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Kommentar zu Marcel Philipp: Ein Teamplayer

Kommentar zu Marcel Philipp : Ein Teamplayer

Kommentieren wir also einen ganz normalen Vorgang: Ein Oberbürgermeister kündigt an, bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten zu wollen. So weit, so gut. Aber ist dies wirklich ein ganz normaler Vorgang?

Wohl nicht so ganz.

Als Marcel Philipp – fast auf den Tag genau – vor zehn Jahren zum Aachener Oberbürgermeister gewählt wurde, da haben nicht wenige Zweifel gehabt, ob der damals 38-Jährige wirklich fähig sei, die Anforderungen an dieses Amt zu erfüllen. Führungskraft in der Verwaltung, politische Vision in der Politik und – was nicht zu gering zu schätzen ist – ausreichend Charisma für die vielen repräsentativen Verpflichtungen – eine Mammutaufgabe. Zu groß schienen die Fußstapfen, die Philipps Amtsvorgänger Jürgen Linden hinterlassen hatte.

Es liegt wohl immer noch in der Natur der Sache, dass nach der starken Persönlichkeit gerufen wird. Nach jemandem, der stets die Richtung vorgibt. Die Latte liegt meist zu hoch. Die SPD im Bund hat nicht das entsprechende Personal, die CDU schwächelt da ebenso. Die Grünen sonnen sich gerade einmal im Glanz ihres Führungs-Duos, andere Parteien hadern bisweilen auch mächtig mit denen, die das Sagen haben (sollten). Es wird so gern um Personen, seltener um Inhalte gestritten.

Auf kommunaler Ebene ist das nicht anders. Marcel Philipp war sicher nicht dieser Leader, den viele suchen. Er verstand sich als Teamplayer. Was letztlich als Schwäche interpretiert wird. Nicht ganz zu unrecht. Das klare Wort vor allem in Sachen Stadtentwicklung fehlte. Mit seiner Fokussierung auf Elektromobilität hat sich Philipp zuletzt im politischen Wohlfühlklima eingerichtet. Da kann man nicht viel falsch machen.

Aber: Ein Oberbürgermeister ist auch nur so stark wie die politischen Kräfte, die ihn stützen (sollen). Da hat Philipp mit seiner CDU und dem vor sich hin schwächelnden Koalitionspartner SPD einfach Pech. Dass aus deren Reihen meist hinter vorgehaltener Hand gegen den Aachener OB geschossen wird, spricht für sich.

Letztlich zählen Mehrheiten. Gnadenlos. Ohne Ansehen der Person sozusagen. Und in Aachen zeichnet sich eben auch ab, dass es eine CDU-Mehrheit nicht mehr oder nur schwerlich geben wird. Aachen ist mehr grün als schwarz oder rot! Sich dem aussichtslosen Wettstreit nicht stellen zu wollen, ist nachvollziehbar. Und alle anderen Gründe, die hinter Philipps Entscheidung stehen könnten, sind privater Natur. Und das sollen sie auch bleiben.

a.pelzer@zeitungsverlag-aachen.de