Stolberg: Vielfalt ist Trumpf auf dem Hammerberg

Stolberg: Vielfalt ist Trumpf auf dem Hammerberg

Kunst kann ja so bequem sein. Zumindest die Kunst, die Markus Leuschen aus Roetgen produziert. Der 52-Jährige entwirft ungewöhnliche Gartenbänke, auf denen die Besucher der Ausstellung „Frühlingserwachen” am Wochenende auf dem Hammerberg nur zu gerne Platz nahmen, um den Blick schweifen zu lassen.

Organisiert hatte die Ausstellung die Stolberger Künstlerin Birgit Engelen. Beteiligt waren aber mehrere Künstler. Der Umstand, dass die Teilnehmer sich in ganz unterschiedlichen Kunstbereichen bewegen, garantierte ein breites Spektrum und damit Abwechslung für den Besucher.

Neben Leuschen (Gartenbänke) waren Tina Classen, die mit Glas arbeitet, die Schmuckdesignerin Petra Risse sowie die Textilkünstlerinnen Gitta Aguado Puerta und Karin Neustadt beteiligt. Mit im Boot waren außerdem Daniel Schweden (Floral-Art) und Gastgeberin Engelen mit ihren Steinobjekten und Bildern.

Die Ausstellung im Haus von Engelen konzentrierte sich vor allem auf den Garten. Das Wetter beim Frühlingserwachen - die Ausstellung war eingebunden in die Kunstausfahrt „Art Tour” am Sonntag - hätte nicht besser sein können: „Das ist einfach wunderbar”, sagte Engelen froh und schaute in den blauen Himmel.

Bei so schönem Wetter machte es gleich doppelt Freude, sich auf eine von Leuschens Gartenbänke zu setzen, um in Ruhe die schönen Dinge aufzunehmen. Der Garten war gespickt mit Skulpturen und Kunstobjekten. Die Schmuckdesignerin Petra Risse und die Glaskünstlerin Tina Classen hatten kleine Stände aufgebaut. In einem großen Zelt war Gitta Aguado Puerta aus Köln mit ihrer textilen Kunst anzutreffen.

Ein Zelt braucht Markus Leuschen für seine ergonomisch geformten Gartenbänke nicht - sie sind wetterfest. Die Bänke stehen allesamt auf einem Metallsockel, alles andere ist aus Holz. „Es wird weder ein einziger Nagel noch eine Schraube verwendet”, erklärte Leuschen, der Designer, Prozessoptimierer und Architekt ist. Die Bänke bestechen nicht nur durch ein klares Design, sondern auch durch eine intelligente Konstruktion. Die Sitzfläche einer der Bänke etwa lässt sich mit einem Griff aufrollen. Ruckzuck ist die solide Bank in ihre Einzelteile zerlegt. Leuschen fertigt die Bänke übrigens nicht selber: „Meine Arbeit passiert am Schreibtisch, ich entwerfe und konstruiere die Bänke, für die Fertigung habe ich Partnerfirmen.”

Nicht so robust wie die Bänke sind die Glasobjekte von Tina Classen aus Hückelhoven. Dabei bedient sie sich einer Technik aus der Antike, die „Pate de verre” heißt. „Das ist vergleichbar mit dem Bronzeguss”, beschrieb die 47-Jährige die aufwendige Methode. Mit dieser Technik gelang ihr die exakte Kopie eines Baumpilzes. Ein untertassengroßer Baumpilz aus Glas, mit all seinen feinen Strukturen.

Die Struktur spielt auch bei der Arbeit von Petra Risse aus Aachen eine Rolle: Ihr feines Gespür für Formen und Farben kann sie beim Schmuckdesignen ausleben. Ihre bevorzugten Materialien sind Gold, Silber und Edelsteine, die sie mitunter mit einem „besonders schön gezeichneten Kieselstein” kombiniert. Ihr Schmuck ist schnörkellos, hat eine klare Linie, aber hier und da finden sich auch verspielte Details.

Nicht so lange haltbar wie der Schmuck ist die Kunst von Daniel Schweden. Der Stolberger präsentierte bei der Ausstellung Blumenschmuck. Der 29-Jährige nimmt als Unterlage für ein Blumenarrangement beispielsweise Birkenrinde.

Behältnisse aus Filz sieht man selten: Gitta Aguado Puerta hat sich genau darauf spezialisiert. „Was mich an Filz fasziniert, ist seine harmonische, glatte Oberfläche. Aber darunter ist alles verworren, eben verfilzt.”

Schmuck aus Filz bot Karin Neustadt an. „Ich habe ein Faible für altes Silber und in den vergangenen drei Jahrzehnten viel gesammelt”, erzählte die Filzkünstlerin und nahm einer der kunterbunten Ketten in die Hand. „Darum steht der Schmuck unter dem Begriff âSammelsuriumÔ”, erklärte die Textilkünstlerin, die auch Muscheln oder Seidenraupenkokons auffädelte, teilweise aber auch Ringe komplett aus Filz herstellt.

Harmonie: Das ist das Wort, das dem Betrachter beim Anblick der Steinskulpturen von Birgit Engelen durch den Kopf ging. Das Kunstwerk besteht aus zwei Köpfen, die wie ein Schneckenhaus geformt sind. Die Gesichter sind einander zugewandt, die Münder scheinen sich zu suchen. Engelen schob die Gesichter zusammen, und der Eindruck bestätigte sich: Die Münder passen aufeinander, es ist ein Kuss für die Ewigkeit.

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