Glossiert: Berliner Zirkus

Glossiert: Berliner Zirkus

Gestern morgen lächelte mir von einem Laternenmast am Hansemannplatz in Aachen Graf Zahl aus der Sesamstraße entgegen. Oh, nein! Moment! Es war Cem Özdemir auf einem vergessenen Wahlplakat.

Aber abends war er dann leider weg! Im Wahlkampf hatte ich mal beobachtet, wie ein kleiner Junge vor diesem Plakat stand und seine Mutter fragte, ob ein Zirkus in der Stadt wäre. Die Mutter druckste daraufhin rum. Und da war sie für mich, die Erklärung, warum der Bundestag eine Kuppel hat. Oder haben Sie schon mal einen Zirkus mit Flachdach gesehen?

Wahlen sind ja glücklicherweise wie Schulbildung: kostenlos, in manchen Fällen aber auch umsonst. Aber ich will nicht klagen, denn uns geht’s doch eigentlich gut: 500.000 neue Jobs wurden von der alten Regierung geschaffen. Meine Freundin Steffi, zwei Kinder, alleinerziehend, hat alleine drei davon.

Aber vielleicht gibt sie bald wieder einen davon auf. Der Mindestlohn ist ja um sagenhafte 34 Cent gestiegen und das Kindergeld um satte zwei Euro. Wahrscheinlich hat Steffi die Fernreise schon gebucht und mischt gerade den Markt für Luxusimmobilien an der Côte d’Azur ordentlich auf.

Ihren Job könnte ich mir ja dann krallen. Allein schon, um das schlechte Image von Jobcentern zu widerlegen: Wer glaubt, dass er vom Arbeitsamt einen gescheiten Job bekommt, der glaubt auch, dass das Ordnungsamt seine Küche aufräumt.

Mehr von Aachener Zeitung