Wie tief müssen Stolberger Eltern für Schulessen in Tasche greifen?

Schullandschaft : Bis zu 725 Euro für Schulessen im Jahr

Halbzeit: Die ersten drei Wochen der Schulferien in Nordrhein-Westfalen sind mittlerweile rum. Das sieht in anderen Bundesländern ganz anders aus. In Berlin hat der Ernst des Lebens wieder begonnen. Doch für die Schüler in Deutschlands Hauptstadt wird sich mit dem neuen Schuljahr eine Menge ändern.

Für alle Erst- bis Sechstklässler ist das Mittagessen ab sofort nämlich frei. Für Schulbücher müssen die Eltern – bereits seit dem vergangenen Schuljahr – ebenfalls nicht mehr zahlen. Auf diese Weise will das Rot-Rot-Grün regierte Bundesland Familien entlasten. Und wie sieht es in Sachen Finanzierung von Mittagessen und Schulbüchern in Stolberg aus? Was zahlen Eltern in der Regel für eine warme Mahlzeit? Und wie werden sozial schwächere Familien in der Kupferstadt entlastet? Ein Überblick.

Thema Mittagessen: Ab dem neuen Schuljahr sollen in Berlin Erst- bis Sechstklässler für ihr Mittagessen nichts mehr zahlen müssen, damit ihnen so eine warme Mahlzeit garantiert werden kann. In Stolberg ist das anders. Dort müssen die Eltern für das Mittagessen in der Schule nach wie vor zahlen. Die Preise fallen unterschiedlich aus. Das liege an den unterschiedlichen Belieferungen, sagt Schulamtsleiterin Petra Jansen auf Nachfrage unserer Zeitung.

Während an der Grundschule in Zweifall beispielsweise noch selbst gekocht werde, werden andere Grundschulen und auch weiterführende Schulen von Caterern beliefert. Aus einer Abfrage bei den Trägern des offenen Ganztages (allerdings bereits aus 2015) variieren die Preise pro Mittagessen zwischen 2,25 und 2,80 Euro. In der Mensa des Goethe-Gymnasiums kostete eine warme Mahlzeit im vergangenen Jahr 3,80 Euro. Würde ein Kind an allen 191 Schultagen im Jahr (von Januar bis Dezember) ein warmes Mittagessen zu sich nehmen, müssten die Eltern dafür insgesamt 725,80 Euro zahlen. In der Grundschule wären es bis zu 534,80 Euro.

Und wie sieht es mit Kindern aus, die aus sozial schwachen Familien kommen? Die werden durch das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket (siehe Infobox) unterstützt. Von rund 780 Kindern erhielten 210 Kinder im Jahr 2015 eine finanzielle Unterstützung zum Mittagessen. Eine Neuerung gibt es diesbezüglich ab dem kommenden Schuljahr auch in NRW. Mussten Eltern bislang trotzdem einen Eigenanteil in Höhe von einem Euro beisteuern, ist dies ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr nötig. Auf diese Weise sollen Familien, die auf die Bezuschussung angewiesen sind, weiter entlastet werden.

Das ist in Berlin nicht der Fall. Mit den abgeschafften Gebühren für das Mittagessen werden alle Familien entlastet. Doch nicht nur dieser Aspekt wurde von verschiedenen Seiten bereits kritisiert. Da bislang noch nicht klar sei, wie viele Kinder dieses Angebot in Anspruch nehmen würden, müssten Caterer so viel Essen liefern, dass auch alle Schüler versorgt werden könnten. Hieße im Umkehrschluss: Nehmen nicht genügend Schüler das Angebot wahr, müssten eine ganze Menge Lebensmittel weggeworfen werden. Doch wieder zurück nach Stolberg.

Bezuschusst wird dort nicht nur das Mittagsessen, sondern auch der Schulbedarf – jedenfalls für Kinder, die aus sozial schwachen Familien stammen. Bedeutet im Klartext: Schüler erhalten zu Beginn des ersten Schulhalbjahres pauschal 70 Euro und zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres 30 Euro zur Anschaffung von Gegenständen, die für den Schulbesuch benötigt werden. Dazu gehören beispielsweise Schulranzen und Sportsachen sowie Schreib-, Rechen-, Zeichen- und Bastelutensilien. Schüler im Leistungsbezug nach SGB II oder SGB XII erhalten diese Leistungen übrigens automatisch, Kinderzuschlags- oder Wohngeldempfänger müssen einen entsprechenden Antrag stellen.

Wer nicht bezuschusst wird, muss in der Regel einen Eigenanteil von rund einem Drittel der Gesamtkosten zahlen, sagt Petra Jansen. In der Primarstufe liegt der Eigenanteil bei 12 Euro, in der Sekundarstufe I sind es 26 Euro, in der Sekundarstufe II und der gymnasialen Oberstufe liegt er bei 23,67 Euro. Den Rest übernimmt die Stadt.

In Berlin sieht das ein wenig anders aus. Bereits seit dem vergangenen Schuljahr müssen die Eltern der Erst- bis Sechstklässler für Schulbücher nicht mehr zahlen. Doch zu Beginn gab es in der Hauptstadt Probleme. Denn an vielen Grundschulen sammelten die Lehrer trotzdem Geld ein. Das dürfte in Stolberg wohl nicht passieren.

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