Offener Ganztag: Viel geändert hat sich in Stolberg nicht

Offener Ganztag : Viel geändert hat sich in Stolberg nicht

In Sachen offener Ganztag soll sich nicht nur in Nordrhein-Westfalen etwas tun, sondern auch in Stolberg. Das Thema steht nun im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Tourismus (ASKST) auf der Tagesordnung.

Dort entscheidet die Politik darüber, ob sie das Ansinnen der städteregionalen Arbeitsgemeinschaft der OGS-Träger unterstützt und die Verwaltung damit beauftragt, einen mit den städteregionsangehörigen Kommunen abgestimmten Entwurf einer Petition an das Land zu erarbeiten, der auch die Belange aus Sicht der Kommunen berücksichtigen soll.

Zum Hintergrund: In der städteregionalen Arbeitsgemeinschaft der OGS-Träger haben sich zehn freie Träger der Jugendhilfe zusammengeschlossen. Dazu zählt unter anderem auch der Verein „Betreute Schulen Aachen-Land“, der in Stolberg seit etlichen Jahren die Trägerschaft des offenen Ganztags für die Grüntalschule und die Grundschule an der Prämienstraße übernommen hat.

Im vergangenen Jahr haben sich die Träger der freien Jugendhilfe in der Städteregion der von der freien Wohlfahrt ins Leben gerufenen Kampagne „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ angeschlossen. Im Rahmen dieser Kampagne wurde auf den dringenden qualitativen Ausbaubedarf des offenen Ganztags hingewiesen und es wurden konkrete Forderungen formuliert.

Auch in Stolberg spielte dieses Thema im vergangenen Jahr eine große Rolle. Ende Juni 2017 fand vor dem Stolberger Rathaus ein so genannter Smartmob von Schülern aus der Grüntalschule und der Grundschule an der Prämienstraße statt. Rund 110 Kinder tanzten und sangen damals für eine Verbesserung des offenen Ganztags. Wie diese aussehen sollten? Schüler, Lehrer und Eltern forderten von der Landesregierung in NRW neben einheitlichen Standards auch höhere Etats und eine einheitliche Förderung sowie Ausbauprogramme und eine landesweite gesetzliche Regelung des offenen Ganztags.

Natürlich hatten auch die Stolberger Schüler ihre ganz eigenen Ideen, was man verbessern könnte. Neben einem größeren Angebot für die Zeit nach dem Unterricht, standen auch Ruheräume ganz hoch im Kurs. Auf Plakaten, die damals unter anderem auch Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger unterzeichnete, hielten die Kinder ihre Wünsche fest. Diese sollten dann einige Wochen später der neuen Landesregierung in Düsseldorf überreicht werden.

Und was hat sich seitdem getan? Knapp ein Jahr später kommt die städteregionale Arbeitsgemeinschaft der OGS-Träger zu der Feststellung, dass die von Seiten des Landes zugesicherte qualitative Stärkung des Ganztags noch nicht in der wunschgemäßen Form umgesetzt worden ist. Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft nun eine OGS-Petition an das Land unter der Überschrift „OGS funkt SOS — Qualität vor dem aus! Formuliert und beantragt nun auch die Unterstützung von Seiten der Kommunen.

Dies wurde im Rahmen der Bürgermeisterkonferenz bereits beraten und ein Auftrag formuliert, die kommunalen Belange in eine eigene kommunale Petition einfließen zu lassen und diese im Rahmen der Schuldezernentenkonferenz abzustimmen.

Dieser Entwurf befindet sich derzeit im Abstimmungsprozess und soll insbesondere aus Sicht der Kommunen noch einmal klar herausstellen, dass die OGS pädagogischer Teil der Schule ist und damit als Landesaufgabe insbesondere hinsichtlich der Kostenpflicht zu definieren ist.

Die Stadt Stolberg sei sich darüber bewusst, dass der Ausbaubedarf des offenen Ganztags einen besonderen Stellenwert bei allen Beteiligten in der Schullandschaft einnehme und unterstütze aus diesem Grund die Bemühungen der OGS-Träger. Wie die Entwicklung der Anmeldezahlen zeige, steige der Betreuungsbedarf kontinuierlich an und somit auch die Anforderungen an die offene Ganztagsschule.

Mit der Einführung der sozial gestaffelten Elternbeiträge und des festgelegten OGS-Festbetragszuschusses des Schulträgers inklusive einer jährlichen Dynamisierung von zwei Prozent für die OGS habe die Stadt trotz schwieriger Finanzsituation einen weiteren wichtigen Schritt unternommen, um der kommunalen Verantwortung zur Unterstützung der OGS-Träger in Stolberg gerecht zu werden. Ob nun der nächste Schritt folgt, entscheidet die Politik.

(se)
Mehr von Aachener Zeitung