Stolberg: Was sie am Opferfest tun, ist für Metzger nichts als Tagesgeschäft

Stolberg: Was sie am Opferfest tun, ist für Metzger nichts als Tagesgeschäft

Es ist den Tierschützern nach wie vor ein Dorn im Auge: das religiös motivierte Schächten von Tieren, wie es Juden und Muslime praktizieren - so auch vor Wochenfrist in Stolberg.

In zwei Stolberger und einem Aachener Betrieb haben zum Opferfest groß angelegte Schlachtungen stattgefunden. Das Opferfest ist das höchste islamische Fest, an dem Muslime ein Tier opfern sollen, wie es Abraham laut Koran und Bibel tat, nachdem er die göttliche Probe bestanden hatte.

In allen drei Betrieben waren Mitarbeiter des Veterinäramts der Städteregion vor Ort, um sicherzustellen, dass streng nach Vorschriften gehandelt wird. Und die sind eindeutig: Grundsätzlich spricht Paragraf 4 des Tierschutzgesetzes ein Generalverbot fürs Schächten aus - allerdings mit sogenanntem „Ausnahmeerlaubnisvorbehalt”. Ausnahmen gibts gemäß Artikel 4 des Grundgesetzes nur aus Gründen der Religions- und Glaubensfreiheit. Was auch per Ausnahme nicht gestattet ist: das Schlachten und Ausbluten ohne vorherige Betäubung durch Elektrozange oder Bolzenschuss.

Darüber führt der Stolberger Carlheinz Nadenau allerdings diese Woche Beschwerde: „Das Bild, das sich mir bot, war einfach grauenhaft. Das ist kein Töten, das ist Tierquälerei, wie es nicht grausamer sein kann.” Er vermute, so Nadenau, dass die Stromzange nur symbolisch angelegt worden sei, um die Mitarbeiter des Veterinäramts zu täuschen und „die Schächtung nach moslemischer Art durchführen zu können - ohne Betäubung”.

Davon könne keine Rede sein, betont Pressesprecher Detlef Funken im Namen der Verantwortlichen: „Während der gesamten Schlachtung war amtliches Personal vor Ort.” Aus amtlicher Sicht habe es „keine Verstöße gegen Tierschutzvorgaben” gegeben. Auch sei die Wahrnehmung des Opferfestes in der Region eine „relativ ruhige und besonnene”.

So sieht es auch Metzgermeister Heinz Nießen, an dessen Betrieb Nadenau Zeuge wurde. Nießen erinnert daran, dass die Schlachttechnik „exakt die gleiche” sei, wie sie regelmäßig in den Schlachtbetrieben zur Anwendung komme. „Das sind normale Schlachtungen. Es soll doch jeder froh sein, wenns vernünftig läuft statt illegal in der Prärie.” Weder bei der Technik noch bei der Zerlegehygiene gebe es Abweichungen gegenüber dem Tagesgeschäft. Fremd mute allenfalls an, wie das Fleisch nach dem Kauf verteilt werde. Gekauft würden ganze Tiere oder kiloweise. „Was sie dann wie verteilen, interessiert uns nicht mehr.”