Kommentar zur Fusion von Mayerscher und Thalia: Dieser Coup war zu erwarten

Kommentar zur Fusion von Mayerscher und Thalia : Dieser Coup war zu erwarten

Die Nachricht wird nicht nur zahlreiche kleinere Buchhändler in deutsch(sprachig)en Landen elektrisieren: Die Fusion der beiden großen Familienunternehmen Mayersche Buchhandlung und Thalia ist so gut wie druckreif – auch wenn den Kartellbehörden das letzte Wort vorbehalten ist, bevor das neue Kapitel in Sachen Schulterschluss wirklich aufgeschlagen werden kann.

Überraschen dürfte die Elefantenhochzeit indes kaum einen. Die schier übermächtig erscheinende Macht der Online-Konkurrenz fordert ihren Tribut auch und gerade auf dem Mediensektor.

Zumal die viel zitierten Global Player à la Amazon & Co nach wie vor geradezu märchenhafte Vorteile genießen, wenn es zum Beispiel darum geht, sich dem Zugriff des Fiskus weitestgehend zu entziehen – oder berechtigte Forderungen von Mitarbeitern und Gewerkschaften im Hinblick auf deren soziale Sicherheit schlichtweg zu ignorieren.

Pure Freude dürfte die neue Allianz allerdings auch bei den rund 1000 Beschäftigten der „Mayerschen“ kaum ausgelöst haben, auch wenn die Verantwortlichen gestern eine Art Bestandsgarantie für deren Arbeitsplätze gegeben haben. Schließlich muss sich zeigen, ob die Fusion über kurz oder lang nicht doch „Synergieeffekte“ zeitigt, die sich auch auf die Stellenpläne an einzelnen Standorten auswirken.

Allerdings dürfte die Bündelung der Kompetenzen die wirtschaftliche Schlagkraft der beiden neuen Partner durchaus verbessern – und das ist das erfreuliche Signal.

Denn reichlich Nachfrage ist generell vorhanden – auch wenn jüngste Studien des Börsenvereins gerade bei den Jüngeren ein schwindendes Interesse am Abenteuer Lesen diagnostizieren. Natürlich wird gerade im Einzelhandel eben nicht mehr allein quasi mit den Füßen über Wohl und Wehe traditioneller Firmenkulturen abgestimmt, sondern zunehmend auch per Mausklick.

Dennoch wird der Zusammenschluss die kleineren Buchhändler nicht in die Bredouille bringen – wenn sie weiter mit ihren Pfunden wuchern: kurze Wege, schnelle und kompetente Beratung, gezielte Angebote jenseits des „Mainstreams“.

Mehr von Aachener Zeitung