„Wirtzhaus“: Dalli setzt Zeichen für die Zukunft

Neue Strukturen : Dalli setzt mit „Wirtzhaus“ Zeichen für die Zukunft

Während das neue und sanierte „Wirtzhaus“ mit innovativen Abteilungen derzeit bezogen wird, verkündet Beiratsvorsitzender Hans-Reinhard Abels neue Entscheidungen zur Zukunft des Unternehmens.

Nur auf den ersten Blick ist der 15. Oktober ein trüber Herbsttag, der etwas zu warm für diese Jahreszeit geraten ist. Zumindest für die Dalli-Gruppe ist dieser Dienstag ein entscheidendes Datum. Von der Öffentlichkeit wenig bemerkt, vollziehen sich bei dem traditionsreichen Familienunternehmen wichtige Dinge auf unterschiedlichen Ebenen – sowohl auf dem Werksgelände wie auf den Führungsetagen.

Die Dalli-Werke GmbH & Co. KG stellen sich auf für die Zukunft. Eine Rolle spielt dabei das „Wirtzhaus“ als Sinnbild für eine „konsequent zukunftsorientierte Unternehmensstrategie“, wie Geschäftsführer Ralf Mühlenberg vor einigen Monaten in unserer Zeitung ankündigte.

Vier Geschäftsbereiche

In diesen Tagen zieht Leben ein in dieses von Grund auf sanierte Gebäude, das die Dalli-Gruppe 2014 vom Schwesterunternehmen Grünenthal übernommen hatte. Zwei Jahre zuvor hatte das Pharmazieunternehmen dort die letzten Teile seiner Produktion abgezogen. 1954 war der achtstöckige Werksteil II auf einem rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück erbaut worden.

Die Sattelzüge fahren vor und liefern die nagelneue Einrichtung der Labors der neuen Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Foto: Jürgen Lange

Aus der Geschichte erwächst nun neue Prosperität. Mit großer Vorfreude sehen die Stolberger der Eröffnung des neuen und vergrößerten Werksverkaufs – wenn alles planmäßig läuft noch in diesem Jahr – im Parterre entgegen. Dort wird auch das neue Firmen-Restaurant zu finden sein, um „mit gutem Essen und einer entspannte Atmosphäre“ für das Wohlbefinden der Belegschaft zu sorgen, wie Mühlberger es sagt.

Besondere Synergieeffekte verspricht sich das Unternehmen durch die Konzentration einer Zukunftsabteilung im neuen Umfeld: Die Abteilung „Forschung und Entwicklung“ als einer der wichtigsten Garanten für den Markterfolg der Dalli-Gruppe bezieht im dritten Obergeschoss eine neu eingerichtete Laboretage. Und just für dieses Labor liefern Lastzüge jetzt an der Zweifaller Straße das neue Equipment an. Ein großer Autokran hilft beim Umladen vom Sattelzug in das „Wirtzhaus“.

Das hat seinen Namen auf Vorschlag der Belegschaft erhalten. Der Name ist eine Referenz an den Gesellschafter und Geschäftsführer Dr. Hermann Wirtz. Im November vollendet er sein 75. Lebensjahr.

1975 war er in das Familienunternehmen eingetreten und zeichnet seit 1981 als Geschäftsführer. Maßgeblich war sein Einsatz und das Engagement der Familie in Krisenzeiten. Unter seiner Führung steuert das Stolberger Haus auf Wachstumskurs, hat Werke in Österreich und Rumänien ebenso übernommen wie die Traditionsmarken „Dash“ und „Bonux“. Zuletzt 2014 hatte ihn der Beirat als Geschäftsführer des Familienunternehmens bestätigt. Wie kein Zweiter verkörpert Dr. Hermann Wirtz den Geist und die Entwicklung dieses Stolberger Unternehmens.

Dazu gehört ebenso wie die kontinuierliche Verbesserung der Produkte die Weiterentwicklung auf personellen Ebenen. Und eben dieser 15. Oktober ist ein neuer Tag für die Führung des Traditionsunternehmens. Die Verantwortlichkeiten in der Geschäftsführung rund um Dr. Hermann Wirtz werden neu organisiert, und mit Reinhold Schlensok (57) und Jean-Charles Philippon (45) treten in Stolberg zwei neue Geschäftsführer an.

Mit der Neubesetzung und Verstärkung auf Ebene der Geschäftsführung geben wir Antwort auf die Frage“, sagt Hans-Reinhard Abels zur Arbeitsverteilung und Ausrichtung, „wie Dalli seine führende Stellung auf den Gebieten Haushaltspflege und Schönheitspflege unter sich verwandelnden Marktbedingungen, ausbauen und für die Zukunft festigen kann“, so der Vorsitzende des Beirats der Unternehmensguppe. Und Abels „freut sich, zwei weitere Spitzenkräfte für unsere Geschäftsführung gewonnen zu haben.“ Beide bringen für den Handelsmarken-Produzenten Berufserfahrung auch aus der Branche mit: Procter & Gamble beziehungsweise McBride waren Stationen.

