Kommentar zum Vatikan: Ein Fall fürs Fegefeuer

Kommentar zum Vatikan : Ein Fall fürs Fegefeuer

Dass der Vatikan auf das Thema „Gender-Wahn“ aufspringt, war wohl nur eine Frage der Zeit. Und jetzt das: Die vollkommene Leugnung jeder menschlichen Daseinsform, die nicht Mann oder Frau ist, hat die oberste Leitung der katholischen Kirche an die Welt gesendet.

Sie warnt gar vor der „Auslöschung“ der Geschlechter. Die freie Geschlechterwahl, die uns allen laut Kirchenmeinung zweifellos in naher Zukunft bevorsteht, nennt der Kirchenstaat „ein konfuses Konzept von Freiheit“. Wie kann das sein? Wer hat da in Rom was nicht verstanden? Fakten zu dem Thema? Fehlanzeige. Fast ist man geneigt, so einige andere Lehren der katholischen Kirche ebenfalls ins Reich mittelalterlicher Fantasien oder von Fake-News zu verbannen.

Ein paar Fakten:

1. Das Papier, das der Vatikan am Montag zu dem Thema veröffentlichte, heißt „Als Mann und Frau schuf er sie“. Es kritisiert eine „Ideologie, die den Unterschied (...) in der Natur eines Mannes und einer Frau leugnet und eine Gesellschaft ohne geschlechtliche Unterschiede vorsieht“.

2. Aus wissenschaftlicher Sicht muss man dieses Papier leider als Quatsch bezeichnen. Immer wieder kommen Babys auf die Welt, die weder eindeutig Mädchen noch Jungen sind. Die Fachwelt spricht in solchen Fällen von Intersexualität. Lange Zeit war für solche Kinder die zwangsweise Operation hin zum einen oder anderen Geschlecht üblich – und damit oft ein langer Leidensweg. Es geht also keineswegs um die „fiktive Konstruktion eines neutralen oder dritten Geschlechts“.

3. „Gender“ ist keine Ideologie
sondern der heute übliche Begriff, mit dem über die soziale Rolle von Männern und Frauen und – ja – auch Intersexuellen diskutiert wird.

4. Diese Zusammenhänge sind vielleicht nicht jedem bekannt und für manchen auch gewöhnungsbedürftig, aber Gender ist weder verwerflich noch dekadent. Verwerflich ist, dass die katholische Kirche mit so einer dummen Haltung Stimmung macht.

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