Kommentar zum Hundeführerschein: Das Tier „lesen“ lernen

Kommentar zum Hundeführerschein : Das Tier „lesen“ lernen

Mensch und Hund, das ist eine besondere Beziehung. Diskussionen, wie man mit seinem Tier umzugehen hat, sind oft emotional. Ein Hund hat Bedürfnisse, und der Mensch ist dafür verantwortlich, dass sie erfüllt werden. Sonst darf er sich keinen Hund anschaffen. Bewegung, Ernährung, freundliche Zuwendung, Gesundheit, Geborgenheit gehören dazu.

Es ist zudem Pflicht des Halters, seinen Hund zu „lesen“ statt auf ihn einzuquasseln, zu wissen, wie Hund tickt. Und das ist häufig anders, als vermutet — und sicher nicht nach Menschenart. Wer seinen wild geifernden Vierbeiner vermeintlich beruhigend tätschelt, bestätigt ihn in einem Verhalten, das im Kontakt mit Artgenossen oder anderen Menschen nicht akzeptabel ist. Wer meint, dem Hund, der nicht abrufbar ist, tue diese „Freiheit“ gut, gefährdet sein Tier, weil es unkontrolliert herumrennt, andere belästigen oder unter ein Auto kommen kann.

Der „Hundeführerschein“ — das hört sich schlimm amtlich an. Doch es ist gut, wenn man Grundsätzliches über Hundehaltung und die Eigenarten der jeweiligen Rasse weiß, über Gehorsam und Sozialverträglichkeit. Ein Hund, der gelernt hat, dass Frauchen oder Herrchen die Rudelführer sind, ist entspannt. Er muss sich nicht auf andere stürzen oder aufgeregt herumkläffen. Er muss nicht entscheiden und kennt Signale. Die Besonderheiten einer Rasse prägen das Tier, der Charakter und das Geschlecht kommen hinzu. Der Kampfhund braucht selbstverständlich den auf ihn geschulten, sicheren und verantwortungsbewussten Halter, damit nichts passiert. Aber ein Schäferhund braucht das auch.

Und die Menschen? Ein Kind muss wissen, dass der Hund kein Kuscheltier ist, dass man ihn nicht von hinten angeht oder beim Fressen stört. Geraten Eltern in Panik, wenn sie von ferne einen Vierbeiner sehen, geben sie falsche Signale. Das Kind nimmt die Angst mit in sein Leben — statt zu lernen, dass man Tiere beobachten und Ruhe bewahren sollte. Der Hundeführerschein macht also Sinn. Gut, wenn man bereits eine Menge über sein Tier weiß. Besser, wenn Hundebesitzer sich selbstkritisch überprüfen.