Männerdomäne Journalismus: Starke Frauen im Westjordanland

Teil 2: Mit viel Mut zum Traumberuf : Jung, weiblich und Journalistin in den Palästinensischen Gebieten

Die Arbeit als Journalist in den Palästinensischen Gebieten ist gefährlich. Wer unabhängig und objektiv berichten und recherieren will, läuft Gefahr, bedroht, angegriffen oder festgenommen zu werden. Für Frauen ist der Beruf als Journalistin besonders schwer, denn die Gesellschaft ist konservativ geprägt. Die junge Journalistin Phantina Sholi (24) erzählt über ihren Alltag und die Herausforderungen, denen sie täglich begegnen. (at)

Es war leicht, zu sagen, dass ich später mal Journalistin werden will. Aber es war noch nie einfach, als Journalistin zu arbeiten, erst recht, wenn man in einer so patriarchalen Gesellschaft wie Palästina lebt. Aber warum ist das so?

Mein Name ist Phantina Sholi, ich bin 24 Jahre alt und meine Freunde nennen mich den „Joker“, weil ich tausend verschiedene Dinge tue. Ich versuche, mein Leben möglichst vielfältig zu gestalten und ich liebe mein Leben – auch wenn es viele Hindernisse und Schwierigkeiten gibt.

Ich bin eine junge Frau, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte und ich bin eine Journalistin, die ihren Themenschwerpunkt auf Frauen, Kinder, die Umwelt und Tierschutz legen möchte. Aber beide Ziele werden von meiner Kultur und der Gesellschaft nicht akzeptiert. Die meisten Menschen in den Palästinensischen Gebieten erwarten von einer Frau, dass sie mit Anfang 20 heiratet, dass sie gut kochen kann, früh nach Hause kommt und sehr um ihr Äußeres bemüht ist, weil eine hübsche Frau das Ansehen des Mannes in der Gesellschaft stärkt. Aber für mich zählen die inneren Werte, das Aussehen spielt für mich keine wichtige Rolle.

Fehlende Informationen

Auch wegen meiner Liebe zu Tieren und der Umwelt stoße ich auf massive Kritik. Von den meisten Leuten hier werden diese Themen als Zeitverschwendung abgelehnt. Schließlich geht es auch den Menschen hier schlecht und sie finden, dass man sich zunächst um sie kümmern sollte, bevor man über Tierschutz oder Umweltverschmutzung nachdenkt.

Die Stadt Ramallah im Westjordanland gilt als deutlich liberaler als der patriarchalisch und konservativ-geprägte Rest der Palästinensischen Gebiete. Foto: Annika Thee. Foto: Annika Thee

Außerdem ist besonders das Fehlen von Informationen ein großes Hindernis für mich. Journalisten können nicht einfach auf Daten der Regierung zugreifen. Es gibt kein Gesetz, dass eine Auskunftspflicht der Behörden vorsehen würde. Häufig wird man vertröstet, manchmal belogen. Ob man an Daten kommt oder nicht, hängt teilweise von der Laune und Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter ab. Vor vier Jahren, als ich noch Studentin war, wollte ich ein investigatives Stück über ein Krankenhaus schreiben, in dem katastrophale hygienische Bedingungen herrschten. Katzen und Ratten gelangten dort in die Räume der Patienten und auch in die Küche. Ich wollte mir selbst ein Bild der Lage verschaffen und bin zum Krankenhaus gefahren. Da ich keine Erlaubnis des Direktors hatte, durfte ich die Patienten nicht befragen. Also stand ich vor dem Eingang und sprach mit den Menschen, die das Krankenhaus verließen. Sie erzählten erschreckende Geschichten.

Nach zwei Wochen hatte ich endlich einen Termin beim Leiter des Krankenhauses. Er kam zwei Stunden zu spät und wurde während des Interviews sehr wütend. Er nannte meine Arbeit illegal, forderte meinen Ausweis, die Nummer meines Professors an der Universität. Er rief den Sicherheitsdienst und schloss mich mit ihm in sein Büro ein. Er wollte mich erst rauslassen, nachdem er alle Ton- und Bildaufnahmen von meinem Handy gelöscht hatte. Außerdem versuchte er, meine Eltern zu erreichen und unter Druck zu setzen.

Noch heute denke ich an diese Begegnung zurück. Ich hatte Angst und war gleichzeitig wütend, aber auch ziemlich mutig, denn ich hatte die Aufnahmen bereits in einer Cloud gespeichert, sodass ich nach dem Termin auf alle Informationen zurückgreifen konnte. Der Artikel ist dann trotzdem erschienen.

Aber noch immer kämpfen Nichtregierungsorganisationen und universitäre Einrichtungen dafür, dass das Informationsgesetz geändert wird. Bisher hat der Premierminister unser Anliegen aber ignoriert. Trotz all den Hindernissen und Schwierigkeiten liebe ich meinen Beruf als Journalistin. Auf meinem Blog (auf arabisch) und in Radiobeiträgen versuche ich, Themen eine Plattform zu geben, die bisher kein Gehör in der Gesellschaft finden. Denn es ist unsere Aufgabe, den Status Quo zu ändern und die gesellschaftlichen Normen zu hinterfragen. Und genau das werde ich tun.