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Kommentar zu Kita- und Schulessen: Egal, was auf den Teller kommt

Kommentar zu Kita- und Schulessen : Egal, was auf den Teller kommt

Die NRW-Landesregierung sollte verbindliche Regeln für das Essen in Kitas und Schulen erlassen. Die Kinder müssen der Politik das wert sein.

Es ist gut, dass die Landesregierung Kita- und Schulessen umsonst anbieten möchte. Ob das allerdings umgesetzt werden wird, ist angesichts der Haushaltslage fraglich. Überhaupt wäre es den Eltern, die in vielen Kommunen 300, 400 oder 500 Euro Kita-Gebühren pro Monat zahlen, sicher lieber, die Grünen und die CDU in NRW würden ihr Wahlversprechen umsetzen und das drittletzte Kitajahr umsonst machen.

Wichtiger als Umsonst-Essen wäre aber vor allem gesundes Essen. Die NRW-Landesregierung sollte dringend verbindliche Vorgaben für das Essen in Kitas und Schulen machen. In Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland wirklich nahezu alles mit Hilfe von Gesetzen und Verordnungen geregelt ist, wirkt es völlig absurd, dass es keine Regeln dafür gibt, was Kinder in Kitas und Schulen auf den Teller bekommen.

Dass es möglich ist, diese Vorgaben verbindlich zu machen, zeigen Bundesländer wie Thüringen, das Saarland, Berlin oder Bremen, in denen es entsprechende Gesetze bereits gibt. NRW aber plant nicht, das Essen für Kinder und Jugendliche gesünder zu machen. Beraten statt verpflichten ist das Credo, das wenig überzeugt.

Die neu in die Landesregierung gekommenen Grünen, denen Verbraucherschutz und gesunde Ernährung ja vermeintlich am Herzen liegen, könnten hier ein Zeichen setzen. Tun sie aber nicht. Es ist Eltern schlichtweg nicht vermittelbar, dass es nicht einmal Überlegungen gibt, etwas an Speiseplänen mit zu viel Pasta und Pudding zu ändern. Da hilft es auch nicht, dass das grün geführte Bundesumweltministerium eine Ernährungsstrategie umsetzen will, obwohl es für Standards von Kita- und Schulessen gar nicht zuständig ist. Mehr Schein als Sein. Schade!

Was Kinder und Jugendliche essen, ist der Politik schlichtweg egal. Das ist fahrlässig. Jedes sechste Kind in Deutschland ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts schon übergewichtig, bei den 11- bis 13-Jährigen sogar jedes fünfte. Essenspläne, die vier Mal pro Woche Nudeln, ein Mal Pommes und nur selten Gemüse vorsehen, sind dabei nicht hilfreich. Die Kinder sind die Leidtragenden. Besonders im Kindergartenalter haben sie nur die Wahl zu essen, was auf dem Teller ist oder nichts zu essen. Ungesunde Ernährung kann zu Gesundheitsproblemen und Volkskrankheiten führen. Das schadet nicht nur dem Einzelnen, sondern der ganzen Gesellschaft. Kinder sollten es der Politik wert sein, gut versorgt zu werden.

Die Standards für Gemeinschaftsverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind sinnvolle Leitlinien. Sie sehen unter anderem vor, dass es täglich Gemüse oder Salat, auch mal Vollkorngetreideprodukte und nur ein Mal pro Woche Fleisch geben sollte. Es handelt sich dabei nicht um unerfüllbare Kriterien, und trotzdem sucht man auf einigen Essensplänen von Kitas und Schulen das Gemüse vergeblich.

Den Anbietern kann man sicher Vorwürfe machen, vielmehr aber muss man der Politik Vorwürfe machen. Wenn es keine Vorgaben gibt, besteht für die Caterer und Köche nämlich auch kein Grund, Standards einzuhalten. Gerade bei Ausschreibungen, bei denen der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält, können die Caterer keine ausgewogenen Mahlzeiten anbieten – zumal bei den steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen.

Da die Landesregierung nur auf Beratung setzt, bleibt der Appell an die Träger der Kitas und Schulen, bei den Ausschreibungen darauf zu achten, verbindliche Qualitätsstandards mit einzubeziehen.