Stolberg: Vom Kupferhof zum Kulturzentrum

Stolberg : Vom Kupferhof zum Kulturzentrum

Insgesamt 93 Jahre waren die Schwestern vom Armen Kinde Jesus in Stolberg tätig. Von ihrem karitativen und pädagogischen Wirken erzählt das im November erscheinende Buch „Vom Kupferhof zum Kinderheim und Kulturzentrum”.

Hans-Joachim Ramm, Vorsitzender des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins, von dem das Buch herausgegeben wird, sieht in der Arbeit der Schwestern einen wichtigen Faktor für die Entwicklung des Stadtteils Mühle.

In dem 27. Band der Beiträge zur Geschichte Stolbergs hat die Autorin A. Katharina Schreiber nicht nur Materialien aus öffentlichen Archiven, sondern auch zahlreiche Quellen aus privaten Sammlungen und Archiven sowie mündliche Zeitzeugenberichte und bisher unveröffentlichte Bilder verwendet. Eines der im Buch erwähnten Einzelschicksale handelt von Marianne Münch, geborene May, die damals von den Schwestern in Haushaltung unterrichtet wurde und heute, wie Schreiber, in Vicht wohnt.

Zweite Schaffensphase begann 1897

In erzählender Weise, aber unter Berücksichtigung der Hintergründe und historischen Zusammenhänge, berichtet Schreiber von den fünf Phasen des Wirkens der Schwestern vom Armen Kinde Jesu. In der ersten Phase, die von 1855 bis 1875 andauerte, waren die Schwestern als Lehrerinnen an Stolberger Mädchenschulen tätig, kümmerten sich aber schon um die Betreuung von Waisenkindern. Untergebracht waren sie zu dieser Zeit in einem Nebengebäude des alten Rathauses. 1875 wurden dann Orden, die unterrichtend tätig waren, aus Deutschland vertrieben. Die Schwestern fanden in Simpelveld, wo sich noch heute das Generalmutterhaus befindet, eine neue Bleibe.

Die Neugründung der Niederlassung in der Prattelsackstraße, ungefähr an der Stelle, wo heute Aldi und Lidl ansässig sind, läutete 1897 die zweite Schaffensphase ein. Stolbergs damaliger Bürgermeister hatte die Schwestern zur Rückkehr aufgefordert, um Waisenkinder zu betreuen. Hinzu kamen bis Anfang der 1920er Jahre eine Sonntags-Haushaltungsschule sowie eine Handarbeitsschule und eine Kinderbewahranstalt (Kindergarten). Außerdem erwarben die Schwestern in dieser Zeit den Kupferhof Frankental, in den sie, nach größeren Umbaumaßnahmen, umziehen konnten.

Ehemals großes Gelände

Die dritte Phase begann Ende der 20er Jahre, als an der Frankentalstraße ein Neubau errichtet wurde. 1932 fingen die Schwestern an, auch Säuglinge und Kleinkinder zu betreuen. Daraus ergab sich 1936 die Gründung einer Kinderklinik.

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges sowie die ersten Nachkriegsjahre umfassen die vierte Wirkensphase der Schwestern vom Armen Kinde Jesu. Zu dieser Zeit wurden mehrere Neubauten, die noch heute im Bereich des Kaplan-Dunkel-Platzes und der Kupfermeisterstraße zu finden sind, errichtet. Ein Mauerrest am Parkplatz des Kaufhauses Woolworth lässt noch heute erkennen, wie groß das Gelände des Kinderheims war.

Kulturzentrum 1989 eröffnet

Nach einer Zeit des Wandels fand das Schaffen der Schwestern nach der Übersiedlung der Kinderklinik zum Bethlehem-Krankenhaus 1966 mit der Schließung des St. Vinzenz-Kinderheims im Jahre 1970 sein Ende.

Zwei Jahre später kaufte die Stadt Stolberg den Gebäudekomplex, der zunächst für die Stadtverwaltung genutzt wurde. Bis zur Ausschreibung eines Architekten-Wettbewerbs 1985 wurden die Räumlichkeiten von vielen verschiedenen Nutzern mit sozialen Zielen in Anspruch genommen. Nach der Umstrukturierung konnte das Kulturzentrum Frankental am 4. November 1989 eröffnet werden. Seitdem beherbergt es die Stadtbücherei, die Volkshochschule und die Musikschule Merz sowie seit dem letzten Jahr den Spielmannszug der Stolberger Feuerwehr.

Mit Rheinlandtaler geehrt

Auch an einigen der anderen 26 Bände zur Heimatgeschichte hat Schreiber mitgewirkt. „Für ihre Arbeit wurde ihr 1996 der Rheinlandtaler verliehen”, merkt ihr Mann Helmut Schreiber an, der selbst 2. Vorsitzender des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins ist und seine Frau bei der Arbeit an dem Band „Vom Kupferhof zum Kinderheim und Kulturzentrum” von Anfang an unterstützt hat.

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