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Stolberg: Von Schnäppchenjägern keine Spur

Stolberg : Von Schnäppchenjägern keine Spur

Stell Dir vor: Es ist Winterschlussverkauf (WSV) - und keiner geht hin. Darüber kann die Stolberger Geschäftswelt gar nicht lachen: Denn bis auf wenige Ausnahmen ist momentan tatsächlich so.

Allerdings mit Einschränkung, denn einige Geschäftsleute sind davon überzeugt, dass die Kunden im Laufe der nächsten Tagen eintrudeln. „Das war in den vergangenen zwölf Jahren auch so: Die Stolberger fahren am ersten Tag des WSV immer nach Aachen”, so die Erklärung von Gisela Mensalk von der Boutique „La Femme”.

Selbst zerstört

Mal abgesehen, dass durch die wirtschaftliche Situation das Kaufhalten in diesem Jahr generell zurückhaltender sei, „hat sich der Einzelhandel doch den WSV selbst kaputt gemacht. Es wird immer früher reduziert”, meint sie kopfschüttelnd.

In beiden Punkten kann Fernande Nelles, Besitzerin eines Schuhgeschäftes, nur beipflichten. „Die heute in Aachen unterwegs sind, das sind die reinen Schnäppchenjäger”, glaubt sie. „Das ist nicht unsere Klientel.”

Wer mehr auf die Qualität als auf den Billig-Preis achtet, habe bereits eingekauft, „denn viele Sachen waren schon vorher reduziert”, sagt Fernande Nelles.

„Nicht wegen des WSV”

An einem Pullover-Stand wuschelt sich Simone Offermann durch die Angebote. „Ich musste Lebensmittel einkaufen, deswegen war ich heute in der Stadt unterwegs, nicht aber wegen des WSV. Wo ich aber gerade hier vorbei komme, habe ich doch mal geschaut, ob was für meinen Mann dabei ist.”

Nur zu gerne ins Kaufgetümmel stürzen würde sich Jennifer Vorherr. Wegen Ebbe in der Kasse muss sich die junge Frau damit noch einige Tage gedulden.

Ganz anderes da Jaqueline Müller. WSV interessiert sie nicht die Bohne. „Ich kaufe nur Klamotten, wenn ich welche brauche. Die Läden zu durchkämmen, nein, das ist nichts für mich”, gesteht sie unter dem fassungslosen Blick von Jennifer.

Schleppend läuft der WSV auch bei Victor an. „Die Frequenz wird erst am Wochenende höher”, prognostizieren die beiden Verkäuferinnen Ute Küpper und Marion Meeßen.

Derweil die Verkäuferinnen kassieren, arbeitet sich Kundin Franziska Groß durch den Socken-Wühltisch. „Ach, ich schaue mich heute nur ein bisschen um. Eigentlich habe ich alles, was ich brauche. Schon lange vorher preiswert eingekauft”, verweist sie auf die ständige Reduzierung in den Geschäften.

Tod des WSV

In wenigen Jahren wird es keinen WSV mehr geben, prophezeit Andreas Kohler vom gleichnamigen Bekleidungsgeschäft. „Durch die Rabattschlachten der großen Finalisten hat der SV an Bedeutung verloren.” Früher wusste der Kunde, dass er Schnäppchen beim WSV machen kann. Durch sie frühzeitige Reduzierung weiß er doch heute gar nicht mehr, ob es sich um ein Schnäppchen handelt oder nicht.”