Stolberg: Zinkhütter Hof: Aus der Glashütte ist ein Museum geworden

Stolberg : Zinkhütter Hof: Aus der Glashütte ist ein Museum geworden

Der 124. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich heute mit der Gebäudegruppe Zinkhütter Hof, in der Mitte der 1990er Jahre das gleichnamige Museum eingerichtet wurde.

Das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto zeigt die Anlage in ihrem Zustand vor dem Umbau. Links und in der Bildmitte sind Gebäude abgelichtet, die damals als Wohnbereiche genutzt wurden. Das rechts liegende Gebäude diente der benachbarten Zinkhütte als Lagerhalle. Dieses Gebäude hat eine lange, in das frühe 19. Jahrhundert reichende Geschichte. Sein Ursprung war nämlich eine Glashütte, die vermutlich um 1830 errichtet wurde. Genutzt wurde sie anfänglich von Peter Krings, der dort Hohlglas herstellte: so gehörten Champagnerflaschen zu seinem Produktionsprogramm.

Die Architektur des Gebäudes war für die Glasherstellung geeignet. Im Innern sorgten massive Stützen mit Mauerbögen in Spitzform für ein stabiles Raumklima und gute Durchlüftung. Um 1900 wurde die Glasproduktion eingestellt. In der Folgezeit nutzte die benachbarte Zinkhütte die frühere Produktionshalle als Musiksaal, dem Pferdeställe, eine Stellmacherei, eine Hufschmiede und eine Sattlerei angegliedert waren.

Das links liegende langgestreckte Gebäude, das später ein Wohnbau war, ist vermutlich Mitte des 19. Jahrhundert entstanden. Es hat einst die Potterie der Glashütte beherbergt.

Eine Potterie dient der Herstellung von Gefäßen aus Ton oder Schamott. Gefäße aus feuerfestem Ton wurden für die Glasherstellung benötigt. Sie werden als Häfen oder Tiegel bezeichnet und dienen beim Schmelzvorgang der Aufnahme der Rohstoffe. Das Gebäude in der Bildmitte trägt heute die Bezeichnung Villa. Vermutlich hat es einst die Verwaltung und die Betriebsleitung - sprich Direktion - der Glashütte beherbergt.

Ehemailige Säurefabrik

Links neben der Villa ist ein Kamin abgebildet. Er war einst ein Bestandteil der im hinteren Bereich des heutigen Museums liegenden Säurefabrik. Die Säurefabrik hatte man um 1888 als Tochterunternehmen der benachbarten Zinkhütte errichtet und diente der Herstellung von Schwefelsäure. Im Spätherbst 1944 wurde die Säurefabrik infolge der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges zerstört und in der Folgezeit nicht mehr aufgebaut.

1961 wurde auf dem Areal der ehemaligen Säurefabrik die Firma „Zincoli“ gegründet. Ihre Produktion bestand aus Zinkstaub, den man zur Farbenherstellung nutzte. Auch dieser Betrieb ist längst Geschichte. Erhalten blieb nur der große Schornstein. der als letzter seiner Art an die ehemals in Münsterbusch angesiedelten Industriebetriebe erinnert. Der Umbau des Zinkhütter Hofes zum Museum für Industrie- und Wirtschaftsgeschichte erfolgte in den frühen 1990er Jahren.

Das rechts liegende Gebäude wurde entkernt und seine ursprüngliche Architektur wieder frei gelegt. NRW-KUlturministerin Ilse Brusis weihte im September 1996 das neu geschaffene Museum ein. 2008 wurde auch das links liegende Gebäude, umgebaut. Dort entstand ein außerschulischer Lernort.

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