben wären. Auch heute gilt das noch: Wer schläft, postet und twittert nicht und richtet weniger Unheil an.

Andererseits darf natürlich auch kein Trend verschlafen werden, sonst droht ein böses Erwachen: Die Chinesen überholen die schöne deutsche Autoindustrie, im Internet sind alle schon ein paar Straßen weiter und wir spielen weltweit nur noch Kreisliga. Das Problem gäbe es aber gar nicht, wenn auch die Chinesen genug schlafen würden.

Deshalb muss der Schlaf gefördert werden, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Viele Fernsehprogramme mühen sich redlich, aber packen das Übel nicht bei der Wurzel: Der Schlaf muss aus dem nächtlichen Schattendasein herausgeholt werden, er darf nicht länger in private Schlafzimmer eingesperrt bleiben. Der Schlaf gehört zum Leben und sollte überall sichtbar sein, wo die Gesellschaft mit sich selbst diskutiert. Im Internet zum Beispiel. Ein Youtube-Video mit einem schlafenden Influencer wäre doch mal ein klares Signal. Aber wahrscheinlich traut sich keiner.

Mehr von Aachener Zeitung