Stolberg: Wie man Tagesmutter wird und welche Aufgaben dazugehören

Stolberg : Wie man Tagesmutter wird und welche Aufgaben dazugehören

Angesichts des Mangels an Kindergarten-Plätzen für jüngere Kinder erhält die Kindertagespflege auf dem Hintergrund der Debatte um Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wachsende Bedeutung. Doris Kaul ist seit sieben Jahren als Tagesmutter mit allen Fragen rund um das Thema vertraut.

Als staatlich anerkannte Erzieherin leitete sie zehn Jahre lang (davon sechs integrativ) verschiedene Gruppen in Kindertageseinrichtungen. Nach der Tagesmutterausbildung mit Abschluss des Bundeszertifikates eröffnete sie 2011 in Schevenhütte die Gruppe „Eifelmäuse“. Mit Doris Kaul sprach unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten.

Wie wird man Tagesmutter?

Kaul: Man sollte Spaß an der Arbeit mit Kindern und ihren Eltern haben! Ist der Wunsch gefestigt, sollte man sich am besten bei seinem örtlichen Jugendamt erkundigen. Hier bekommt man eine Pflegeerlaubnis, die zur Arbeit als Tagesmutter oder -vater berechtigt.

Welche Voraussetzungen müssen für den Erhalt der Pflegeerlaubnis erfüllt sein?

Kaul: Um die Pflegeerlaubnis zu bekommen, ist eine Grundqualifizierung von zurzeit 160 bis 300 Stunden und der Besuch eines Kurses zur Ersten Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern nötig. Darüber hinaus benötigt man selbst und von allen im Haushalt lebenden Personen, die über 18 Jahre alt sind, ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Eignungsbescheinigung vom Arzt. Außerdem muss man eine entsprechende Unfall- und Haftpflichtversicherung abschließen.

Was beinhaltet die Grundqualifizierung?

Kaul: Da geht es um rechtliche Grundlagen, Vernetzung, Kommunikation, Hygiene, Ernährung und Gesundheit, Unfallschutz, Aufbau der Kindertagespflegestelle, Begleitung kindlichen Spiels, Kinderrechte und deren Schutz etc..

Wie viele Kinder betreut eine Tagesmutter im Schnitt?

Kaul: In der Pflegeerlaubnis ist festgehalten, wie viele Kinder eine Tagespflegeperson maximal betreuen darf. Mehr als fünf gleichzeitig anwesende Kinder wird nie erlaubt.

Darf eine Tagesmutter krank werden?

Kaul: Eher nicht, nein! Wenn die Tagesmutter krank ist, muss eine Ersatzlösung her. Wer von den Eltern dann nicht gerade die Großeltern, Tante oder eine Freundin als „Plan B“ im Hintergrund hat, kann eine Ersatzbetreuung durch das Jugendamt bekommen. Ich persönlich mache „meine“ Eltern allerdings schon bei Vertragsabschluss darauf aufmerksam, dass diese letztgenannte Lösung für die Kinder meist Stress bedeutet, da es sein kann, dass die Kinder die Ersatzperson nicht kennen. Denn gerade im Alter der Tageskinder ist es für sie enorm wichtig, eine vertraute Person, eine feste Bezugsperson, an ihrer Seite zu haben.

Wie sieht es mit den Räumlichkeiten aus? Mussten Sie Ihr Haus dafür umbauen?

Kaul: Viele Tagespflegepersonen arbeiten in ihren Privaträumen. Manche mieten sich aber auch externe Räumlichkeiten an. Diese müssen natürlich kindgerecht, anregend und vor allem sicher sein. Genügend Platz zum Spielen muss es geben, und auch geeignete Orte zum Wickeln, Essen und Schlafen sollten eingeplant sein. Auch hier prüft das Jugendamt zu Beginn durch regelmäßige Hausbesuche, ob diese Voraussetzungen gegeben sind. Mein Haus musste ich nicht umbauen, aber getan habe ich es trotzdem. Auch jetzt noch. (Und lacht.) Ich suche immer nach neuen Möglichkeiten, wie sich die Arbeit mit den Kindern innerhalb meines Hauses noch optimieren lässt.

