Vorstände von Sparkasse und VR-Bank stellen sich Fragen der Stolberger

Banken-Landschaft : „Strafzinsen“ sind kein Thema für die Kunden in Stolberg

Die Banken sind im Wandel – auch in Stolberg. Die Vorstände von Sparkasse und VR-Bank stellen sich deshalb den Fragen der Stolberger.

Dresdner Bank, die Sparkassengeschäftsstelle an der Salmstraße und auch die Deutsche Bank sind längst aus der Innenstadt verschwunden, die Postbank hat sich jüngst vom Donnerberg verabschiedet, der Verbleib der Filiale an der Rathausstraße ist ungewiss, und die Geschäftsstelle der VR-Bank in der Atsch soll zum 1. Mai geschlossen werden – um nur einige Beispiele zu nennen. Doch es gibt auch gute Nachrichten, die Dr. Christian Burmester vom Vorstand der Sparkasse Aachen und Siegfried Braun vom Vorstand der VR-Bank Region Aachen jetzt im Kulturzentrum Frankental verkündeten.

Persönliche Beratung der Bankkunden hinsichtlich Finanzierungen und Wertanlagen sei und bleibe wichtig und gefragt, und deshalb würden beide Geldinstitute in Stolberg und der Region mit Geschäftsstellen präsent bleiben, versicherten die Vorständler unisono. Telefonischer Service und Online-Banking würden das Angebot von VR-Bank und Sparkasse ergänzen. „Und Online-Banking ist absolut sicher“, betonte Burmester. Nur bei sogenannten Spam-E-Mails sei Vorsicht geboten, und grundsätzlich gelte, dass die „PIN“-Geheimnummern für Bankkarten und fürs Online-Banking niemals mündlich oder schriftlich weitergegeben werden sollen.

Braun und Burmester erklärten auch, dass „Strafzinsen“ auf Guthaben für Stolberger Mittelständler und Privatkunden bei VR-Bank und Sparkasse kein Thema seien. Lediglich für institutionelle Kunden, die Einzahlungen in Höhe mehrerer Millionen Euro tätigen, könnten nach persönlichen Gesprächen Negativzinsen anfallen. „Wenn ein Geldinstitut das Gleichgewicht zwischen Kunden-Guthaben und Kunden-Krediten hält, ein Unternehmen aber auf einen Schlag 100 Millionen Euro auf sein Konto transferiert, muss die Bank davon 0,4 Prozent Negativzinsen, also 400.000 Euro an die Europäische Zentralbank zahlen“, erläuterte Burmester ein Beispiel.

Die Europäische Zentralbank EZB sollte nochmals zu Sprache kommen an dem Themenabend, zu dem die Mittelstandsvereinigung MIT der CDU und die Senioren-Union eingeladen hatten. Denn der MIT-Bezirksvorsitzende Dr. Franz Wedemeyer, der Stolberger MIT-Vorsitzende Martin Hennig, Michael Thomas von der CDU-Arbeitsgruppe Wirtschaftsförderung und Ludwig Hahn von der Senioren-Union begrüßten zahlreiche Gäste, denen Braun und Burmester seitens VR-Bank und Sparkasse Rede und Antwort standen.

„Wir sehen uns vor dem Spagat, sowohl ältere, als auch jüngere Kunden zufriedenzustellen. Gerade die jüngeren Kunden benötigen Online-Service und Bank- wie Kreditkarte, besuchen aber meist keine Filialen“, beschrieb Braun. Geschäftsstellen mit weniger als 3000 Kunden seien eigentlich nicht rentabel zu betreiben, und „es ist auch für unsere Mitarbeiter nicht gut, wenn sie sich in wenig frequentierten Filialen permanent langweilen, weil sie unterfordert sind“. Burmester stimmte dem zu und ergänzte, für die Banken seien die Kosten für Investitionen im Computer- und Online-Bereich ebenso gestiegen wie für externe Kräfte etwa beim Controlling.

„Andererseits haben die Banken seit vielen Jahren keinen Verdienst mehr am Spargeld der Kunden und in Zeiten niedriger Zinsen ist das Geschäft mit Krediten auch völlig eingebrochen“, meinte Burmester. Die Verantwortung für die Zinspolitik wiesen Braun und Burmester der EZB zu. „Die Geldinstitute sind nicht dafür verantwortlich. Wir leiden ja selbst darunter“, sagte Burmester, und Braun fügte hinzu: „Die Niedrigzinsen stellen für sehr viele Menschen ein Problem hinsichtlich ihrer Altersvorsorge dar.“ Beide Bankvorstände waren sich einig: Die EZB solle im Sinne der Kunden und der Banken die Zinsen erhöhen. „Langsam ansteigende Zinsen wäre der Idealfall.“