Kommentar zur Brennstoffzelle: Das Wasserstoffauto – eine vernachlässigte Technologie

Kommentar zur Brennstoffzelle : Das Wasserstoffauto – eine vernachlässigte Technologie

Sie sind leise, sie sind sauber und sie lassen sich in kurzer Zeit betanken. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle vereinen viele Vorteile eines Elektroantriebs mit denen eines kraftstoffbasierten Motors.

Und doch geraten Wasserstoffautos immer mehr ins Hintertreffen, werden abgestempelt als zwar technologisch interessante, aber nicht massentaugliche Fahrzeugvariante für Besserverdiener. Das muss sich ändern. Die bereits im 19. Jahrhundert erfundene Brennstoffzelle braucht dringend neue Aufmerksamkeit.

Wasserstoff ist das häufigste
chemische Element im Universum, Bestandteil des Wassers und beinahe aller organischen Verbindungen. Durch seine große Reaktionsfreudigkeit kommt es aber fast nicht in freier Form vor, muss also gezielt hergestellt werden. Die sauberste Erzeugung ist die Elektrolyse, bei der Wasser mit Hilfe von zugeführter Energie aus regenerativen Quellen in seine Bestandteile aufgespalten wird. Wasserstoff kann also neben seiner Nutzung als Treibstoff auch als Energiespeicher für die Energiewende fungieren.

Dem Verbrenner überlegen

Wasserstoffautos sind in Hinblick auf Energieffizienz, CO2-Bilanz, Sicherheit, Ressourcennutzung und Schadstoffausstoß dem Verbrennungsmotor überlegen. Wenn in der Brennstoffzelle Wasserstoff und Sauerstoff reagieren, entsteht viel Energie – und als Abfallprodukte lediglich Wasser und Wärme. Außerdem haben Wasserstoffautos schon jetzt einen fast doppelt so hohen Wirkungsgrad. Auch Sicherheitsbedenken lassen sich ausräumen. Crashtests an der Universität Miami haben gezeigt, dass ein Zuleitungsleck bei einem Wasserstoffauto sogar geringere Auswirkungen hat als bei einem Benziner.

Im Vergleich mit einem reinen Elektroauto gewinnt das Wasserstoffauto nicht mehr ganz so deutlich. Beide Fahrzeuge werden zwar mit einem Elektromotor angetrieben. Da eine Brennstoffzelle aber nur ein Energiewandler ist, ist der Wirkungsgrad insgesamt geringer als beim E-Auto. Allerdings braucht ein Wasserstoffauto keinen riesigen Akku, dessen Bestandteile unter ökologisch fragwürdigen und ressourcenintensiven Bedingungen gewonnen werden. Es gibt zudem weder das Reichweitenproblem, noch eine solche Belastung des Stromnetzes, wie bei einer gleichzeitigen Aufladung vieler E-Fahrzeuge zu befürchten ist.

Raus aus der Nische

Warum also steht der Durchbruch noch immer aus? Experten nennen es das Henne-Ei-Problem. Solange nicht genügend Wasserstoff­autos auf den Straßen unterwegs sind, lohnt es nicht, Wasserstofftankstellen zu bauen. Doch solange die Infrastruktur so schlecht ist, kauft niemand die Autos. Das wiederum hat eine direkte Auswirkung auf den Preis. Ein Nischenprodukt wird ohne politische Förderung und einen entsprechenden Absatz immer teuer bleiben – und der Teufelskreis geht von vorne los.

Wichtig ist es also, dass Wissenschaft, Industrie und Politik weiterhin technologieoffen bleiben. Die Brennstoffzelle sollte aus ihrem momentanen Nischendasein schnellstens wieder befreit werden. Und sei es auch nur, um als Antriebsoption für den Schwerlastverkehr, sprich für Schiffe, Bahnen und Lastwagen, im Gespräch zu bleiben.

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