Zwei Stolbergerinnen nehmen an Europas größter Wanderung teil

„Vierdaagse“ im niederländischen Nimwegen : Zwei „Stolberger Mäddche“ nehmen an Europas größter Wanderung teil

Es ist das größte Wander-Event in ganz Europa – und mittendrin zwei waschechte „Stolberger Mäddche“. Gerti von der Heiden und Marina Ostlender nehmen im niederländischen Nimwegen an den sogenannten „Vierdaagse“ teil.

Vier Tage lang wandern die beiden Stolbergerinnen 30 Kilometer – pro Tag. Heute geht´s für die beiden Freundinnen los. Wie sie sich auf das Event, bei dem in diesem Jahr knapp 1,6 Millionen Menschen erwartet werden, vorbereitet haben, was tanzende Polizisten damit zu tun haben und warum Gerti von der Heiden nicht auf ein kaputtes Paar Schuhe verzichtet? Dazu später mehr.

Wenn Gerti von der Heiden an die „Vierdaagse“ denkt, dann verbindet sie damit etliche Erinnerungen. 2015 ist die 66-Jährige zum ersten Mal mitgegangen. Im Jahr davor war ihre Schwiegertochter zum ersten Mal dabei. „Das habe ich damals bewundert. Im nächsten Jahr wollte ich auch dabei sein und habe jeden Tag dafür trainiert“, sagt sie. Wie dieses Training aussah? Jeden Tag versucht Gerti von der Heiden mindestens zehn Kilometer zu gehen – bis heute. „Sonst würde ich die Wanderung gar nicht durchhalten“, sagt sie und lacht.

Von der Heidens Begeisterung für die Wanderung war sogar so groß, dass sie sich im vergangenen Jahr auch auf Marina Ostlender übertrug. „An einem Tag 30 Kilometer zu laufen, ist nicht das Problem. Aber vier Tage hintereinander: Das ist schon etwas anderes. Aber Aufgeben ist keine Option“, sagt sie. In der vergangenen Woche trainierte sie jeden Tag im Fitnessstudio. Seit einem halben Jahr legt sie jeden Tag mindestens zehn Kilometer zurück. Auch größere Wanderungen mit einer Länge von bis zu 30 Kilometern haben die beiden Frauen in den vergangenen Monaten regelmäßig unternommen. „Man muss seinen inneren Schweinehund jeden Tag überwinden“, sagt Ostlender.

Ein Event, bei dem in diesem Jahr bis zu 1,6 Millionen Menschen erwartet werden: die Wanderung „Vierdaagse“ in Nimwegen. Foto: ZVA/Sonja Essers

Los ging es für die beiden Frauen übrigens schon gestern Morgen. Um 8 Uhr machten sie sich auf den Weg nach Nimwegen. Zunächst stand die Registrierung auf dem Programm. Dann ging es zur Wohnung, die sich nur wenige Minuten von der Start- und Ziellinie entfernt befindet. Ein Vorteil – und das nicht nur, weil man nach dem Wandern am Abend unheimlich müde ist. „Man kann dann auch morgens ein wenig länger schlafen“, sagt von der Heiden. An zwei der insgesamt vier Tage geht´s um 7 Uhr los, an den anderen beiden Tagen fällt der Startschuss um 7.45 Uhr. „Der Frühstart ist ein Privileg. Vor allem am letzten Tag ist es schön, wenn man eine Stunde mehr Zeit hat“, sagt von der Heiden.

Schließlich stehe bei der Veranstaltung nicht nur das Wandern, sondern auch das Feiern im Vordergrund. „Wenn man durch diese Menge an Menschen geht, dann muss man einfach mitfeiern. In jedem Dorf, in das man reinkommt, ist es so, als wenn man im Köln im Karnevalszug mitgeht“, sagt Gerti von der Heiden. Sogar die Polizisten würden auf den Straßen tanzen und am Straßenrand würde man von unzähligen Menschen gefeiert. „Wenn ich nur daran denke, bekommen ich schon Gänsehaut“, sagt von der Heiden.

Oft stehen Kinder mit kleinen Wegzehrungen am Straßenrand. Kirschen, Melonen, Salzstangen oder Käsehäppchen am Straßenrand und versorgen die Teilnehmer. Pausen sind natürlich auch drin. Bis 17 Uhr – am letzten Tag bis 18 Uhr – muss man im Ziel angekommen sein. Komme man morgens gut durch, sei nach zwei Stunden auch eine Kaffeepause drin. Nach zwei Stunden seien die ersten zehn Kilometer geschafft. „Dann kann man sich auch mal setzen, die Schuhe ausziehen und die Füße ausstrecken“, sind sich die beiden Frauen einig.

Ap­ro­pos Schuhe: Davon nehmen die beiden Damen drei bis vier Paar mit. Spielt das Wetter mit, wollen sie die Strecke in Laufschuhen absolvieren. Gerti von der Heiden hat in diesem Jahr ein ganz besonderes Paar im Gepäck: Bei diesem sind einige Zehen nämlich freigelegt. Als von der Heiden vor einigen Jahren von Blasen gequält wurde, verschaffte sie ihren Füßen Luft, indem sie ein Stück herausschnitt. „Falls mir das wieder passiert, bin ich direkt dafür ausgestattet“, sagt sie.

Für den sogenannten „blauen Dienstag“ und „rosa Mittwoch“ sind Marina Ostlender und Gerti von der Heiden übrigens mit T-Shirt in den entsprechenden Farben ausgestattet – und damit nicht genug. Damit auch jeder Zuschauer weiß, dass die beiden aus Stolberg kommen, haben sie sich dies auf ihren Shirt verewigen lassen.

Während auf der Vorderseite „Stolberger Mädsche“ steht, ist auf der Rückseite „Stolberg ömme“ zu lesen. Damit könne der Teilnahme nichts mehr im Weg stehen.