Wochenmarkt vor dem Stolberger Rathaus steht vor dem Aus

Wochenmarkt vor dem Stolberger Rathaus : Schluss mit den fliegenden Händlern?

Der Wochenmarkt vor dem Stolberger Rathaus kommt nicht überall gut an. Doch bald schon könnte sich diesbezüglich eine Menge ändern.

Was stellen Sie sich unter dem Begriff Wochenmarkt vor? Sucht man nach einer Definition stößt man auf folgende Erklärung: Ein Wochenmarkt ist eine wöchentliche und regelmäßige Marktveranstaltung, auf der vorwiegend frische Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Kräuter, Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Eier angeboten werden. Typisch für einen Wochenmarkt sind auch der Verkauf von Blumen und anderen Zierpflanzen sowie mindestens ein Imbisswagen pro Markt.

Ein Wochenmarkt ist zudem ein Treffpunkt für Bewohner der Umgebung; in der Zeit vor der Erfindung des Telefons war diese Funktion wichtiger als heute. In der Innenstadt gibt es gleich drei Wochenmärkte. Einer davon – der Markt freitags auf dem Jordanplatz – passt exakt in die vorausgegangene Definition. Die weiteren Beispiele – der Markt vor dem Rathaus – fallen mit ihrem Angebot (samstags ist nur noch das Kartoffelhändler präsent) vor allem mittwochs aus dieser Definition heraus.

Warum? Anstatt Obst und Gemüse, Eier und Fleisch gibt es dort Textilwaren und andere Dinge aus dem niedrigen Preissegment. Das habe nur wenig mit einem klassischen Wochenmarkt zu tun, sind sich Einzelhändler und auch die Politik einig. Deshalb will Letztere nun den Billig-Händlern den Riegel vorschieben.

Verträge kündigen

Aufgekommen ist das Thema Wochenmarkt und dessen Ausrichtung nun beim Stammtisch der Gesellschaft für Stadtmarketing in dieser Woche. Dort fragten einige Einzelhändler nach, ob es auch wirklich notwendig sei, dass es dort Stände gebe, die ihnen mit ihrem Angebot Konkurrenz machen würden. Sie kritisierten zudem, dass die Ausrichtung nichts mit einem Wochenmarkt im klassischen Sinne zu tun habe und wurden darin von anwesenden Vertretern der Politik bestätigt.

Neu ist dieses Thema keineswegs. Bereits vor gut einem dreiviertel Jahr beschäftigte sich der Koalitionsausschuss schon einmal mit der Thematik. Damals stand zur Debatte, die noch vorhandenen Verträge mit den wenigen verbliebenen Händlern des Wochenmarkts auf dem Kaiserplatz zu kündigen. Getan hat sich seitdem jedoch nichts . Nach den Sommerferien will sich die Politik erneut mit dem Thema auseinandersetzen, wie die Ratsherren Siegfried Pietz (CDU) und Dieter Wolf (SPD) den Anwesenden beim Stammtisch berichteten.

Man werde das Thema erneut in den politischen Raum bringen, erklärte Pietz. Der Markt vor dem Rathaus sei „Negativwerbung“ für Stolberg und erfülle nicht die Ansprüche, die man an einen Wochenmarkt stelle, meinte Wolf. Deshalb wolle man den Markt in seiner jetzigen Form unterbinden. Was danach komme, sei allerdings noch offen. Darüber habe man sich in der Koalition bislang noch keine Gedanken gemacht, führte Wolf weiter aus.

Doch nicht nur in Stolberg gibt es Diskussionen und Probleme mit dem Wochenmarkt. Erst in diesen Tagen wurde deutlich, dass es ähnliche Situationen auch in umliegenden Städten gibt. In Aachen beispielsweise ist das Problem ein wenig anders: Dort bleiben die Besucher aus.

Kein Interesse

Eine Alternative könnte ein Feierabend-Markt sein. Auch dieses Thema sei in der Vergangenheit von der Koalition bereits angeregt worden, so Wolf. Die Stadtverwaltung sollte sich auf die Suche nach geeigneten Beschickern machen. Doch man habe niemanden gefunden, der daran Interesse habe. Nun soll auch dieses Thema nach den Sommerferien noch einmal auf die Agenda der Politik wandern. Im Koalitionsausschuss Anfang September will man erneut darüber sprechen. In anderen Städten funktioniere das Konzept schließlich.

Bei den Einzelhändlern kam die Idee gut an. Sie verwiesen allerdings darauf, dass es wichtig sei, aus dem Markt eine Art Event – beispielsweise mit Live-Musik – zu machen. Zudem schlugen sie vor, dass man dieses mit den Öffnungszeiten der umliegenden Geschäfte verbinden könne. Sprich: Würde eine entsprechende Veranstaltung am Abend stattfinden, könnten die Einzelhändler ihre Öffnungszeiten anpassen und ihre Geschäfte beispielsweise bis 21 Uhr öffnen.

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