Stolberg: Weltrekord auf dem Amboss aufgestellt

Stolberg: Weltrekord auf dem Amboss aufgestellt

„Lauter die Hämmer nie klingen als zur Weihnachtszeit“, hätte das Motto sein können, als im Rahmen der Kupferstädter Weihnachtstage zum neunten Mal die Schmiede zu Gast waren.

Der Kaiserplatz und die nähere Umgebung waren von den Klängen der wuchtigen Hammerschläge erfüllt, die auf glühendes Metall trafen, und der nahezu allgegenwärtige Funkenflug verstärkte die adventliche Atmosphäre, denn das handwerkliche Spektakel trug den Beinamen „größtes Weihnachtsschmieden der Euregio“ zu Recht.

Es waren mehr Schmiede denn je, die in der Kupferstadt ihr kunstvolles Können demonstrierten. 25 Schmiede sind aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland nach Stolberg gekommen, um bei dem herausragenden Alleinstellungsmerkmal der Kupferstädter Weihnachtstage aktiv dabei zu sein.

„Und es sind diesmal auch viele Lehrlinge dabei“, freute sich Adi Radermacher, Vertreter Stolbergs im Fachbeirat des Rings der Europäischen Schmiedestädte, sowohl mit Blick auf die Zukunft des traditionellen Schmiedehandwerks, als auch hinsichtlich der kommenden Kupferstädter Weihnachtstage 2017, bei denen es die zehnte Schmiedeweihnacht geben wird.

„Zu dem kleinen Jubiläum lassen wir uns bestimmt etwas Besonderes einfallen, und vielleicht kommen dann noch mehr Schmiede“, meint Ron van Loorbeek, Schmied aus Brunssum und Mann der ersten Stunde der Stolberger Schmiedeweihnacht. Doch die reine Anzahl der Schmiede bei dem adventlichen Schauschmieden sei eigentlich gar nicht so wichtig, betont er: „Die Chemie der Schmiede untereinander muss stimmen. Wir haben hier eine Schmiedefamilie, die fantastisch harmoniert.“ Einer der Gründe, warum Akteure wie Andy Vermeersch die 300 Kilometer lange Anreise von der belgischen Küste aus gerne in Kauf nehmen, um beim Kupferstädter Weihnachtsschmieden dabei zu sein.

Van Loorbeek kennt noch einen weiteren Grund: „Die Kupferstadt hat sich in der Schmiedewelt international einen sehr klangvollen Namen gemacht. Wenn ich zum Beispiel in Frankreich einem Schmied gegenüber das Wort ,Stolberg‘ erwähne, bekommt er sofort große Ohren und Augen.“

Große Augen bekamen die Besucher der Schmiedeweihnacht reichlich ob der live vor dem Rathaus gefertigten Exponate. Kunstvolle Tiere und Blumen entstanden ebenso aus glühendem Stahl wie verschiedenartige Weihnachtsbäume oder Kerzenständer, Spielwürfel sowie diverse Kunstobjekte.

So mancher erwachsene Gast durfte auch selbst den Hammer schwingen — von den Kindern ganz zu schweigen, denn die kleinen Besucher konnten eine Prüfung zum Hilfsschmied ablegen. Die selbst geschmiedeten Werke durften sie natürlich mit nach Hause nehmen; ebenso wie eine von Kunstschmied Adi Radermacher und Bürgermeister Tim Grüttemeier gezeichnete Urkunde. Diese bescheinigte den Kindern, „erfolgreich Hammer- und Feuerführung gelernt“ zu haben, und erlaubt es ihnen, „sich ab sofort Hilfsschmied nennen zu dürfen und bei jedem Schmied in Deutschland vorsprechen zu können“.

Am Sonntag zeigten die Schmiede, dass es für sie auch dazugehört, ein wenig verrückt zu sein, als sie den Weltrekord im „Amboss-Surfen“ knacken wollten. Bei dieser skurrilen „Sportart“ gilt es, auf einem Bein auf dem Amboss zu stehen und dabei den Hammer zu schwingen. Entscheidend ist die Anzahl der Schmiede, die gleichzeitig auf den Ambossen surfen. In der Kupferstadt waren es 16 und der Weltrekord im „Amboss-Surfen“ damit aufgestellt.

Ebenfalls großer Beliebtheit erfreute sich der Kunsthandwerkermarkt im Foyer des Rathauses, der einmal mehr der Schmiedeweihnacht angeschlossen war. Dieser Indoor-Bereich wurde nicht nur zum Aufwärmen, sondern vor allem zum Stöbern und Staunen von den zahlreichen Besuchern genutzt, denn auch dort fertigten einige Aussteller ihr Kunsthandwerk direkt vor den Augen der Gäste. Holzarbeiten wurden live gedrechselt, individueller Schmuck hergestellt. Feine Süßigkeiten, beeindruckendes Glaskunsthandwerk in vielen Facetten und mehr standen bei den Besuchern ebenfalls hoch im Kurs.