Stolberg: Wahlhelfer: Viele fleißige Hände machen Wahl möglich

Stolberg: Wahlhelfer: Viele fleißige Hände machen Wahl möglich

Damit am Sonntag in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr alle der rund 42.000 wahlberechtigten Stolberger die Möglichkeit haben, in den 36 Wahllokalen im Stadtgebiet ihre Stimme abzugeben, müssen die 288 Wahlhelfer schon morgens früh zum Dienst antreten.

So auch Birgit Nolte. Sie ist Rechtsrätin der Stadt und seit mehr als 20 Jahren als Wahlhelferin tätig. Seit sie vor 14 Jahren nach Mausbach gezogen ist, betreut sie hier das Wahllokal.

Birgit Nolte betreut als freiwillige Wahlhelferin ein Wahllokal in Stolberg-Mausbach. Sie hat bereits langjährige Erfahrung in diesem Dienst. Foto: K. Toussaint

Um 7.30 Uhr trifft sich der achtköpfige Wahlvorstand in der Realschule in Mausbach. Bevor um exakt 8 Uhr die Wahlhandlung eröffnet werden kann, muss noch einiges vorbereitet werden: Die Urne muss daraufhin überprüft werden, ob sie leer ist, dann muss sie verschlossen und aufgestellt werden. Die Wahlkabinen müssen platziert, Tische für den Wahlvorstand zurechtgerückt und die Wahlzettel bereitgelegt werden.

Außerdem muss der Leiter des Wahlvorstands die Beteiligten einweisen, damit nichts schief geht. Im Wahlverzeichnis muss überprüft werden, ob die Wahlberechtigten im richtigen Wahllokal sind und ob sie noch keinen Wahlschein für die Briefwahl erhalten haben.

Dann müssen von den Wählerinnen und Wählern Wahlschein oder Personalausweis vorgezeigt werden. „Es ist natürlich auch unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass die Wahl geheim abläuft. Auch Familien können nicht einfach gemeinsam in die Wahlkabine“, sagt Nolte.

Ist das Kreuzchen gemacht? Dann heißt es für den Wahlvorstand trotzdem, weiter „Augen offenhalten“, damit niemand mit dem Wahlschein nach Hause geht. Denn immer wieder komme es vor, dass potenzielle Wähler vergessen, den Wahlschein einzuwerfen. Außerdem eine beliebte „Panne“: ausgefüllte Briefwahlunterlagen im Umschlag können nicht im Wahllokal eingeworfen werden — sie gehören in den Briefkasten am Rathaus.

Wer die Briefwahlunterlagen zwar bekommen, aber noch nicht ausgefüllt hat, darf sein Kreuz dann jedoch vor Ort machen und den Wahlschein einwerfen. Wenn man in Mausbach ins falsche Wahllokal läuft, ist das übrigens nicht weiter schlimm: beide Lokale werden in der Realschule eingerichtet.

Quer über den Gang

Wer falsch ist, muss also nur einmal quer über den Gang. Eine weitere Aufgabe der Wahlhelfer: Sollte am Wahltag in direkter Nähe des Wahllokals Wahlwerbung gemacht werden, muss diese entfernt werden. „Auch wenn jemand im Wahlraum Randale macht oder versucht, andere politisch zu beeinflussen, haben wir das Recht, die Person rauszuwerfen — zum Glück ist das bei uns noch nicht vorgekommen“, sagt Nolte.

Was sie jedoch schon erlebt hat: Einen Vater, der mit den Briefwahlunterlagen des auf Reise befindlichen Sohnes wählen wollte, damit „dessen Stimme nicht verloren geht“ und einen Wahlanwärter mit einer Wahlbenachrichtigung aus einer Stadt am anderen Ende Nordrhein-Westfalens.

Lange Erfahrung

Im Großen und Ganzen kann im Wahllokal von Birgit Nolte aber nicht viel schief gehen: Alle Wahlhelfer haben bereits jahrelange Erfahrung. In zwei Schichten betreuen sie über den Vormittag beziehungsweise Nachmittag den Wahlablauf. Um 18 beendet der Wahlvorstand dann die Wahlhandlung. Kommen auch in letzter Minute noch Menschen, die wählen wollen? „Um fünf vor sechs kommen manchmal noch die letzten Wähler auf den Hof gefahren. Wer um 18 Uhr im Wahlraum ist, darf seinen Wahlschein auch noch einwerfen“, erklärt Nolte.

Dann muss wieder umgeräumt werden. Denn: „Fürs Auszählen braucht man viel Platz.“ Nachdem die Wahlurne geöffnet und geleert ist, wird erst einmal nachgezählt, ob die Anzahl ausgegebener und eingeworfener Wahlscheine übereinstimmt — in Noltes Mausbacher Wahlraum sind das knapp 1000 Stück. Dann wird sortiert. Am leichtesten machen es den Wahlhelfern die Wähler, die Erst- und Zweitstimme an die gleiche Partei vergeben — diese Wahlzettel machen den größten Stapel aus.

Ohne Markierung

Wahlzettel ohne Markierungen oder mit ungültigen Markierungen, auf denen zum Beispiel Text durchgestrichen ist, etwas dazugeschrieben wurde oder zu viele Kreuze gemacht wurden, werden aussortiert. Ob ein solcher Schein zumindest noch teilweise gewertet werden kann, entscheidet im Nachgang im Einzelnen der Wahlvorstand.

Wer Erst- und Zweitstimme unterschiedlich vergeben hat, dessen Wahlschein muss in zwei Durchgängen gezählt werden. „Dieser Stapel ist aber gar nicht so groß. Der überwiegende Teil der Wähler vergibt beide Stimmen an die gleiche Partei“, erzählt Nolte. Die Wahlbetreuung ist eine aufwendige Aufgabe, die viel Sorgfalt verlangt. „Das ist ein Job, den jemand machen muss, der ihn gern macht“, schmunzelt Nolte.

Nach etwa einer Stunde ist das eingespielte Team um Birgit Nolte in der Regel mit der Auszählung der Stimmen bereits fertig. Dann wird das vorläufige Ergebnis per Schnellmeldung ins Rathaus gegeben.

Hier wird noch einmal überprüft, ob rechnerisch alle Zahlen stimmen. Wenn sie nicht übereinstimmen, heißt es für die Helfer im Wahlraum: noch einmal zählen. Wenn am Ende jedoch alles stimmt, unterschreiben alle Helfer die Niederschrift und packen die Stimmzettel zusammen, die dann ins Stolberger Rathaus transportiert werden.

Und wann kommt man als Wahlhelfer selbst dazu, seine Stimme abzugeben? Nolte: „Ich mache das meist vormittags am Tag selbst — ich bin ja ohnehin vor Ort.“

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