Kommentar zu Stickoxid-Grenzwerten: Der Rohrkrepierer

Kommentar zu Stickoxid-Grenzwerten : Der Rohrkrepierer

Was hat das für Staub aufgewirbelt. Eine kleine Schar von Lungenärzten hatte vor wenigen Wochen behauptet, dass die von der EU festgelegten Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten.

Verkehrsminister Andreas Scheuer sprang vor Freude im Dreieck, weil er endlich seriöse Zeugen gefunden zu haben glaubte, um gegen gerichtlich angewiesene Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten vom Leder zu ziehen. Von einem „Signal“ schwärmte der CSU-Mann, auf dass endlich Schluss sein möge mit der „Willkür“ der Grenzwerte. Von wegen.

Der Verkehrsminister hätte sich besser zurückgehalten. Denn schon damals fiel auf, dass es die Lungenärzte an schlüssigen Beweisen für ihre steile These fehlen ließen. Und nun das: Der Initiator des Vorstoßes musste selber Rechen- und Zahlenfehler einräumen. Und zwar nicht nur um Kommastellen, sondern um Zehnerpotenzen. Größer kann das Debakel kaum sein. Der Verkehrsminister ist blamiert. Und von diesen Lungenärzten dürfte keiner mehr ein Stück Brot nehmen. Sie haben ihrer Zunft einen Bärendienst erwiesen.

Dabei ist es tatsächlich so, dass die Grenzwerte keine Bibel sind. Deshalb werden sie von der EU auch regelmäßig überprüft. Und das hat sich durchaus gelohnt. Denn die Luft auch in Deutschland ist durch die Vorgaben spürbar besser geworden. Wenn das bei den Stickoxiden noch nicht überall der Fall ist, dann hat das weniger mit den Grenzwerten zu tun, als vielmehr mit Scheuers Kuschelkurs gegenüber der Autoindustrie. Sie muss endlich für saubere Dieselfahrzeuge sorgen. Durch Nachrüstungen im großen Stil. Und Scheuer muss alle Hebel in Bewegung setzen, dass sie das auch wirklich tut.

Die „Gegenargumente“ einer Gruppe von Lungenärzten lassen sich jedenfalls nicht mehr ins Feld führen. Ihr „Signal“ hat sich als Rohrkrepier entpuppt. Das sollte Lehre genug sein, um zur gebotenen Sachlichkeit bei diesem aufgeheizten Thema zurückzukehren.