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Wasserballmannschaft des Stolberger SV steigen auf

Erfolgreiche Saison : Wasserballer des Stolberger SV steigen auf

Zwei Wochen nach dem letzten Saisonspiel in der Oberliga NRW herrscht beim Stolberger SV Gewissheit über die kommende Spielzeit: Der Verein steigt erstmals in seiner bald 110-jährigen Geschichte in die zweite Liga West auf und krönt damit nicht nur eine hervorragende Saison, sondern auch seine ausgezeichnete Entwicklung in den vergangenen 10 Jahren.

Als die erste Mannschaft des SSV 2009 aus der Bezirksliga, der untersten Klasse im Bezirk Aachen, in die Verbandsliga NRW aufstieg, rechneten viele damit, dass dieser Versuch, auf Verbandsebene vertreten zu sein, wie bei vorigen Versuchen nach kurzer Zeit wieder beendet sei. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Schon im ersten Jahr kann man sich von den Abstiegsplätzen distanzieren. Verlassen muss man die Verbandsliga nach drei Jahren aber dennoch, jedoch in die andere Richtung. Der erste Aufstieg in die Oberliga NRW 2012 ist ein weiterer Meilenstein für den Verein.

Parallel hat der Verein nebenbei auch eine erfolgversprechende Wasserballjugend groß gezogen, um den bevorstehenden Generationenwechsel vollziehen zu können.

Zwei Jahre konnte man sich in der Oberliga halten, im dritten Jahr stieg man wieder ab, auch weil dem jetzt stark verjüngten Team oftmals noch die Routine in den entscheidenden Spielen fehlte. Das Jahr in der Verbandsliga nutzte die Mannschaft, um die ambitionierten Nachwuchsspieler in das eingespielte System einzubinden und setzte mit dem direkten Wiederaufstieg 2016 ein klares Zeichen für die Zukunft.

Für diesen Erfolg wurde der SSV von der Stadt Stolberg, genau wie schon 2009, mit dem Titel „Mannschaft des Jahres“ geehrt. Im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg holte man mit dem Bronzerang ein hervorragendes Ergebnis, auch 2017/18 zeigte man mit Rang vier, dass man in keine tiefere Spielklasse gehörte.

Der Lohn für 10 Jahre intensive Wasserballarbeit folgte indes ein Jahr später und in der Art und Weise überraschend. Als wenige Spieltage vor Schluss die SGW Iserlohn bereits uneinholbar auf Platz eins lag, der als einziger zum Aufstieg in die 2. Liga berechtigt, war der Aufstieg praktisch abgehakt. Erst durch den Düsseldorfer SC, der als Meister der 2. Liga West die Qualifikation für die Bundesliga erreichte und diese, im Gegensatz zum Vorjahr, auch wahrnahm, ergab sich noch ein weiterer Aufstiegsplatz in der Oberliga. Es kam zum nicht für möglich gehaltenen Saisonfinale.

Beim SV Rheinhausen trat der zweitplatzierte SSV beim direkten Tabellennachbarn an und musste siegen, um Platz zwei zu festigen und den Aufstieg perfekt zu machen. Es war ein Spiel auf des Messers Schneide, geprägt von wechselnden Führungen und einem 6:7-Rückstand vor dem letzten Viertel. Doch im Gegensatz zu 2015, wo das junge Team im Abstiegsendspiel der Oberliga Nerven zeigte, blieben die SSVler diesmal konzentriert und öffneten in einer turbulenten Schlussphase die Tür zur zweithöchsten deutschen Spielklasse.

In dieser werden sie nun exakt zehn Jahre nach dem Aufstieg in den SV NRW erstmals überhaupt vertreten sein. Und das Tool zur Spielplanerstellung hat anscheinend einen Hang zur Ironie. Am ersten Spieltag trifft der SSV im hochprestigeträchtigen Lokalderby zuhause auf den Aachener SV. „Einen interessanteren Beginn hätten wir uns nicht wünschen können“, sagte Wasserballwart Mark Braun. Braun ist einer von fünf aktuellen Spielern in der Ersten des SSV, die im ersten Spiel der Verbandsliga 2009 eben auf jenen ASV trafen und mit einem eindrucksvollen 14:3-Sieg eine jetzt gut zehnjährige Erfolgsgeschichte einleiteten.

Dass dies kaum zu wiederholen ist, liegt jedoch auf der Hand. „Wir gehen als klarer Außenseiter in die Zweitligasaison gegen Teams, die dieses Niveau seit Jahren gewohnt sind. Einige Teams sind Zweitvertretungen von Bundesligateams, aber auch die anderen Mannschaften haben viele Spieler mit Bundesligaerfahrung.“ Und so scheint alles andere als ein Kampf um den Abstieg derzeit doch recht optimistisch. Immerhin: Nebenbei beginnt der SSV auch wieder, eine eigene Jugend an den Wasserballsport heranzuführen. Zwölf aktuelle Spieler der ersten Mannschaft haben in eben diesen Jugendmannschaften letztendlich ihren Weg bis in die 2. Liga gefunden.