Was ist mit einem Garten?

Kaul: Ein eingezäunter Garten oder Terrasse ist Gold wert! Ich persönlich gehe sehr gerne täglich mit den Kindern an die frische Luft. Egal, bei welchem Wetter. Wir lieben es, im Sommer mit Wasser im Sandkasten zu matschen. Wir fahren draußen Bobbycar oder hüpfen gut eingepackt mit Gummistiefeln und Matschklamotten durch die Pfützen im Regen.

Wie sieht es mit der Fortbildung/pädagogischen Schulungen aus?

Kaul: Unser Jugendamt gibt uns vor, dass wir uns mindestens zwölf Stunden im Jahr fortbilden. Manche Schulungen bietet das Jugendamt selbst für uns an oder sorgt für einen Referenten. Oft bemühen wir uns aber auch selbst um interessante Fortbildungen. Wir sind in Stolberg noch zusätzlich untereinander durch unseren Verein für „Kindertagespflegepersonen“ gut vernetzt und tauschen uns über diese Schiene regelmäßig aus. Meist finden die Fortbildungen an Abenden oder Wochenenden statt, da wir verlässlich zu den gebuchten Zeiten unsere Tageskinder betreuen.

Wie kommen Sie an die Kinder? In welchem Alter sind sie?

Kaul: Auch hier helfen unser Jugendamt bzw. das Familienbüro weiter. Frau Bergmann kennt uns alle persönlich und vermittelt Eltern, die für einen Platz bei einer Tagesmutter anfragen, an uns weiter. Viele von uns haben eine eigene Internetseite, die Eltern im Netz finden, aber am meisten verbreitet ist die Mundpropaganda. Die meisten Kinder sind im Alter zwischen 1 und 3 Jahren, wobei mittlerweile viele Kinder unter drei Jahren in die Kita wechseln. Es gibt aber auch Kinder im Schulalter, die von Tagesmüttern als Alternative zur Ganztagsschule betreut werden.

Wie sieht es mit dem Verdienst aus? Fallen viele Kosten an?

Kaul: Was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass uns Tagesmüttern eine monatliche Pauschale pro Kind gestaffelt nach gebuchten Wochenstunden - quasi „Brutto“ - von der Stadt gezahlt wird. Davon zahlen wir 50 Prozent für die Sozialabgaben wie Kranken- und Rentenkassenbeitrag. Die andere Hälfte wird von der Stadt gezahlt. Der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege)-Beitrag wird komplett von der Stadt übernommen. Die Eltern können je nach Bedarf einen Wochenstundensatz beantragen, der dann geprüft und im besten Falle bewilligt wird. Trotzdem sind wir „selbständig“ und tragen ein finanzielles Risiko. Zieht ein Kind um oder kann früher in die Kita als geplant, so stellt die Stadt die Zahlung für dieses Kind ab Betreuungsende ein. Ein Teil der Einkünfte bricht weg, während die Abgaben erst einmal weiterlaufen.

Wie teuer ist die Tagesmutter für die Eltern?

Kaul: Genauso teuer wie der Kitaplatz! Jedes Kind ab einem Jahr hat einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Eltern dürfen wählen, ob sie ihr Kind zu einer Tagesmutter oder in die Kita geben. Das heißt für beide Betreuungsangebote: Je nach Bruttojahreseinkommen und gebuchten Stunden müssen die Eltern gestaffelt einen Beitrag an die Stadt zahlen. Die entsprechende Tabelle ist auf der Homepage der Stadt einzusehen. Eltern mit einem Jahresbruttoeinkommen bis zu 16.000 Euro sind sogar ganz vom Elternbeitrag befreit.

Wann kommt das erste Kind und wie lange dürfen die Kinder bleiben?

