Kommentar zum May-Rücktritt: Die Überforderte

Kommentar zum May-Rücktritt : Die Überforderte

Am Ende fällt die Fassade. Eine Frau, die jahrelang mit Sturheit und Härte – auch gegen sich selbst – Politik gemacht hat, eine Frau, der man Emotionen nicht zugetraut (und vielleicht auch nicht zugebilligt) hätte, zeigt Gefühle.

Theresa Mays Tränen verdienen keine Häme und keinen Spott. Die Premierministerin zeigt sich menschlich und muss ihre eigene Überforderung zur Kenntnis nehmen.

Mays Tränen verdienen aber auch kein Mitleid. Sie ist gescheitert am Brexit und an der eigenen Partei. Sie hat ihrem Volk viel zu spät zu verdeutlichen versucht, dass für einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU auch Kompromisse mit Brüssel notwendig sind.

Sie hat die Stimmung in der Tory-Fraktion ignoriert und darauf gesetzt, dass Zeitdruck und das Schreckgespenst eines Chaos-Brexit die Hardliner schon auf ihre Seite zwingen werden. Und sie hat viel zu spät erkannt, dass eine Parlamentsmehrheit für ihren ­Brexit-Deal nur durch Kompromisse mit der Opposition zu haben ist.

May hinterlässt ein politisches Trümmerfeld und ein tief gespaltenes Land. Das macht auch wenig Hoffnung für den Fall einer Neuwahl. Denn welches Ergebnis außer einem Patt sollen die bringen? Es droht ein harter Brexit mit allen Ungewissheiten.

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