Stolberg: Wohnmobil-Stellplatz: Vicht scheidet als Standort aus

Stolberg: Wohnmobil-Stellplatz: Vicht scheidet als Standort aus

Es liegt etwa drei Jahrzehnte zurück, als Stadtrat und Verwaltung erstmals darüber nachdachten, Stolberg mit einem Jugendzeltplatz zu bereichern. Anfangs wurden mit großen Enthusiasmus mehrere Standorte in Augenschein genommen — und wieder verworfen. 2017 verfügt die Kupferstadt noch immer nicht über einen Jugendzeltplatz. Und kaum einer spricht noch darüber.

Mal war es zu aufwendig, das Gelände zu erschließen, dann lag es zu abseits oder war zu gefährlich, die Eigentumsverhältnisse standen einer Lösung im Weg, und vor allem Anwohner sprachen sich gegen das Projekt aus.

An diese Tradition knüpft einmal mehr die Suche nach einem Stellplatz für Wohnmobil-Touristen an. „Erst“ seit einem Jahrzehnt ist die Stadt vergeblich auf der Suche nach einem Stellplatz für die Wohnmobilcamper. Das von dem Experten Dr. Robert Datzer 2007 vorgelegte Tourismuskonzept hatte der Kupferstadt ein großes Potenzial für diese Art, Urlaub und Freizeit zu gestalten, bescheinigt. Eine lukrative für Handel und Gastronomie zudem: Seinerzeit besagte die Statistik, dass Wohnmobil-Touristen durchschnittlich 35 Euro pro Kopf und Tag ausgeben.

Zehn Jahre, nachdem fast ein Dutzend potenzielle Standorte gescheitert waren, glaubten die Touristiker am Ziel ihrer Träume zu sein. Ein Wiesenstreifen am Parkplatz hinter der Mehrzweckhalle an der Rumpenstraße schien geeignet zu sein — obwohl oder auch gerade weil der Standort in Vicht im ländlichen Raum mit akzeptablem Nahverkehrsanschluss an die Innenstadt liegt.

Der touristische Blick auf die Wiese neben dem Parkplatz, auf dem immer wieder Wohnmobile abgestellt werden, fiel erstmals bei einem Bürgerdialog der CDU in Vicht. Als örtlicher Ratsvertreter, Parteivorsitzender und Vorsitzender des Tourismusausschusses griff Jochen Emonds die Anregung auf. „Das Projekt verknüpft idealerweise Vorteile für Besucher, Vicht und Stolberg“, sagte der 34-Jährige noch Anfang dieses Jahres.

Der Vorstand der IG Schönes Vicht und der Trägerverein des Dorfladens seien von der Idee begeistert. Die Verwaltung klärte die weiteren Details, und als zuständiger Dezernent präsentierte Beigeordneter Robert Voigtsberger eine Vorlage mit positiver Empfehlung für den Standort.

Für rund 45.000 Euro könnten unter den Bäumen an der Rumpenstraße vier Stellplätze geschaffen werden. Investiert werden muss in Strom-, Kanal- und Wasseranschluss, Sichtschutz sowie die Herrichtung mit Rasengittersteinen. Voraussetzung für die Umsetzung sei allerdings, dass es den erwarteten Zuschuss aus dem EU-Leader-Programm über 65 Prozent gebe, so Voigtsberger weiter. Im Haushalt ist das Projekt bereits für dieses Jahr verankert.

Doch nachdem unsere Zeitung über das Vorhaben und einstimmig Votum des Ausschusses berichtet hatte, regte sich Widerspruch im Dorf. Vor allem seitens der direkten Anlieger und Eigentümer regte sich Widerstand. Sie wollen keine vier Meter hohen Wohnmobil-Fassaden vor ihren Grundstücken sehen und argumentieren mit einer nicht ausreichenden Abstandsfläche. Spätestens seitdem eine Liste mit rund 250 Unterschriften von Projektgegnern im Rathaus eintraf, steht das Vorhaben an der Vichter Rumpenstraße wieder vor dem Aus.

„Ich habe mittlerweile viele weitere Gespräche geführt“, sagt Emonds zum Stimmungsbild. Und das besage nun einmal, dass ein Wohnmobil-Stellplatz zwar eine gute Idee, aber der ausgewählte Standort dafür nicht der richtige sei. „Und wenn wir ein solchen Projekt verfolgen wollen, muss es schon zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten führen“, so der Christdemokrat weiter: „Wir wollen einen Standort gegen den Willen der Bürgerschaft nicht weiter verfolgen“. Die Suche nach einer Alternative müsse wieder forciert werden.

Also taucht das Thema Wohnmobil-Stellplatz bei der nächsten Sitzung des Tourismusausschusses — die nächste Sitzung ist für den 28. Juni terminiert — wieder auf der Tagesordnung auf. Denn nach dem Beschluss zum Bau des Camper-Platzes, kann auch nur eine Entscheidung des Ausschusses das Vorhaben wieder stoppen.

„Wir werden dem Ausschuss die Situation ausführlich darlegen und erläutern“, kündigt Voigtsberger an. Er glaubt nicht, dass die Politik das Projekt in Vicht angesichts des Widerstandes weiter verfolgen will. „Wir müssen nun genau überlegen, wie es weitergehen soll“, sagt der Beigeordnete. Es gebe zwei nachgefragte Standortstrukturen für Stolberg: Altstadtnähe oder Natur.

Nachdem nun auch die Rumpenstraße vor dem Ausscheiden steht, wird die Suche nicht einfacher. Denn untersucht hatte die Verwaltung zuletzt weitere Ansätze im Außenbereich: Stockemer Straße, Im Steg, Am Tomborn, Helenasruh, Mauerstraße und Solchbachtal. Sie mussten letztlich alle aufgegeben werden — aus den altbekannten Gründen: Anwohnerproteste, unzureichende Infrastruktur, planungsrechtliche Probleme, Grund­erwerb oder zu hohe Kosten...

Bereits in früheren Jahren schied eine Vielzahl von Ideen aus: etwa der Duffenter, wo jetzt sozialer Wohnungsbau entstehen soll, weil die Anwohner aufbegehrten. Oder die Wiese am Hammerberg hinter der Kita „Zauberkiste“, weil die Wohnmobile da kaum hingelangen können. Nicht einigen konnte sich die Politik bei den Parkplätzen Krautlade und Mühlener Ring an der Bahnseite; für die einen war die Krautlade nicht attraktiv genug, die anderen wollten keine Pkw-Stellplätze in Innenstadtnähe für die Touristen opfern. Eine vermeintlich ideale Lösung war gefunden mit der Wiese hinter der Direktoren-Villa des Zinkhütter Hofs, aber die Denkmalbehörde legte ihr Veto ein.

Noch im Rennen sind beispielsweise der frühere Hubschrauberlandeplatz unterhalb der Waschanlage an der Finkensiefstraße, den die FDP bereits 2015 vorgeschlagen hatte, und der Parkplatz Brauereistraße.

Die Wohnmobiltouristen werden wohl — angesichts der Erfahrungen bei der Suche nach einer Wiese für einen Jugendzeltplatz — noch eine Weile an der Kupferstadt vorbeifahren müssen, bis sich ein Platz mit Strom- und Kanalanschluss findet, um das Reisegefährt ordnungsgemäß über Nacht abstellen zu können.