Alsdorf: Zugführer testen neuen Streckenabschnitt

Alsdorf: Zugführer testen neuen Streckenabschnitt

Vor ein paar Tagen ist Norbert Löchter mit seinem Eurasier „Jerry” an den neuen Haltepunkten entlangspaziert. Nicht, damit sein Hund mal andere Orte beschnuppern kann. Sondern damit sein Herrchen schon mal die Strecke kennenlernt, die er nun erstmals aus ganz anderer Perspektive sieht: als Zugführer in der Euregiobahn.

Am Dienstag macht der 44-jährige Merksteiner sich mit der exakt 3,36 Kilometer langen Strecke vertraut, die ab dem kommenden Sonntag ganz regulär auf dem Fahrplan der Bahn steht. Vom Haltepunkt am Annapark aus fährt er entlang der Haltepunkte Kellersberg und Mariadorf Blumenrather Straße bis zur Poststraße, der vorläufig nächsten Endstation. Erst in gut einem Jahr geht es von dort aus weiter bis Stolberg.

So weit ist auch Norbert Löchter noch nicht. Erstmal muss er sich all die Feinheiten einprägen, die der neue Abschnitt in Alsdorf mit sich bringt. Muss wissen, auf welchem Abschnitt er welche Höchstgeschwindigkeit - maximal sind es 80 Stundenkilometer - erreichen darf und dazu in einen Plan mit vielen Zahlen schauen, den er sich ans Steuerpult geheftet hat. Auch merkt er sich genau, wo die Signalanlagen stehen, auf welcher Seite die Zustiegskanten sind und all die anderen Details entlang des Wegs.

„Schöne Strecke”

„Schöne Strecke”, sagt er zu dem Lotsen Önder Aydinli, der bei der Testfahrt sein Anleiter ist, „so viel Landschaft und freies Feld. Gefällt mir.” Das sei doch mal schöner als durch Häuserschluchten zu kurven. Auch solche Strecken kennt er, den Job macht er bereits seit 17 Jahren. Insgesamt drei Mal am Tag und drei Mal am Abend wird er die neue Strecke in den kommenden Tagen noch befahren, „um sie praktisch im Schlaf zu beherrschen”, wie Franz Welfens, Projektleiter Euregiobahn bei der DB Regio GmbH sagt. Das müssen alle Zugführer können und davon gibt es einige. Rund 70 werden wechselnd auf der Strecke im Einsatz sein.

Deshalb fährt die Bahn bereits seit Tagen ganz regulär in dem Takt, in dem sie künftig unterwegs sein wird. Einerseits, um das Personal schulen zu können, andererseits, „damit die Bürger sich schon mal an die Zeiten gewöhnen, an denen sich die Schranken auch künftig schließen werden.” Letzteres kann nicht schaden, weiß Norbert Löchter. „Die Leute haben kaum Respekt vor Bahnschranken und versuchen oft, sich noch rasch durchzumogeln, wenn sie sich schließen.”

Jüngst erst hat er in Eschweiler einen Lkw gesehen, den eine Schranke bei der Durchfahrt quasi „zerteilt” hatte, „die steckte genau zwischen Zugmaschine und Anhänger fest.” Damit das vor allem am stark frequentierten Haltepunkt Annapark mit dem besonderen Kreisverkehr nicht passieren kann, gibt es dort zwei große „Eier”. Die eiförmigen weißen Kästen haben es in sich. Per Infrarotstrahl können sie den gesamten Querungsbereich abtasten. Läuft da bloß ein Hündchen durch, wird prompt das Signal für die Durchfahrt blockiert und muss die Bahn am Haltepunkt stehen bleiben. „Das ist teure Technik, die für ein Maximum an Sicherheit sorgt”, sagt Franz Welfens. Wenn die „Eier” warnen, muss Norbert Löchter aussteigen, zur Querung laufen, dort nach dem Rechten sehen und die Schrankenanlage manuell bedienen. Auch so eine Besonderheit, die dieser neue Streckenabschnitt mit sich bringt.

Seit rund neun Monaten wird am Neuausbau der Strecke gearbeitet. Insgesamt sind 8,5 Millionen Euro in den Ausbau geflossen, zu 90 Prozent bezuschusst von Land und Bund.

Der Kellersberger Haltepunkt ist ein Bedarfshaltepunkt: Nur wenn ein Fahrgast am Bahnsteig steht oder aussteigen möchte, hält die Bahn dort. Insgesamt durchquert sie das Stadtgebiet in sieben Minuten.

Am Haltepunkt Poststraße ist die Bahn mit der Buslinie 11 verknüpft. An der rund 100 Meter entfernten Haltestelle fährt der Bus zwei Minuten nach Ankunft der Bahn ab. Insgesamt soll die Vernetzung von Bahn und Bus bis zum Sommer geprüft und optimiert werden, wie ein Sprecher des Aachener Verkersverbundes mitteilt.

Am kommenden Sonntag fährt um 7.28 Uhr die erste reguläre Bahn vom Annapark aus Richtung Mariadorf. Jeweils zur vollen Stunde fährt sie weiterhin ab Annapark Richtung Herzogenrath.

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