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Stolberg: Vor dem Jahreswechsel noch schnell eine neue Brille

Stolberg : Vor dem Jahreswechsel noch schnell eine neue Brille

„Die Patienten kommen mit Fragen, sie sind deutlich verunsichert”, sagt Dr. Barbara Rebenstorff in Breinig.

Ab Januar gelten für Ärzte in Praxen, im Krankenhaus und für die Optiker neue Bestimmungen. Die Gesundheitsreform greift, und das macht vielen Menschen in Stolberg Angst.

Im Krankenhaus, so erzählt Verwaltungschef Thomas Schelhoff, stellt man sich auf ein komplett neues Abrechnungssystem ein. Das sei „ein gewaltiger Organisations-Aufwand”, sagt Schellhoff. Und ist mit den Neuerungen gar nicht glücklich. „Ich sehe eine deutliche Erhöhung der Bürokratie auf die Krankenhäuser zukommen.”

Für die Patienten gilt: Bei stationären Aufenthalten im Krankenhaus müssen gesetzlich Versicherte zehn Euro pro Tag zuzahlen. Im Krankenhaus ist die Zuzahlung auf 28 Tage im Kalenderjahr beschränkt.

Zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal zahlen Erwachsene auch für einen Besuch beim Hausarzt, Zahnarzt oder Psychotherapeuten. „Und die Patienten denken”, so Dr. Rebenstorff, „die Ärzte würden das Geld für sich kassieren”. Dabei leiten die Ärzte das Geld an die Kassen weiter. Die Ärztin hält das wie viele ihrer Kollegen, mit denen die Redaktion sprach, für „eine versteckte Beitragserhöhung” der Krankenkassen.

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten müssen Patienten übrigens künftig zehn Prozent der Kosten selbst tragen. Die Zuzahlung beträgt mindestens fünf, höchstens zehn Euro.

Auch die Optiker sind in diesen Tagen mit verunsicherten Kunden konfrontiert. Die Läden sind voll, wie die Redaktion bei einem kleinen Rundgang durch Stolbergs Brillengeschäfte erleben konnte. Optikerin Petra Schiffler hat festgestellt, „dass jeder Angst hat, dass im nächstes Jahr alles viel teurer wird”. Derzeit herrsche eine Art Panik, „wie damals, als plötzlich jeder sein Brillengestell selbst zahlen musste”.

Für Brillen und Kontaktlinsenträger gilt: Fast alle bislang gezahlten Zuschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung werden gestrichen. Zuschüsse (für Gläser) in der bisherigen Form erhalten nur noch Kinder und sehbehinderte Menschen.

Jetzt haben die Optiker noch gut zu tun, bereits erwogen aber dann wieder verworfen wurden bei Augenoptik Matthias Kaulard längere Öffnungszeiten im Laden. Was wird aber im neuen Jahr sein, wenn sich alle schon mit neuen Brillen eingedeckt haben? Mit einem Umsatzrückgang von 17 Prozent rechnet die Branche.

Kassen beraten gern

Das neue „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung” (GMG) ist „sehr umfänglich”, wie Thomas Schellhoff sagt. Wer intensive Beratung wünscht, sollte sich an einen Optiker wenden oder an seine Krankenkasse.

Verschieden Kassen haben Info-Hotlines eingerichtet, so z. B. die Knappschaft, die montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr unter der Nummer 08000 200501 gebührenfrei informiert.