Stolberg: Wirtschaftsfaktor Wandern: Das Netz hinkt hinterher

Stolberg: Wirtschaftsfaktor Wandern: Das Netz hinkt hinterher

Nur ein Katzensprung ist es von Stolberg in die Eifel — und auf den Eifelsteig. 313 Kilometer ist er lang. Fünf Jahre alt ist die Wanderstrecke nun geworden. Und Svenja Erler, Mitarbeiterin der Stolberg Touristik, ist überzeugt: „Vom Eifelsteig profitiert die gesamte Region.“ Ist das Wandern also auch für Stolberg ein Wirtschafts- und Tourismusfaktor?

Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Touristen nach Stolberg reisen, um den Eifelsteig oder eine der hiesigen Wanderrouten zu begehen, gebe es nicht, sagt Erler. Ein Großteil der Gäste übernachte sicherlich aus geschäftlichen Gründen in Stolberg. Und dennoch sei das Wandern ein „wichtiger Baustein“ im Tourismuskonzept.

Wanderstrecken bietet Stolberg vielfältig. Beliebt ist auch die Kupferroute — nicht nur als ein Zubringer zum Eifelsteig. Foto: J. Lange

Genauere Zahlen und Fakten über wanderfreudige Gäste kann Melanie Bungenberg, die gemeinsam mit ihrer Schwester Eva Carlitz das Zweifaller Hotel zum Walde führt, nennen. Nach den Erfahrungen der Geschäftsführerin seien 95 Prozent ihrer Urlauber wanderinteressiert. „Das Wandern hat damit einen extrem hohen Stellenwert für unser Hotel“, betont Bungenberg, selbst eine große Waldliebhaberin. „Die meisten Gäste schätzen anspruchsvolle Wege, die gleichzeitig gut ausgebaut sind.“

Meistens sei das Feedback zum Wanderangebot in und um Stolberg sehr positiv. Den Zweifaller Waldlehrpfad nennt die Hotelfachfrau den „Klassiker“ unter den Routen, während der Eifel­steig überraschend wenig frequentiert werde. „Die Gäste meisten möchten vor dem Hotel starten und auch hier wieder ankommen. Da bieten sich andere Wanderwege besser an.“

Zum Beispiel der Stolberger Partnerweg des Eifelsteigs: die Kupferroute. Viele ihrer Touristen, sagt Stefanie Bungenberg, gingen den Premiumwanderweg in entgegengesetzter Richtung. Sie gelangen von Zweifall aus schnell auf die Route und wandern dann zum Startpunkt in der Altstadt, dem „Alter Markt“. Von dort aus geht es mit dem Bus zurück in Richtung Hotel.

Dort haben sich die Schwestern längst auf die Wanderbegeisterten eingestellt. Auf der Internetseite des Unternehmens bekommen interessierte Urlauber gleich sechs Wanderwege zwischen acht und 22 Kilometern vorgeschlagen. Auch andere Hoteliers haben das Potenzial erkannt. Um Aktivurlauber wirbt das Romantik Parkhotel am Hammerberg auf seiner Homepage mit einem „gut ausgebauten Netz an Wanderwegen“, Wanderkarten und Infomaterial an der Rezeption sowie einem Leihservice für Rucksäcke.

Und wie wuchert die Stadt Stolberg selbst mit ihren offensichtlichen Wanderpfunden? Der Blick ins Netz zeigt: Der Onlineauftritt der Stolberg Touristik, für Wanderinteressierte und Touristen wohl eine der ersten Anlaufstellen, um sich zu informieren, ist deutlich ausbaufähig. Unter www.stolbergtouristik.de finden Besucher in der Rubrik „Wandern und Aktiv“ zwar eine Handvoll Wanderungen. Neben der Kupferroute und dem Zweifaller Waldlehrpfad wird auf eine Tour von der Atsch zur Elgermühle und den Vital Parcours zwischen Breinigerberg und Venwegen hingewiesen. Verlinkt sind außerdem die Imagebroschüre der Stadt und die vier Stolberger Ortsgruppen des Eifelvereins: Stolberg, Breinig, Zweifall und Gressenich. Eine vollständige Übersicht über das Wanderangebot suchen Stolberg-Neulinge hingegen vergebens.

Wer zum Hörer greift, eine E-Mail verschickt oder gleich das Tourismusbüro aufsucht, bekommt indessen viele nützliche Anreize für den geplanten Ausflug ins Grün. Neben Broschüren über Stolbergs Wanderwege und den Eifelsteig präsentieren sich zwei Eifelverein-Ortsgruppen (Stolberg und Breinig) mit eigenen Routen und auch die IG Schönes Vicht ist mit ihrem Lehmjöres-Weg vertreten. Noch mehr Wanderungen bietet eine aktuelle Wanderkarte des Eifelvereins mit dem gesamten Streckennetz von Stolberg, Eschweiler und Aachen, ein Wanderguide der Städteregion und das Magazin „Wanderland“.

„Natürlich schicken wir interessierten Wanderern dieses Komplettpaket auch gerne zu“, sagt Svenja Erler von der Stolberg Touristik. Für wünschenswert hält sie dennoch eine langfristig geplante „Qualitätsoffensive“ der Stadt, bei der die Zusammenarbeit mit den Ortsgruppen der Eifelvereine noch intensiviert und das Routennetz optimiert werden soll.

Da es dafür jedoch auch finanzieller Mittel und erheblicher „Manpower“ bedürfe, sei dies noch „Zukunftsmusik“, so Erler. Eine Optimierung des Online-Auftritts wäre allerdings ein Anfang, damit Wanderfreunde nicht schon nach erster Internetrecherche andere Wege einschlagen.

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