Glossiert: Allerheiligen

Glossiert: Allerheiligen

Bald ist wieder Allerheiligen. Da gehen wir alle zum Grab von Opa. Opa war ein kluger Mann. Der sagte mal: „Janz ejal, ob du im Leben Jutes jetan hast und wie viel Freunde du hattest. Die Anzahl der Menschen, die zu deiner Beerdigung kommen, hängt alleine vom Wetter ab.“

Recht hat er. Aber bei mir soll das mal anders sein. Ich bin jetzt über 50, und ab dann geht’s ja bekanntlich Richtung Grube. Aber damit ich nicht jetzt schon anfange, täglich die Todesanzeigen zu lesen — aus Sorge, meine eigene könnte dabei sein — sollte ich mir beizeiten Gedanken über ein ansprechendes, zeitgemäßes Grabdesign machen. Das Nachschlagewerk „Die Top Ten zur Grabsteingestaltung“ habe ich schon.

Aber die meisten Grabinschriften darin geben mir persönlich zu wenig Auskunft über den Gestorbenen. „Sie kehrt nie wieder“, besagt lediglich, dass die Verblichene im Reinigungsgewerbe tätig war. Oder „Viel war es nicht, was er ausgelassen hat“, heißt nichts mehr als: Der hat nix anbrennen lassen.

Mir ist das alles nicht modern genug. Ich meine, wir leben in einer Zeit, in der das Posten banalster Informationen als Überlebensbeweis gilt. Und für alle, die genau so denken wie ich, gibt’s den QR-Code auf dem Grabstein. So wird der Friedhofsbesucher automatisch zu „Trauer-Power“ weitergeleitet.

Auf meinem Grabstein soll jetzt stehen: „Wanderer tu niederknien, denn hier liegt ein Comedian“ — und darunter der QR-Code zu Annes Welt.

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