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Stolberg: Wilde Schmiererei wird in ein Kunstwerk umgewandelt

Stolberg : Wilde Schmiererei wird in ein Kunstwerk umgewandelt

Kaum war die neue Brücke über die Eisenbahntrasse zum Camp Astrid fertig, da zog sie schon die ersten Sprayer an. Und das ärgerte nicht nur den Geschäftsführer der für die Erschließung und Vermarktung des ehemaligen Militärgeländes zuständigen Entwicklungsgesellschaft.

„Wir sehen die Schmierereien ganz klar als Sachbeschädigung und Vandalismus an und bringen daher jedes Graffiti zur Anzeige”, sagt Hermann Gödde. „Schließlich wollen wir den Investoren und Firmen, die sich hier ansiedeln wollen, zeigen, dass wir ein sicheres und ansprechendes Gewerbegebiet anbieten.”

Als vor etwa eineinhalb Jahren drei Jungen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren beim Sprayen unter der Brücke erwischt wurden, hat sich das Management lange überlegt, wie es mit der Situation umgehen sollte. Dabei kam eine gute Idee heraus.

„Statt den Brückenpfeiler einfach wieder weiß zu streichen und damit vielleicht neue Sprayer anzuziehen, haben wir uns entschlossen, den jungen Männern die Möglichkeit zu geben, an der gleichen Stelle ein ganz legales Kunstwerk zu schaffen”, berichtet Hermann Gödde. „Wir haben die Sachbeschädigung natürlich trotzdem angezeigt und zwei der Jungs haben Sozialstunden abgeleistet. Einer war aber dazu noch zu jung.”

Um den jungen Sprayern zu zeigen, dass es auch anders geht, wandte sich Gödde gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Rolf Wendert an die Bleiberger Fabrik. Diese ist in Aachen ansässig und betreut und initiiert kreative Jugendarbeit, zu der auch Graffiti-Kunst gehört. „Dort haben die Jungs gelernt, wie sie ihre Energie und ihr künstlerisches Talent positiv umsetzen können”, freut sich Gödde über den Erfolg. Denn dass das Projekt erfolgreich war, ist jetzt für jeden zu sehen, der mit dem Zug in Richtung Aachen unterwegs ist.

Statt die Graffiti-Kunst grundsätzlich zu verurteilen, nutzt das Camp-Astrid-Management sie jetzt zu Werbezwecken. „Camp Astrid - Unternehmen im grünen Bereich” prangt nun in riesigen Graffiti-Lettern am Brückenpfeiler. Dazu bekommt der geneigte Leser auch gleich die Information, wieviel Geld ein Unternehmen pro Quadratmeter bezahlen muss, wenn es sich im neuen Industriegebiet ansiedeln will.

„Die Gestaltung lag ganz bei den Jugendlichen. Wir wollten lediglich, dass unsere Farben, also verschiedene Grüntöne, in dem Graffiti vorkommen”, erklärt der Geschäftsführer. Besonders gut findet er, dass auch die Eltern der Sprayer mit von der Partie waren. „Sie haben sich sehr engagiert, die Wand grundiert und auch das Gerüst auf- und abgebaut.”

Einen ganzen Tag haben die jungen Männer an ihrem Kunstwerk gearbeitet. Nun hofft Gödde, dass das Graffiti samt Signatur der jungen Künstler Kunden anzieht und andere Sprayer abhält, denn: „Normalerweise wird ein signiertes Bild von Schmierereien verschont.”