1. Meinung

Glosse „Annes Welt“: Der motorisierte Fußgänger

Glosse „Annes Welt“ : Der motorisierte Fußgänger

Die Handtasche nach dem Ticket vom Parkhaus Büchel zu durchsuchen ist nervig. Wenn man dann keins findet, den Weg bis zum letzten Schuhladen abzusuchen – noch nerviger. Dort dann auf allen Vieren rumkriechen – super peinlich! Aber auf mal festzustellen, dass man gar nicht mit dem Auto unterwegs war, sondern mit dem Fahrrad...das bin ich. Nein, das war ich vor einem Jahr.

Das damalige Fahrrad, ein altes Hollandrad, und ich – wir führten eine erotische Beziehung: der eine quietschte, der andere stöhnte. Es war schwer und kannte keine Gnade für die Wade, wenn ich den beschwerlichen Weg vom Kaiserplatz Richtung Brand ‚antrat‘. Nach drei Monaten wurde es geklaut. Wie komme ich jetzt in die Stadt? Ich war‚rad-los‘.

Das nächste Rad: ein Leichtgewicht. Meine Touren die Trierer Straße runter waren jetzt ‚geteert UND gefedert‘. Ich kam ‚in die Gänge‘, wurde schneller, konnte allen zeigen, was für eine Maschine ich doch war. ‚I bike, I like‘ dachte ich noch, bis mir bewusst wurde, dass ich während einer Fahrt mehr Insekten vertilgte, als ich Kalorien verbrannte. Nach zwei Monaten wurde auch dieses Rad geklaut.

Bis dahin war ich „e-immun“. Aber jetzt war es soweit. Ich kaufte mir ein E-Bike, eine sogenannte „Rentner-Drohne“ und fuhr auch dementsprechend – als wäre ich auf der Flucht vor der Doping-Kontrolle. Aber: „Pe-de-leck mich doch“, dachte ich, als ich schon schneller unterwegs war, als mein Schutzengel fliegen kann und dennoch von einem lebensmüden Mann jenseits der achtzig überholt wurde. Es scheint Leute zu geben, die sich für unsterblich halten, nur weil sie 14/18 in den Ardennen überlebt haben.

Jetzt ist dieses Rad auch geklaut. Das dritte innerhalb von elf Monaten. Morgen kaufe ich ein neues. Irgendwelche Farbwünsche vielleicht, liebe Fahrraddiebe?