Kaul: Das ist ganz unterschiedlich. Die Tagesmütter/-väter haben den großen Vorteil, ihre Betreuungszeiten sehr flexibel an den Bedürfnissen der Eltern, natürlich unter Berücksichtigung ihrer eigenen Möglichkeiten, anzupassen. Das heißt bei mir zum Beispiel konkret, dass ich im letzten Sommer bei Aufnahme meine neuen Tageskinder auf die Wünsche der Eltern eingehen konnte und meine Öffnungszeiten verlängert habe. Mein jüngster Sohn wechselte von der Grund- in die weiterführende Schule und somit konnte ich meinen „neuen“ Eltern bezüglich der höheren Wochenstunden entgegenkommen. Auch über die vereinbarten Öffnungszeiten hinaus gibt es in Notfällen oder bei besonderen Gegebenheiten nach Absprache bei den meisten Tagesmüttern Spielraum. In der Regel kommt man sich da entgegen, und es entsteht ein gutes Miteinander, wo Geben und Nehmen möglich ist.

Essen die Kinder bei Ihnen? Wenn ja, wer kocht?

Kaul: Da meine Tageskinder schon früh am Morgen kommen und über Mittag bis in den Nachmittag bleiben, können sie bei mir, neben einem frisch gekochten Mittagessen, frühstücken und auch einen Nachmittagssnack einnehmen. Bei uns kocht „Oma Marlies“, die gute Seele des Hauses - meine Mutter. Das ist ihr Jungbrunnen. Ihr macht die Arbeit mit den Kindern Spaß. Sie kommt am späten Vormittag und bereitet uns täglich ein leckeres, frisch zubereitetes Mittagessen und unterstützt mich am Tisch, den Kindern die nötige Hilfestellung im Umgang mit Gabel, Löffel und Co. zu geben. Während ich jedes Kind einzeln ins Bett bringe, macht Oma Marlies das eine oder andere Fingerspiel mit den verbleibenden Kindern, bis dass jeder in seinem Bett eingeschlafen ist.

Gibt es Kinder, die einen Mittagsschlaf brauchen?

Kaul: Ja, bei mir gerade alle! So ein Vormittag bei den „Eifelmäusen“ ist anstrengend. Da brauchen alle eine Pause, um neue Kraft zu tanken und das Erlebte zu verarbeiten.

Wie sieht der Tagesablauf für Sie aus?

Kaul: Mein Tagesablauf passt sich immer an die Gegebenheiten der neuen Gruppe an. Ich achte darauf, dass ich auf die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder Rücksicht nehmen kann und richte mich danach. In der Regel ist es immer eine gesunde Mischung aus freiem und angeleitetem Spiel, Essen, Ruhephasen und Bewegung. Wir machen Ausflüge, gehen spazieren oder besuchen den örtlichen Spielplatz. Bei uns ist immer was los.

Wie feiert eine Tagesmutter Muttertag?

Kaul: An einem solchen Tag lässt sie sich gerne auch einmal umsorgen und verwöhnen, vor allem freut sie sich, wenn sie ihre Lieben glücklich weiß.

Sie sind nicht nur Tagesmutter, sondern auch Autorin? Was schreiben Sie?

Kaul: Ich entwickle den Tagesmütterplan, der 2014/15 und 2015/16 zunächst beim Herder-Verlag erschien. Nachdem Herder 2016 sein Konzept änderte, entschied ich mich, mein eigenes Konzept im Selbstverlag herauszubringen. Ohne die Hilfe und Unterstützung meiner Familie, meines Grafikdesigners Heiko Schmidt und der Druckerei Prost Druck wäre das alles nicht in der Form möglich gewesen. Dafür danke ich ihnen allen an dieser Stelle von Herzen.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem Tagesmütterplan gekommen?

Kaul: Aufgrund meiner beruflichen und privaten Erfahrungen im Umgang mit großen und kleinen Menschen, fand ich für mich heraus, dass mir ein strukturierter Tagesablauf und eine Wochen-, Monats- und Jahresplanung erheblich meinen Alltag erleichtern. Ich suchte nach geeigneten Kalendern oder Planers und stellte fest, dass es für mein Arbeitsfeld nichts Optimales gab. Die Idee eines eigenen, auf die Bedürfnisse der Kindertagespflegeperson zugeschnittenen Planers war geboren. Von Anfang an entwickele ich den Tagesmütterplaner stetig weiter und bin immer wieder offen und dankbar für neue Anregungen und Wünsche, um den Planer für alle Bedürfnisse zu optimieren.

Mehr von Aachener Zeitung