„Maria 2.0“: Menschenkette um Bischofshaus und Bischofskirche in Aachen

Menschenkette um den Aachener Dom : Katholikinnen im Bistum Aachen fordern gleiche Rechte

Die Bewegung der katholischen Frauen unter dem Slogan „Maria 2.0“ bleibt auch im Bistum Aachen aktiv. Am Montagabend bildeten rund 400 Frauen und Männer eine Menschenkette rund um den Aachener Dom. Und Bischof Helmut Dieser stellte sich dem Gespräch.

„Heute bei dir“ lautet das Motto des von Bischof Helmut Dieser initiierten Veränderungsprozesses im Bistum Aachen. „Heute bei dir“ haben sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) und die Dürener Initiative „Maria 2.0“ gedacht und zur Demonstration vor dem Bischofshaus mitten in Aachen aufgerufen.

Denn hier wohnt derjenige, an den sich ihr Protest in erster Linie richtet: Bischof Dieser. Sie wollen die katholische Kirche umkrempeln, sie stellen die Machtfrage. Ihre Forderung ist nicht neu, aber die Frauen – und auch viele Männer – sind entschlossen, sie jetzt immer wieder deutlich vorzutragen: alle Ämter in der katholischen Kirche auch für Frauen!

Dieser kommt heraus und lobt die Energie der Teilnehmerinnen. „Diese Kraft muss an die richtige Stelle kommen“, sagt er. In den Gesprächen, die er führt, in den Ansprachen, die er hört, und aus seinen Reaktionen darauf offenbart sich schnell, dass der Dissens groß ist, welche die richtige Stelle ist. Seine Antwort auf die zentrale Forderung lautet – mit Verweis auf Rom – klipp und klar: „In der Frage der Weihe von Frauen ist die Tür zu. Und ich will an dieser Tür nicht rütteln.“

„Das Priesteramt für Frauen muss kommen“, sagt KFD-Diözesanvorsitzende Marie-Theres Jung. „Aber in naher Zukunft wird das nichts.“ Sie vermisst den Willen zu Reformen. „Deshalb müssen wir dranbleiben.“ Irene Mörsch von der Dürener Initiative „Maria 2.0“ greift das auf: „Wir müssen dranbleiben für unsere Enkelkinder“, ruft sie den den Protestierenden zu und kritisiert „die sture Autorität der Kirchenleitung“.

Als sie in den 80er Jahren als Gemeindereferentin anfing, „war die Stimmung optimistischer und lockerer“, sagt Maria Pirch. Karl Weber vom Vorstand des Diözesanrats erklärt: „Diese Aktion spricht vielen aus dem Herzen. Wir halten die Realitätsverweigerung der Kirchenleitung nicht mehr aus.“ Annette Jantzen, Vorsitzende des Aachener Diözesanverbandes des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), wirft den Bischöfen vor, nicht zuzuhören und die „Charismen der Frauen“ zu ignorieren.

„Ich will doch auf deren Charismen nicht verzichten“, sagt Dieser unserer Zeitung. Nein, er ärgere sich nicht über die Aktion; aber er freut sich auch nicht, denn vieles, was er hört, ist ihm „zu pauschal, zu einfach. Ich habe Sorge, wie wir zusammenbleiben. Es fehlt nicht viel, dann haben wir die Spaltung.“

Rund 400 bilden schließlich eine Menschenkette um Dom, Domsingschule und Bischofshaus. „Reihen Sie sich doch in die Kette ein“, hat eine Frau den Bischof zuvor eingeladen. Aber das wäre nun wirklich zu viel der Nähe. Zwar demonstrieren hier Frauen im besten Alter, wie es so schön heißt. Zwar sind es die Treuesten der Treuen. Aber die unterschiedlichen Positionen liegen weit auseinander. Die lassen sich nicht so schnell in eine Reihe bringen.