Schönhofer-Nellessen über Hospiz-Situation: „Weiterhin große Unterschiede zwischen Stadt und Land“

Schönhofer-Nellessen über Hospiz-Situation : „Weiterhin große Unterschiede zwischen Stadt und Land“

Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz für die Städteregion Aachen, führt die Menschen zusammen – zum Beispiel bei den Aachener Hospizgesprächen. Die 109. Ausgabe fand am vergangenen Wochenende im Museum Zinkhütter Hof Stolberg statt.

Im Vordergrund standen die regionalen Hospiz- und Palliativnetze und der Koalitionsvertrag. Sabine Rother stellte dazu einige Fragen.

Das ist das 109. Aachener Hospizgespräch zum Thema Hospiz- und Palliativfürsorge. Was hat sich in den letzten 108 Gesprächen getan?

Veronika Schönhofer-Nellessen: Es hat eine große Entwicklung gegeben, die zum Teil von unserer Region ausgegangen ist, zum Beispiel das Hospiz und der universitäre Lehrstuhl. Viele Hilfsangebote gab es vor zehn, zwanzig Jahren tatsächlich noch nicht in Deutschland. Die Politik wurde auf uns aufmerksam. Vielfach hat Aachen als Vorbild gedient, zum Beispiel bei der Entwicklung des Hilfsdienstes Home Care.

Warum ist diese Tagung noch immer so wichtig?

Schönhofer-Nellessen: Es gibt weiterhin große Unterschiede zwischen Stadt und Land. In manchen Regionen und Bundesländern ist die Versorgung nicht gut, etwa in den neuen Bundesländern, darum muss man sich kümmern.

Ist es wichtig, dass man sich persönlich trifft und nicht nur bei virtuellen Konferenzen oder per Mail austauscht?

Schönhofer-Nellessen: Ja, das ist schon eine besondere Situation, die durch nichts zu ersetzen ist. Hier treffen Leute aus der Politik, Wissenschaft mit Akteuren aus der Praxis zusammen, das ist etwas Besonderes. Es gibt neue Entwicklungen, die hier diskutiert werden. Daraus ergaben sich immer wieder Impulse, die in der Bundespolitik umgesetzt wurden.

Was denn zum Beispiel?

Schönhofer-Nellessen: Wir haben ein wettbewerbsbasiertes Gesundheitssystem. Kooperationen sind daher in der Begleitung am Lebensende eine Herausforderung. Palliative Netzwerke in Deutschland nehmen die Vernetzung in der Städteregion häufig zum Modell, am dem sie sich orientieren. Die gemeinsame Sorge um die Schwerkranken und ihre Angehörigen bleibt eine große Herausforderung.

Was erhoffen Sie vom Koalitionsvertrag der Bundesregierung, der sich zur Hospiz- und Palliativversorgung äußert?

Schönhofer-Nellessen: Konkret steht darin, dass regionale palliative Hospiznetzwerke und deren Koordination finanziert werden sollen. Das ist ein riesiger Fortschritt, das betrifft Informationen für die Bevölkerung und für Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch die moderierende Funktion zwischen allen Angeboten, damit die Hilfen am Bett gut vernetzt als gemeinsame Sorge zum Lebensende hin funktionieren.

Gibt es etwas Vergleichbares zu den Aachner Hospizgesprächen in Deutschland?

Schönhofer-Nellessen: Es gibt mittlerweile viele Palliativkongresse. Für diese waren wir zum Teil sicher Ideengeber. Die Begegnung zwischen Akteuren aus Politik und Wissenschaft mit professionellen Aktiven und Ehrenamtlern ist sicher immer noch einmalig. Wir pflegen diese Dialogkultur, dass die Politik die Möglichkeit hat, aus der Praxis zu lernen.

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