Al-Kaida-Anführer Bagdadi ist tot

Kommentar zur US-Kommandoaktion : Nicht zu laut jubeln

Wenn es – wie von US-Präsident Donald Trump am Sonntag in einer Rede an die Nation verkündet – amerikanischen Truppen tatsächlich gelungen sein sollte, den bereits mehrfach totgesagten IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi zu eliminieren oder zumindest zum Selbstmord zu zwingen, so ist dies grundsätzlich eine gute Nachricht.

Mitleid mit dem Radikal-Islamisten ist fehl am Platz, zu zahlreich und grausam waren die Bluttaten des IS gegenüber Unschuldigen.

Doch es gibt auch einige Einschränkungen angesichts der Jubelstimmung im Weißen Haus. Da ist zunächst das Timing. Dass die Nachricht zu einem Zeitpunkt kommt, an dem Washington die Amtsenthebung des Präsidenten debattiert und Trump tief im Umfragenkeller sitzt, dürfte sicher für Spekulationen wie diese sorgen: Hat Trump eine Aktion gegen den IS-Chef etwa bisher zurückgehalten und nun erst angeordnet, um von seiner existenziellen Krise im Oval Office abzulenken? Hinzu kommt, dass die Schlange oft weiterlebt, selbst, wenn man ihren Kopf abschlägt. Auch Al-Kaida konnte sich nach dem Tod Osama Bin Ladens in der afghanischen Grenzregion zu Pakistan neu positionieren. Zahlreiche IS-Kämpfer, die angesichts von Trumps verhängnisvollem Rückzug aus Syrien nun frischen Rückenwind bekommen, könnten diesen dazu nutzen, Rache für den Tod ihres Anführers zu nehmen – auch in Europa, das ihnen viel näher liegt als die USA und deutlich einfacher zu infiltrieren ist.

Vor allzu lauten Hurra-Rufen muss also gewarnt werden.