Stolberg: Wie bei den Galliern: Gressenicher ärgern sich über Römer-Spuren

Stolberg : Wie bei den Galliern: Gressenicher ärgern sich über Römer-Spuren

Es ist ein bisschen wie bei Asterix und Obelix in dem kleinen gallischen Dorf, das sich gegen die römischen Truppen wehrt.

Doch heute sind es mehr die Überreste aus römischen Zeiten und in dem Dorf wohnen keine Gallier, sondern es sind vielmehr eine Reihe Gressenicher, die gar nicht so begeistert sind von der Idee der Denkmalbehörden, fast den gesamten Bereich zwischen Segelflugplatz, Mausbach und der Gressenicher Schule unter Schutz zu stellen.

Sie befürchten finanzielle Belastungen oder Einbußen beim Wert ihrer Grundstücke, zeitliche Verzögerungen bei Bauprojekten oder zumindest jede Menge „Behördenkram”.

Die Begeisterung über die Spuren römischer Ahnen hält sich jedenfalls in Grenzen im Vicus Gressenich. Zwar ist die Ausweisung als Bodendenkmal noch nicht rechtskräftig, aber sich dagegen zu wehren ist für betroffene Grundeigentümer nicht einfach. „Das Denkmalrecht ist eine scharfe Waffe, gegen die man nicht viel unternehmen kann”, sagt Andreas Pickhardt.

Allerdings will der Fachbereichsleiter bereits die ursprünglich am 14. August endende Frist um zwei Wochen verlängern, in der Einwendungen bei der Stadt Stolberg als Untere Denkmalbehörde eingereicht werden können. Außerdem plant die Stadt eine gemeinsame Anhörung von Betroffenen und Denkmalschützern, um über Konsequenzen und Möglichkeiten zu informieren.

„Bovenheck bereits untersucht”

Darüber hinaus soll der Ausschuss für Stadtentwicklung an diesem eigentlich reinen Verwaltungsverfahren für das großräumig ausgewiesene Schutzgebiet beteiligt werden.

Wie scharf die Waffe Denkmalrecht ist, zeigt sich daran, dass man zwar „Rechtsmittel einlegen kann, aber diese fachlich begründet sein müssen”, erläutert Wolfgang Wagner vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege. Das bedeutet, dass eine einfache Ablehnung nicht ausreicht. Einwender müssen belegen, dass entweder auf dem betroffenen Areal keine Funde vorhanden sind oder nicht mehr sein können, weil dort kürzlich bereits der Boden abgegraben wurde.

Aber genau das ist ein Punkt, den die Bodendenkmalpflege am liebsten vermeiden würden. „Am liebsten würden wir alles so lassen wie es ist”, sagt Wegener. Denn was an Historie unter der Erdkruste liegt, soll dort möglichst unberührt liegen bleiben. So, wie es die Gelegenheit, die technische Entwicklung und die Finanzausstattung ermöglicht, wollen die Denkmalschützer das Gelände sondieren, ohne graben zu müssen.

Wenn jedoch jemand bauen oder die Erde abgraben will, dann „werden wir uns abstimmen müssen”, kündigt Wegener an. Denn dann wird der konkrete Bauplatz von den Archäologen untersucht werden müssen. Und das soll möglichst so geschehen, dass Kosten und Zeitplan im Rahmen bleiben. Zumal im Falle einer Grabung der Grundeigentümer einen Teil des Aufwandes tragen muss.

Jemand, der in Gressenich jede Menge Erde abgraben will, ist die Firma BSR. Das Unternehmen plant bekanntermaßen, den vorhandenen Steinbruch zu erweitern und wäre umfangreich von einer Unterschutzstellung als Bodendenkmal betroffen. Dass der Steinbruchbetreiber in Widerspruch gehen wird, gilt als gewiss.

Betroffen sind aber auch Nutzer kleinerer Areale, wie die Spielgemeinschaft Gressenich. „Da wird noch drüber zu reden sein”, ist Vorsitzender Axel Wirtz von „seinen” römischen Ahnen wenig begeistert. Denn „jede Veränderung, auch wenn sie nur das heutige Spielfeld betreffen würde, würde durch den Bodendenkmalschutz zusätzliche Kosten und Zeit bedeuten”. Deshalb sieht der SG-Vorsitzende auch die Stadt Stolberg als Grundeigentümerin selbst gefordert, gegenüber der bei ihr ebenfalls ansässigen Unteren Denkmalbehörde Position zu beziehen.

Erstaunt ist der Ratsherr auch darüber, dass das Neubaugebiet Bovenheck als Bodendenkmal ausgewiesen werden soll. „Als der Bereich erschlossen wurde, ist bereits jeder Zentimeter mit dem Spitzschäufelchen abgesucht worden”, erinnert Wirtz an den ersten realisierten Vorhaben- und Entwicklungsplan im Stadtgebiet, bei dem die Kosten der archäologische Untersuchung bereits auf die Anlieger umgelegt worden seien. „Es gibt noch erheblichen Beratungs- und Informationsbedarf zum Denkmalschutz für den Vicus Gressenich”, kündigt Wirtz an.