Glossiert: Klatsche oder Applaus?

Glossiert: Klatsche oder Applaus?

Dass im Stadtrat reihenweise Narren sitzen, hatte so mancher Schelm schon vermutet. Am Mittwoch, ab 18.11 Uhr, gibt‘s mal wieder die offizielle Bestätigung. „Närrische Ratssitzung“ heißt das.

Dann nehmen sich Ratsherren und -frauen selbst und gegenseitig auf die Schippe. Zum Wegschmeißen witzig! Aus Tradition. Schließlich machen die den Bürger auch vor und nach den dollen Tagen pratschjeck.

Das Tolle 2014 ist: Auf der Bühne im Rathaus-Foyer müssen unsere fabulösen Volksvertreter gar nichts Fiktives erfinden, um zum Fastelovvend Frechheiten zu formulieren. Deren dokumentierte Arbeit liefert nämlich Lachnummern zu Genüge. Ein Genuss. Zum Beispiel der „Shared Space“ am Templergraben, der so nicht mehr heißen darf. Erst werden Millionen Euro verbuddelt, damit der erste gleichberechtigte Verkehrsraum für Fußgänger, Radler und Autofahrer aus dem Boden wächst. Danach ermitteln Experten, dass die Quadratur des Kreises physikalisch wie verkehrsrechtlich ziemlich problematisch ist. Prima Pointe.

Der „Shared Space“ darf doch keiner sein — und erlahmt zur 30er-Zone, deren kostspieliges Kopfsteinpflaster an die Besiedlung Aachens durch die Römer erinnert. Doof gelaufen, buchstäblich. Und weil dem Bauunternehmer tonnenweise asiatische Granitblöcke fehlen, bleibt die Baustelle immer noch eine ebensolche. Ob sich solch‘ Narretei verTusch en lässt? Tätää! Tätää?

Apropos: Schlussakkorde in lauter Disharmonie trötet keiner schräger als Schwarz-Grün. Da halten sich beide Vereine bei ihren Sitzungen engstmöglich an karnevalistische Rituale. Abmarsch CDU-Sitzungspräsident Baal, Einzug Fraktionschefin Schlick mit viel Tamtam und Getöse! So richtig lustig wird‘s, als der grüne Kollisionspartner beleidigt von der Mehrheitsbühne marschiert, weil die Union keinen Gitarrenlehrer als Schuldezernenten in die Bütt hieven will. Große Klatsche, kleiner Applaus. Und die SPD? Die haut schon vor der Wahl fröhlich einen raus. Blöd, dass es den eigenen OB-Kandidaten trifft. Egal. Das Publikum johlt.

Merke: Nicht jede Flasche liefert Hochprozentiges. Alte Weisheit aus dem Wahllokal. Wo sogar die FDP aufkreuzt: Seitdem deren Parteichef Lindner als AKV-Ordensritter TV-Traumquoten eingefahren hat, streben die Liberalen einen eigenen Elferrat an. So viele Sitze will die FDP bei der Kommunalwahl holen. Zum Wegwerfen, oder?

Mehr von Aachener Zeitung