Stolberg: Zwei Altenheime unter einem Dach

Stolberg: Zwei Altenheime unter einem Dach

700 Jahre Tradition in die Moderne zu führen, das ist eine Herausforderung, der sich die katholische Ordensgemeinschaft der Christenserinnen mit Sitz in Venwegen stellt.

Damit der Spagat gelingt, hat sich die Glaubensgemeinschaft entschlossen, ihre beiden Altenheime zusammenzuführen.

Startschuss im Januar

Betriebswirtschaftlich unter einem Dach sind ab dem 1. Januar „Haus Maria im Venn” in Venwegen und das „Heim zum Guten Samaritan” in Stolberg. Als „Christenserinnen gemeinnützige Gesellschaft mbH” kann das Unternehmen nun noch besser als bisher Synergieeffekte nutzen. Bislang war der Orden Träger beider Einrichtungen. Schon seit Jahren kooperieren die Heime in der Personalverwaltung und auch in puncto Fortbildungen.

Auch wenn sich die Glaubensgemeinschaft als Träger der Heime zurückzieht, „bleibt sie weiterhin in der Altenpflege tätig”, sagt Peter Jankowski, Leiter von „Haus Maria im Venn”. Die Christenserinnen gGmbH wird nämlich mit 100-prozentigem Gesellschafteranteil von der Ordensgemeinschaft betrieben. Die Generaloberin ist somit weiterhin an der Spitze.

Gemeinsam mit den Leitern beider Altenheime - das sind Peter Jankowski und dessen Stolberger Pendant Dirk Renerken - wird die 78-jährige Generaloberin das Unternehmen führen. Trotz ihres hohen Alters arbeitet Schwester Wendeline von morgens früh bis abends spät, um die Werte des Ordens mit den heutigen Standards im Pflegemanagement in Einklang zu bringen.

Das Erfüllen der Norm und wirklich den Bedürfnissen des Einzelnen gerecht zu werden, sei zuweilen aufgrund der Rahmenbedingungen schwer. „Wir wollen nicht in erster Linie den Behörden gerecht werden, sondern den Menschen, die bei uns leben”, sagt Renerken. Die Zusammenlegung als gGmbH bedeute, die Zukunft beider Einrichtungen zu sichern. „Sie ist aber auch die Folge einer Pflege, die auf behördlicher Seite immer komplizierter geworden ist”, so Renerken weiter, der mit der Generaloberin und seinem Kollegen Jankowski die neue Firmenspitze bildet.

Verträge werden übernommen

Als gemeinnützige GmbH hat das Unternehmen steuerliche Vorteile. Im Gegenzug darf es nicht profitorientiert arbeiten. Überschüsse, die erwirtschaftet werden, müssen in die Heime investiert werden. Das beinhaltet auch die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Insgesamt 210 Mitarbeiter und neun der noch verbliebenen 20 Nonnen sind in beiden Einrichtungen tätig. Durch die Firmengründung werde sich nichts ändern, versichert Renerken. „Alle Verträge werden übernommen, und bezahlt wird wie bisher nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der katholischen Kirche”, sagt der 42-Jährige. Doch auch in anderer Hinsicht macht die gGmbH den Weg frei: Baumaßnahmen können nun leichter realisiert werden.

Geplant ist eine Vergrößerung des Heims zum Guten Samaritan. „Da wir nicht in die Breite können, werden wir ein Stockwerk oben draufsetzen und so weitere 28 Plätze schaffen. Aktuell haben wir 56 Plätze. Wir sind damit wirtschaftlich nicht optimal ausgelastet”, erklärt Renerken mit Blick auf die Baumaßnahme, mit der voraussichtlich 2013 begonnen werden kann.

Grundlage für den Erweiterungsbau war nicht nur die Gründung einer GmbH, sondern auch der Kauf des Grundstücks an der Samaritanerstraße. Das Grundstück, auf dem das Heim steht, gehörte bis vor einiger Zeit der Stadt Stolberg. Nun ist der Orden Eigentümer.

Was aber geschieht mit dem Vermögen, wenn es eines Tages den Orden nicht mehr gibt? Diese Frage hat der Orden genau durchdacht. Bereits vor einiger Zeit wurde eine Stiftung gegründet. „Wenn es uns nicht mehr gibt, würden unsere Vermögenswerte der Christenserinnen-Stiftung übereignet werden”, antwortet die Generaloberin. Die Stiftung wiederum würde ihr Geld den Einrichtungen zugute kommen lassen. So wird der Gedanke, den die Nonnen heute mit Leben füllen, auch in Zukunft wohl fortbestehen.

Der Orden war einst in USA und Hollandvertreten

Der Kindergarten in Venwegen wird auch künftig in Trägerschaft der Christenserinnen-Ordensgemeinschaft bleiben. Das Haus zumGuten Samaritan in der Stadtmitte von Stolberg und Haus Maria im Venn in Venwegen hingegen werden ab 1. Januar 2012 als Christenserinnen gemeinnützige GmbH geführt.

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Geilenkirchen wurde einst von den Nonnen geleitet. 2002 übertrugen die Christenserinnen die Betriebsträgerschaft auf die St.-Elisabeth-Krankenhaus gemeinnützige Gesellschaft mbH als alleinige Gesellschafterin.

Früher hatte die Schwestergemeinschaft in den USA und in den Niederlanden Zweigniederlassungen. Nachwuchsmangel und Überalterung sind die Gründe, warum die Glaubensgemeinschaft nur noch 20 Schwestern zählt. Der Sitz des Ordens ist in Venwegen.