Schlensok wird Sprecher der Geschäftsführung und übernimmt mit dem Geschäftsbereich I (Unternehmenssteuerung) die Verantwortung für alle Stabsabteilungen sowie Querschnittsaufgaben im Teilkonzern. Er will bei Dalli den „Gedanken der kollektiven Verantwortung“ stärken“. Die „stringente Organisation der Verantwortlichkeiten in der Geschäftsführung“ soll es „ermöglichen, neue Wege zu beschreiten“, sagt Schlensok.

Er selbst begann seine berufliche Laufbahn im Produktmanagement von Procter & Gamble. Vier Jahre später wechselte er zur Eckes Granini GmbH, wo er zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich für das Marketing war. Im Jahr 2002 wechselte er in den Vorstand der Dr. Scheller Cosmetics AG. Anfang 2010 führt Reinhold Schlensok als Allein-Geschäftsführer die Teekanne Gruppe und wurde 2017 zum Vorstandsvorsitzenden der Meggle AG berufen, die er im November 2018 im gegenseitigen Einvernehmen wieder verließ.

Den neuen Geschäftsbereich II (Innovation & Zukunft) wird Jean-Charles Philippon übernehmen. Er studierte an der renommierten französischen Wirtschaftshochschule ESSEC und an der Uni Manheim Betriebswirtschaftslehre. Philippon startete seine berufliche Karriere bei BASF, wechselte 1995 zur Nestle-Gruppe. Von 1998 bis 2015 widmete er sein Engagement der Lebensmittelindustrie bei Mars Deutschland, der CSM Bakery Solutions und dem Airline-Caterer Gate Group. Seit April 2016 war er beim Kosmetik und Körperpflegeprodukte-Hersteller McBride Chief Commercial Officer. Die Entwicklung neuer Strategien wie der Förderung des Nutzens für die Verbraucher waren dort sein Arbeitsfeld. Nun will er „die allseits geschätzte Qualität der Dalli-Produkte durch Innovationen fit für die Zukunft machen“.

Beide Sitze im Geschäftsführerkreis wurden mit dem Ausscheiden von Ingo Steinbach und Dieter Baur vakant.

Zu den festen Säulen der Geschäftsführung gehört derweil seit April 2016 Roger Welter (50). Der Büsbacher verantwortet nun den Geschäftsbereich III (Commercial), der alle Abteilungen vereint, die die kommerziellen Interessen des Unternehmens berühren.

Roger Welter ist ein echter „Stolberjer Jong“; seine Eltern betrieben in Büsbach einen Nahversorgungsmarkt. Nach seinem Abitur 1989 am Goethe-Gymnasium absolvierte er in Aachen eine kaufmännische Lehre und studierte dort Betriebswirtschaftslehre. Nach zwei beruflichen Erst-Stationen wechselte er 2003 zur Dalli-Gruppe, wo er erfolgreich alle Stationen seiner Karriereleiter durchlief, bevor er nach 13 Jahren 2016 in die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe berufen wurde.

Investition in Nachhaltigkeit

Ein echtes Eigengewächs des Konzerns ist Ralf Mühlenberg (47), der nun im Geschäftsbereich IV (Operations) alle Unternehmensbereiche rund um Produktion, Ingenieurwesen und Supply Chain verantwortet. Er hatte vor rund 30 Jahren als Auszubildender zum Industriekaufmann seine Karriere bei der Dalli-Gruppe begonnen. Schon der Vater Hans-Leo Mühlenberg war über 40 Jahre, „zuletzt als Spartenleiter für drei Produktionswerke, bei Dalli. Berufsbegleitend besuchte Ralf Mühlenberg die Controllerakademie und absolvierte ein betriebswirtschaftliches Studium. Über die Jahre hinweg ist Mühlenberg in verschiedenen Bereichen der Produktion bis hin zum Betriebsstättenleiter als Geschäftsleiter für den operativen Produktionsbereich tätig gewesen, bis er zum 1. Februar als Geschäftsführer bestellt wurde.

Mit der Neuregelung des Managements und dem Bezug des „Wirtzhauses“ komplettiert sich das Bild. In das Gebäude ziehen auch Abteilungen für Qualität, Firmenphilosophie, Controlling und Ingenieurwesen. Die Investitionen „in die Lebensqualität der Belegschaft, in die Forschungs-Kapazitäten sowie in Konzepte zur Sicherung der Nachhaltigkeit“ sollen Zeugnis sein für einen Aufbruch in die Zukunft. Der trübe 15. Oktober 2019 soll zumindest in die Firmengeschichte eingehen dürfen als ein leuchtender Tag.

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