Vielfältige Kunstwerke thematisieren Naturschutz

Flussperlmuschel im Fokus : Vielfältige Kunstwerke thematisieren Naturschutz

Es verspricht hoch interessant zu werden, wenn mehr als 30 Künstler sich mit dem Thema Natur- und Artenschutz auseinandersetzen, und die Biologische Station den wissenschaftlich-informativen Rahmen dazu steckt. „Margarita M – Flussperlmuschel auf Abwegen“ ist der Titel der Gruppenausstellung am Hammerberg, die tatsächlich viel mehr ist als eine reine Kunstschau.

Es ist bereits die vierte Aktion, bei dem zahlreiche Künstler Arbeiten zu ein und demselben Thema in Skulpturengarten und Atelierhaus von Birgit Engelen präsentieren.

„Schon bei den ersten beiden Themen ,Wald' und ,Stadt, Land Flow' war die Biologische Station Projektpartner, und die Künstler haben den Gedanken Natur- und Artenschutz in ihre Werke einfließen lassen“, beschreibt Engelen. So sei bei der dritten Ausstellung „Sumsimitpo“ die Bedrohung der Wildbienen thematisiert worden. Jetzt steht an zwei Wochenenden die Flussperlmuschel im Mittelpunkt. „Margarita“ steht im Lateinischen für „Perle“, und „der wissenschaftliche Name der Flussperlmuschel ist ,Margaritifeira'“, erklärt Heidi Selheim, die für die in Stolberg ansässige Biologische Station der Städteregion das Projekt Flussperlmuschel leitet.

Die „Margaritifera“ sei weltweit eine bedrohte Art und wäre in Nordrhein-Westfalen beinahe ausgestorben, erläutert Selheim, die Diplom Landschaftsökologin und Künstlerin in Personalunion ist: „Um 1800 soll es im Perlenbach und in der Rur noch bis zu eineinhalb Millionen Tiere gegeben haben. Doch die Altmuscheln sind zwischen 2009 und 2015 gestorben.“ Dass es im Perlenbach bei Monschau dennoch die letzte in NRW existierende Population der Flussperlmuschel gibt, ist der halb-natürlichen Nachzucht innerhalb des Projektes der Biologischen Station zu verdanken.

Diplom Landschaftsökologin Heidi Selheim (links) und Gastgeberin Birgit Engelen halten eine Flussperlmuschel in den Händen – die letzte in NRW verbliebene Population ist im Perlenbach bei Monschau heimisch. Foto: Dirk Müller

Schützenswert sei die „Margaritifera“ aus mehrfachen Gründen, sagt Selheim: „Wie die meisten Muscheln wirkt sie wie ein Filter und übt damit eine wichtige Funktion für unsere Gewässer und für das Ökosystem Fluss aus.“ Obwohl nur etwa jede 2000. Muschel eine Perle hervorbringt, haben eben jene Perlen in früheren Zeiten menschliche Begehrlichkeiten geweckt – zu Lasten der Flussperlmuschel. Mit Beginn der Industrialisierung wurde die Situation der „Margaritifera“ immer dramatischer. Zunächst führten die Abwässer der Tuchfabriken in der Rur zu einer drastisch verschlechterten Wasserqualität.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging im Perlenbachtal durch die Aufforstung mit der gebietsfremden Fichte und der Aufgabe der Mähwiesen in der Aue die Nahrungsgrundlage der Flussperlmuschel verloren, und die Intensivierung der Landwirtschaft im Einzugsgebiet des Perlenbaches trug zur Verschlechterung der Wasserqualität bei. Der Bau der Perlenbachtalsperre Mitte der 1950er Jahre verhinderte zudem den Aufstieg der Bachforellen, die als Wirt-Fische für die Fortpflanzung der Flussperlmuschel notwendig sind.

„Die Geschichte der Flussperlmuschel ist eines von vielen Beispielen dafür, wie der Mensch die Natur ausbeutet oder unachtsam zerstört. Aber auch dafür, wie er sich eines Besseren besinnt, und eine bedrohte Art vor dem Aussterben schützt“, meint Selheim. Ein wichtiger Aspekt, der auch bei der Kunstausstellung „Margarita M“ zum Tragen kommen soll, betont Birgit Engelen: „Wir wollen möglichst viele Menschen für Natur- und Artenschutz sensibilisieren – allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger und dennoch mit viel Herz und Verstand, da die Kreativität der Künstler und die wissenschaftlichen Informationen der Biologischen Station bei der Ausstellung Hand in Hand gehen.“

Auch bei einigen Kunstwerke seien die Grenzen fließend, denn für die von der NRW Stiftung geförderte Ausstellung seien die Künstler von der Biologischen Station gut vorbereitet worden, sagt Heidi Selheim: „Wir haben zwei Infoabende, eine Wanderung und einen Laborbesuch angeboten.“ Soweit der theoretische Unterbau. Praktisch präsentieren die Künstler zahlreiche kreative Spielarten: Malerei, Skulpturen, Fotografie, Collagen, Installationen, Assemblagen, Illustrationen sind ebenso zu sehen wie Objekte aus Keramik, Glas, Stahl, Textil und mehr. Zudem ergänzen Tanz und Literatur die Gruppenausstellung „Margarita M“.

(dim)