Stolberg: Vom Europäischen Parlament in die Schule

Stolberg: Vom Europäischen Parlament in die Schule

Politikverdrossenheit bei der heutigen Jugend? Diesen beliebten Vorwurf wird man beim Anblick der Schüler des Goethe-Gymnasiums schnell verwerfen. Die Schülervertretung der Europaschule zeigte erneut Initiative und lud anlässlich des Europatags eine Abgeordnete des Europäischen Parlaments in die Schule ein.

Sabine Verheyen nahm dieses Angebot gerne an und informierte die Neunt-, Zehnt- und Elftklässler über die Arbeit des Parlaments.

Die Architektin, ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Aachen und Mutter von drei Söhnen, verdankt ihren Weg nach Brüssel unter anderem ihrem Sozialwissenschafts-Lehrer, wie sie den Schülern erzählte: „Der hat mich damals sehr für Politik begeistert.“ Interessiert folgten die Schüler ihren Darstellungen etwa über die Entstehung und Durchsetzung von Gesetzen, die stets eine, nicht immer ganz einfache, Kompromissfindung zwischen Parlament und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union voraussetzen.

Versehen mit persönlichen Anekdoten verstand es die Politikerin, den Vortrag mit Leben zu versehen. So gewährte das CDU-Mitglied Einblicke in seinen Alltag: Sie verbringe drei Tage die Woche in Brüssel und sitze mindestens einmal im Monat der Plenarsitzung in Straßburg bei.

„Sozialisierung spielt in der Wahrnehmung von Inhalten eine wichtige Rolle, das erkennt man besonders in der Pluralität der Meinungen im Parlament“, offenbarte Verheyen. Bedeutend sei jedoch, dass die Gemeinsamkeiten und kollektiv geteilten Ziele der verschiedenen Mitgliedsstaaten gewichtiger seien als die Differenzen. Und genau dies mache die Europäische Union aus.

„Wenn man sich anschaut, was um uns herum geschieht, können wir sehr froh sein, in dieser Gesellschaft leben zu können“, konstatierte Verheyen mit Anspielung auf die zahlreichen Konflikte, die viele Teile der Welt heute vor enorme Herausforderungen stellen. In diesem Sinne betonte die 51-Jährige den Ursprungsgedanken, der dem Zusammenschluss der Länder zugrunde liege: nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs einen weiteren zu vermeiden.

Die Schüler nutzen nach dem Vortrag die Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden. Ist anzunehmen, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt? Wie soll man mit dem Problem der Flüchtlingswellen umgehen? Was für Auswirkungen haben anti-europäische Stimmen im Parlament? Das waren einige der Themen, die den Oberstufenschülern am Herzen lagen. Für jeden Einzelnen nahm sich die Besucherin Zeit und antwortete ausführlich: In Griechenland gebe es grundlegende strukturelle Probleme in der Wirtschaftlichkeit, die nicht innerhalb eines Jahres zu lösen seien. Man müsse den Griechen unter die Arme greifen, damit es nicht zum Austritt komme.

Um eine langfristige Lösung für die Flüchtlingsentwicklung zu finden, müsse man in Präventionsmaßnahmen und Aufbauhilfe nach politischen Umbrüchen investieren und die Arbeit von Schleu­sern eindämmen.

Der Informationsdurst der Schüler war hoch, und sie waren sichtlich erfreut darüber, mit jemanden über diese Themen zu sprechen, der tagtäglich damit in Berührung kommt. Veranstaltungen wie diese stellen neben dem Sozialwissenschafts- und Politikunterricht ein fruchtbares Mittel dar, um Interesse für Gesellschaft und Politik zu wecken.

(ish)