Stolberg: Wenn die Förderschule einmal selbst gefördert wird

Stolberg: Wenn die Förderschule einmal selbst gefördert wird

Es ist keine dieser Präsentationen, bei der alles funktionieren muss. Und fast so, als gäbe es deshalb einen kausalen Zusammenhang, geht einiges schief: Die Dominosteine brauchen manuelle Fallhilfe, der Luftballon findet die Feuerzeugflamme so gar nicht zum Platzen, und die Rakete will nicht zünden.

„Das ist egal, wir sind keine Profis, und wir machen kein Kunstwerk für das Ludwig-Forum”, sagt der Künstler Christoff Guttermann, der seit August des vergangenen Jahres das Projekt „Bewegen und bewegt werden” an der Förderschule Talstraße betreut.

Es ist keines dieser Landesprogramme, das große Summen in kleine Wirkungen investiert. Etwa 1800 Euro hat die städtische Bildungseinrichtung mit dem Förderschwerpunkt Lernen und emotionale sowie soziale Entwicklung aus Landesmitteln für „Kunst und Schule” erhalten, rund 500 Euro hat ihr Förderverein beigesteuert. So hat die Förderschule, die plötzlich selbst gefördert wurde, 13 Siebtklässler unter künstlerischer Anleitung allerhand werkeln lassen.

Herausgekommen ist am Ende nicht nur eine imposante Kugelbahn mit mehreren Stationen. „Die Schüler haben gemerkt, dass sie etwas schaffen können”, sagt die Klassenlehrerin der 7b, Lena Röhle. „Sie haben durch das Projekt ein neues Selbstbewusstsein bekommen.” Und genau das will die Schule vermitteln.

Es ist keines dieser hehren Ziele, die viel zu hochgesteckt sind. Aber ein ambitioniertes. Ein „selbstbestimmtes, selbstverantwortliches Leben und die bestmögliche Integration in unsere Gesellschaft” hat sich die Schule für ihre Schützlinge ins Aufgabenheft geschrieben. „Ich arbeite viel mit Kindern, die nicht in den harmonischsten Verhältnissen leben”, sagt Guttermann, der die Schüler jede Woche ein Stück näher an eigenständiges (Er-) Arbeiten herangeführt hat.

Rektorin Doris Rößeler ist nicht nur darüber erstaunt, dass ihre Schule unter 70 Bewerbern als eine von 13 Siegern hervorging: „Die Initiative hat bei den Kindern einiges bewegt, und ich bin froh, dass sie am Ball geblieben sind, als das Projekt ins Rollen kam.” Und mit ein bisschen „Nachhilfe” zündet am Ende auch die Rakete.

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