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Kommentar zum G7-Gipfel: Ein Club ohne Sheriff

Kommentar zum G7-Gipfel : Ein Club ohne Sheriff

Wer bestimmt über die Gleichgewichte in der Welt, wenn kein Sheriff da ist, der garantiert, dass sie nicht noch mehr aus den Fugen gerät? Wie lässt sich die Rolle der EU, die selbst gerade mit sich ringt, inmitten der Weltkrisen finden?

Gibt es noch belastbare Vereinbarungen in Zeiten der Donald Trumps und der Boris Johnsons als Staatenlenker, die in Bezug auf kurzfristige Wahlerfolge und maximale nationale Selbstbezogenheit handeln?

Das Fehlen eines Welt-Sheriffs hat der G7-Gipfel aufgezeigt, der am Montag im französischen Biarritz zu Ende ging. Auch wenn Gastgeber Emmanuel Macron diese Rolle zu übernehmen versuchte, indem er vermittelte, ausgiebig die Schultern seiner Gäste klopfte und vor allem US-Präsident Trump bei Laune hielt.

Erfolge für Macron


Als Erfolge kann es Macron verbuchen, spontane Hilfszusagen für das Amazonas-Gebiet erreicht und mit der überraschenden Einladung des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif ein Signal des fortgesetzten Dialogs zur Lösung der gefährlichen Spannungen gesetzt zu haben.

Inwiefern nutzen aber Gespräche über den Iran ohne der Beteiligung Russlands, das seit der Krim-Annexion zu Recht aus dem einstigen G8-Kreis ausgeschlossen wurde?

Ebenso erscheinen Verhandlungen über den Schutz des Klimas und der Meere, die fortschreitende Digitalisierung sowie die Handelsstreitigkeiten ohne die Einbeziehung Chinas unvollständig und damit unbefriedigend.

Demgegenüber tritt auch die EU in ihrer aktuellen Verfassung kaum als starke Einheit auf. Mit der Regierungskrise in Italien, dem Ringen um den Brexit und der eigenen Neuausrichtung nach den Wahlen befindet sie sich selbst im Umbruch. So illustrierte der G7 mit den anwesenden sowie den abwesenden Teilnehmern die derzeitige, beunruhigende Weltlage – die in einem verstörenden Widerspruch zum freundlich zur Schau getragenen Lächeln der Staats- und Regierungschefs stand.