Stolberg: Viel Applaus für einen mitreißenden Klassik-Abend

Stolberg: Viel Applaus für einen mitreißenden Klassik-Abend

Die Sehnsucht nach Festivals in kleinerer Form fernab der großen Säle hat auch Stolberg erreicht. Das Auftaktkonzert des mittlerweile dritten und damit „traditionellen“ Klassik-Festivals (laut Abendspielleiter Dieter Jansen) bestritt die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der renommierten Leitung von Juri Gilbo mit den beiden Klaviersolisten Alexander Krichel und Patricia Buzari.

Es wurde im Museum Zinkhütter Hof zu einem Ohren- und Augenschmaus für alle Beteiligten. Das lag einerseits an der entgegengesetzt aufgebauten Bühne mit festlicher Beleuchtung und dem herrlichen Blumenschmuck, um den sich Bilder von Monika Jonas rankten und zum anderen an der klassischen Musik von Händel, Bach, Haydn, Elgar und Mozart, mit dem die Protagonisten des Abends die Werke darboten.

Meisterhaft musikalisch gelang die „Ankunft der Königin von Saba“, das wohl zu den berühmtesten Orchesterstücken aus dem geistlichen Oratorium zählt. Gegründet 1990 von Absolventen des St. Petersburger „Rimski-Korsakow“ Staatskonservatoriums, übernahm Juri Gilbo 1998 das Amt des Künstlerischen Leiters und setzte neue Maßstäbe durch die Verbindung der legendären russischen Streicherschule mit den westeuropäischen Bläsertraditionen, was dem internationalen Spitzenorchester einen unverwechselbaren Klang verlieh.

Das zeigte sich dann vollends in der „Symphonie Nr. 49 f-Moll“ von Joseph Haydn, dem Glanzlicht im ersten Teil. Nach der Pause ließ sich das internationale Spitzenorchester, das in allen wichtigen Konzertsälen Europas gastiert, mit der „Serenade e-Moll für Streicher op. 20“ vernehmen, dessen drei Sätze Edward Elgar aus vielfältigen Anregungen 1892 geschaffen hatte und stilistisch der Spätromantik zuzuordnen ist. Seine raffinierte Instrumentierung bewegte sich zwischen zarter Feingliedrigkeit (Allegro piacevole und Larghetto) und heiteren Momenten im Allegretto.

Während Patricia Buzari im „Klavierkonzert f-Moll BMV 1056“ von Bach ihre Qualitäten zeigte, gefiel Echo-Preisträger Alexander Krichel beim „12. Klavierkonzert KV 414“ von Mozart und überzeugte auf dem Steinway-Flügel mit pianistischer Bravour. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich der Künstler mit einem Wiegenlied, das er selbst komponiert und einem Förderer in Südamerika gewidmet hatte, der an Schlafstörungen litt. Für die Zugabe mit Patricia Buzari, das „Herz und der Motor“ des Festivals, hatten die Beiden eine Fantasie zum Märchen Dornröschen von Maurice Ravel als vierhändige Klaviermusik ausgewählt. Die Zuhörer erhoben sich von den Plätzen und zollten durch reichlich Applaus Dank und Anerkennung für diesen hinreißenden Abend.

Heute geht es mit dem Kinderkonzert und einer Märchenstunde um 11.30 h weiter. Maria Riga, gebürtige Griechin, ist Soziologin und Projektmanagerin. Sie vermittelt im Zinkhütter Hof ihre erprobte Methode des Märchenerfindens am Beispiel von „Dornröschen“, während Patricia Buzari dazu Musik von Pjotr Illjitsch Tschaikowski auf dem Klavier spielt.

Am Abend kommen dann zwei Musiker aus der Türkei und präsentierten Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit Aylin Cakici Uzar (Klavier) und Emre Engin (Violine)möchte das Musikfestival Stolberg das Land am Bosporus aus einem anderen Blickwinkel zeigen. Karten gibt es jeweils an der Abendkasse.

(mlo)