Stolberg: Werkverträge: IG Metall nimmt Stolberger Unternehmen in die Pflicht

Stolberg: Werkverträge: IG Metall nimmt Stolberger Unternehmen in die Pflicht

„Mit Werkverträgen umgehen die Unternehmen Tarifverträge und Mitbestimmung der Betriebsräte und drücken die Löhne. Werkverträge spalten die Belegschaften in den Betrieben“, bringt Martin Peters auf den Punkt.

Der Geschäftsführer der Industriegewerkschaft Metall Stolberg/Eschweiler mahnt, strukturelle Werkverträge kämen einer Form von Arbeitnehmerüberlassung gleich, und nimmt Betriebe wie die Berzelius Bleihütte am Stolberger Binsfeldhammer (BBH) in die Pflicht. Werkverträge würden zunehmend Leiharbeit ersetzen, ohne allerdings tariflich geregelt zu sein. Und „der Missbrauch von Werkverträgen steigt und muss wirksam verhindert werden“.

Martin Peters (rechts) und Ralf Radmacher von der IG Metall sowie BBH-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Müllegans (Mitte) plädieren für Stammbeschäftigte statt Werkverträge.

Bei einer bundesweiten Befragung der Betriebsräte hätten gegenüber der IG Metall lediglich fünf Prozent angegeben, Mitsprache bei der Vergabe von Werkverträgen zu haben. „Das ist leider auch in unserem Gebiet repräsentativ. In der Kupferstadt und Eschweiler ist das Stolberger Metallwerk KMD das einzige Unternehmen, das Werkverträge in Abstimmung mit dem Betriebsrat vergibt“, sagt Gewerkschaftssekretär Ralf Radmacher. Innerhalb der Betriebe würden die Arbeiter von Fremdfirmen oft schlechter bezahlt, hätten weniger Urlaubstage und bekämen kein Weihnachtsgeld.

„Werkverträge sorgen aber auch im beruflichen Alltag für Mehrklassengesellschaften in den Unternehmen. Arbeiter von Fremdfirmen haben zum Beispiel keinen Zugang zum Betriebsarzt, müssen in der Kantine mehr für ihr Essen zahlen und haben keinen Parkplatz vor dem Werk“, zählt Peters auf. Die Relation von Stammbeschäftigten und Arbeitern von Fremdfirmen sei oft alarmierend, meint der Gewerkschafter und führt Berzelius als Beispiel an: „In der Bleihütte arbeiten rund 250 Stammbeschäftigte und 90 und in Spitzenzeiten sogar bis zu 150 Menschen mit Werkverträgen. Das sind zu viele.“

Dr. Urban Meurer, Geschäftsführer der Berzelius Bleihütte, hält entgegen: „Alle sechs Wochen gibt es einen Tagesstillstand in unserem Betrieb. Dann benötigen wir externe Spezialisten, um die Anlagen zu warten und zu pflegen. Mit Lohndumping hat das überhaupt nichts zu tun. Und im Kernbereich des Unternehmens vergeben wir gar keine Werkverträge.“

Jürgen Müllegans, der Betriebsratsvorsitzende in der Bleihütte räumt ein: „Ohne Externe geht es bei uns nicht.“ Dennoch solle die Anzahl der Werkverträge bei Berzelius verringert werden. Ein Problem sieht der Betriebsratsvorsitzende hinsichtlich der Gesundheit. Während die Blutbleiwerte der Stammbeschäftigten von der Betriebsärztin überprüft würden, „geben manche Fremdfirmen die Blutbleiwerte ab, andere aber nicht“, sagt Müllegans.

Dr. Meurer widerspricht: „Der Gesundheitsschutz gilt für die Arbeiter von Fremdfirmen ebenso wie für unsere eigenen Angestellten. Alle haben Zugang zur Betriebsärztin, und die gesetzlichen Vorschriften werden eingehalten“, sagt der Berzelius-Geschäftsführer. Was die Werkverträge in der Bleihütte anbelangt, hat Müllegans besonders den Sektor Instandhaltung im Visier: „Im Bereich Mechanik sind im Tagesschichtbetrieb 12 bis 13 Stammbeschäftigte im Einsatz, und 29 Arbeiter haben Werkverträge. Das führt am Ende auch dazu, dass uns im Betrieb irgendwann das Know-how verloren geht.“

Der Betriebsratsvorsitzende wünsche sich, dass sukzessive die Relation umgedreht werde und mehr Stammbeschäftigte als per Werkvertrag Beschäftigte bei der Instandhaltung eingesetzt werden.

Auf diesem Weg sei die Bleihütte bereits, betont Michael Braun, stellvertretender Personalchef bei Berzelius am Binsfeldhammer: „Von einst 35 Leiharbeitern gehören 25 inzwischen zu unserem Stammpersonal, und Arbeitnehmerüberlassung tritt nur noch bei Auftragsspitzen ein. Diese positive Entwicklung haben wir auch hinsichtlich der Werkverträge soweit möglich eingeleitet.“

Von 190 Stammbeschäftigten habe die Berzelius Bleihütte schon auf derzeit 255 Angestellte aufgestockt. „Und im Jahr 2016 werden es 283 Stammbeschäftigte sein.“ Dies wirke sich auch auf den Unternehmensbereich Instandhaltung aus, sagt Braun: „2012 standen für diesen Bereich noch 42 eigene Angestellte zur Verfügung, im kommenden Jahr werden es 60 sein, und es wird dementsprechend auch weniger Werkverträge vergeben.“