Stolberg: Warenhaus in Flammen: Brandstifter am Werk?

Stolberg: Warenhaus in Flammen: Brandstifter am Werk?

Bei dem Feuer in einem Warenhaus und im benachbarten Bankgebäude an der Rathausstraße ist am Dienstagabend ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden. Ob Brandstifter am Werk waren, konnte die Polizei am Mittwoch noch nicht mitteilen. Die Ermittlungen laufen noch. Zumindest in dem Warenhaus war es zuletzt mehrfach zu Brandstiftungen gekommen.

„Die Flammen breiteten sich in Sekundenschnelle aus“, berichtete am Mittwoch ein Augenzeuge, der zum fraglichen Zeitpunkt, kurz nach 18 Uhr am Dienstagabend, im Warenhaus war. „Trotzdem hätte man mit dem Feuerlöscher, der an der Wand hing, womöglich doch noch Schlimmeres verhindern können“, meint Frank Bauten.

Der Inhaber des benachbarten Schlüsseldienstes, der zehn Jahre lang Feuerwehrmann war, und weitere Kunden im Warenhaus wurden jedoch von der Marktleiterin vorsorglich nach draußen geschickt. Nicht zuletzt zu ihrer eigenen Sicherheit.

Zeitgleich mit dem Auslösen der Brandmeldeanlage an der Decke des Warenhauses ging der Alarm um 18.13 Uhr auch bei der Stolberger Feuerwehr ein. Die ersten Kräften waren denn auch wenige Minuten später vor Ort. Das Feuer im Markt war rasch gelöscht, der Rauch wurde nach draußen geblasen.

Das Problem war jedoch: Die Flammen hatten durch die Deckenverkleidung auf das benachbarte Gebäude der Bank übergegriffen. Bis zu 80 Einsatzkräfte waren schließlich vor Ort, um die Brandnester zu bekämpfen. Neben Kräften des 2. Löschzuges und der Hauptwache rückten noch die Löschgruppen aus Mausbach, Breinig und Vicht an.

Besonders betroffen war ein rückwärtiger Anbau der Bank, in dem sich Feuer und Rauch entwickelten. Zum Glück blieben die meisten Wohnungen in den drei Etagen über den Geschäftsräumen von den Flammen verschont. „Lediglich eine fünfköpfige Familie, die hinten heraus wohnt, musste ihre stark in Mitleidenschaft gezogene Wohnung verlassen und in einem Hotel untergebracht werden“, berichtet Wachleiter Karl Wenn.

Um an den Brandherd zu gelangen, mussten die Helfer den Gebäudekomplex bis spät in die Nacht von hinten angehen. Eine eiserne Notausgangstür ließ sich nicht öffnen und konnte nur mit Spezialgerät der Wehr aus den Angeln gerissen werden. Der Bereich der Rathausstraße gegenüber der Stadthalle blieb bis in die Nacht für den Verkehr gesperrt.

In der Bank hielt sich zum Zeitpunkt des Brandes bereits niemand mehr auf. „Wir haben keine Verletzten zu beklagen“, stellte Banksprecher Benjamin Sekavcnik denn auch am Mittwoch erleichtert fest. Die Polizei hat die Eingangstür zur Bank, ebenso wie den Eingang zum Warenhaus, versiegelt. Niemand darf die Räume betreten. Im hinteren Bereich der Bank herrscht Einsturzgefahr.

Noch in der Nacht wurde das technische Hilfswerk angefordert, um die Decken abzustützen. 14 Spezialisten samt Fahrzeugen und Werkzeug rückten an, um Stützfeiler in dem Haus zu errichten. „Durch die Löscharbeiten wurde das Gebäude stark beeinträchtigt“, so Sekavcnik. Die Prüfung der Statiker müsse nun ergeben, ob und wann die Bankfiliale wieder eröffnet werden könne.

Sekavcnik rät den Kunden, auf die Filialen in Aachen, Eschweiler oder Düren auszuweichen. Alle Kunden werden entsprechend angeschrieben. „Wir bitten um Verständnis.“

Glück im Unglück hatte der Schlüsseldienst gleich neben der Bank. Der Verkaufsraum blieb vom Feuer verschont, lediglich das Lager dahinter ist etwas verqualmt. Ein Mitarbeiter klagte am Mittwoch über Augenreizungen, nachdem er sich länger im Lager aufgehalten hatte. „Das hätte auch viel schlimmer ausgehen können“, sagt Frank Panten. „In den Wohnungen über den Geschäften leben viele Familien mit kleinen Kindern.“

In der rückwärtig an die Bank angrenzenden Zahnarztpraxis waren die Behandlungen fast abgeschlossen, als der Großeinsatz der Feuerwehr anlief. „Die letzten Patienten mussten die Praxis allerdings durch eine Rauchwolke verlassen“, berichtete die Sprechstundenhilfe.

„Echt asozial“

Während die Spezialisten der Kripo am Mittwoch noch nach der Ursachen des Feuers forschten, liefen etliche Kunden des Warenhauses vor die verschlossenen Türen. „Ich wollte mir heute eigentlich die rosaroten Christbaumkugeln kaufen, die sehen super aus“, berichtete eine junge Dame, während sie auf die Pakete im Schaufenster deutet.

„Echt asozial“ fand sie allerdings, dass an der Ladentüre abgesehen vom Siegel der Polizei nichts darauf hindeutete, dass der Laden geschlossen ist und für wie lange.

Ratlose Gesichter auch bei den Kunden der Bank, die am Mittwoch Morgen mal eben Geld aus dem Automaten ziehen wollten. Vergeblich versuchten sie, jemanden aus der Aachener Filiale ans Telefon zu bekommen. „Hier muss man noch um sein Geld betteln“, zeigte sich eine Dame erbost.

Wie die Polizei auf Nachfrage der Redaktion mitteilte, hat es in besagtem Warenhaus an der Rathausstraße in den vergangenen Monaten bereits mehrfach gebrannt. Im Juni, im November und im Dezember 2012 gingen ein Verkaufstisch, Küchenhandtücher und Socken in Flammen auf.

Allerdings konnte das Feuer jeweils rechtzeitig bemerkt und gelöscht werden. In allen Fällen geht die Polizei inzwischen von Brandstiftung aus. Ob auch im jüngsten Fall der Brand vorsätzlich gelegt wurde, müsse nun geklärt werden, so Polizeisprecher Paul Kemen. Ein Brandsachverständiger müsse hier für Klarheit sorgen.