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Stolberger Ansichten | Damals und heute: Wo früher die Nachrichten gedruckt wurden

Stolberger Ansichten | Damals und heute : Wo früher die Nachrichten gedruckt wurden

Im Mittelpunkt des 230. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders – Stolberger Ansichten über Jahrzehnte” steht diesmal ein Motiv aus der Straße In der Schart.

Als Anhaltspunkt unserer Betrachtungen dient ein Foto, das um 1900 entstanden ist. Links ist das Gebäude In der Schart 7 zu sehen. Zum damaligen Zeitpunkt war dort eine Druckerei ansässig. Das Hoftor ist teilweise geöffnet. Über dem Tor befindet sich ein Schild, das mit der Werbebotschaft „Volks-Zeitung für Stolberg u. Umgegend Buchdruckerei” beschriftet ist.

Als Volkszeitung wurde um 1900 ein mehrseitiges Presseorgan bezeichnet, das zweimal wöchentlich die Stolberger und die Menschen der Umgebung mit aktuellen Nachrichten versorgte. Damals wurden als Umgegend vermutlich die heutigen Stadtteile im Süden und Westen bezeichnet.

Der Buchdruck ist ein Flachdruckverfahren, das heute überwiegend nur noch im künstlerischen Bereich angewendet wird. Beim Flachdruck sind die druckenden Teile erhaben. Abgedruckt werden nur die hochstehenden Elemente der Druckform. In der Bildmitte ist im Hintergrund der Abhang des Finkenberges abgelichtet. Rechts ist ein mehrstöckiges, hoch aufragendes Backsteingebäude abgebildet. Es war um 1815 als Spinnerei der Tuchmacherfamilie Stoltenhoff entstanden.

Die Familien Stoltenhoff und Offermann hatten im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert am Willy-Brandt-Platz und In der Schart zahlreiche Produktionsstätten des Tuchgewerbes etabliert. Ob das Gebäude zum Abbildungszeitpunkt noch als Spinnerei genutzt wurde, ist fraglich. Denn die Stoltenhoffs hatten 1843 ihre Spinnerei verkauft. Nachfolgend war dort die Aachener Tuchfabrik Delhez ansässig. Sie hat wahrscheinlich bis zur Jahrhundertwende dort produziert.

1929 wurde die Spinnerei abgebrochen. Ein Brand hatte dem Bau schweren Schaden zugefügt. Ebenfalls rechts ist auf dem historischen Vergleichsfoto ein weiteres Gebäude zu sehen. Abgebildet ist das Dach und das Obergeschoss der Scharter Mühle. Diese war ein Nebengebäude des benachbarten Kupferhofes Schart.

Als Galmeimühle unterstützte sie die Produktionsprozesse der dort ansässigen Messingproduzenten. Oberschlächtige Mühlräder konnten nämlich Hammerwerke und Zerkleinerungsmechanismen antreiben. Die Mühlräder waren im hinteren Bereich des Bruchsteingebäudes untergebracht. Dort verlief einst ein vom Vichtbach abgeleiteter Wassergraben.

1984 erfolgte eine Neubebauung des Geländes. Die Scharter Mühle wurde abgerissen und machte dem dreigeschossigen Gebäude In der Schart 5 bis 5a Platz.
1984 erfolgte eine Neubebauung des Geländes. Die Scharter Mühle wurde abgerissen und machte dem dreigeschossigen Gebäude In der Schart 5 bis 5a Platz. Foto: Toni Dörflinger

1984 erfolgte eine Neubebauung des Geländes. Die Scharter Mühle wurde abgerissen und machte dem dreigeschossigen Gebäude In der Schart 5 bis 5a Platz. Probleme hatten die Fundamentierungsarbeiten bereitet. Felsgestein musste beseitigt werden, damit man im Untergrund eine Tiefgarage anlegen konnte. Für erneute große Probleme hat die Hochwasserkatastrophe im zurückliegenden Juli gesorgt. Keller und Erdgeschoss der Gebäude In der Schart 5 bis 5a sowie 7 wurden überschwemmt und von den Wassermassen zerstört. Somit sind die dortigen Erdgeschossbereiche derzeit nicht bewohnbar.